Von Montagelinien bis zu Kommissionierungs-, Verpackungs- und Schweißarbeiten: Unternehmen in aller Welt integrieren immer mehr Industrieroboter in ihre Prozesse. Die Nachfrage nach kundenspezifischen Roboterzellen wächst – und damit auch der Bedarf an Prüfungen und Zertifizierungen. TÜV Rheinland hat ein Programm entwickelt, mit dem sich die Zertifizierungen für den amerikanischen Markt vereinfachen lassen.

Industrierobotik: Zertifizierung für jede neue Roboterzelle?

Sie arbeiten präzise und sorgen für mehr Tempo und Effizienz in industriellen Prozessen: Innovative Roboterzellen mit fortschrittlichen optischen Sensoren, neuen Werkzeugen und Manipulatoren sowie Teilezuführungsmechanismen sind in zahlreichen Branchen gefragt. Das Problem, vor dem die meisten Hersteller bei der Produktion dieser neuartigen Roboterteile und -baugruppen stehen, ist der Nachweis der Konformität mit internationalen Roboternormen, etwa mit dem amerikanischen Industrieroboter-Sicherheitsstandard ANSI/RIA R15.06. Prüfungen und Zertifizierungen für jedes einzelne Teil sind zeitaufwendig und teuer, vor allem, wenn immer wieder neue kundenspezifische Roboterzellen hergestellt werden. Sie benötigen einen Zertifizierungsnachweis, aber Auditorinnen und Auditoren sowie Zertifizierungsstellen können nur das zertifizieren, was sie inspiziert haben.

Robot Integrator Program: Ein TÜV Rheinland Prüfzeichen für alle Varianten

Mit dem Robot Integrator Program von TÜV Rheinland erhalten Hersteller ein Prüfzeichen für all ihre kundenspezifischen Roboterzellen. Auf jeder Zelle kann ein TÜV Rheinland Prüfzeichen angebracht werden, ohne dass eine Bewertung jedes einzelnen Roboterzellentyps vorgenommen werden muss, solange die einzelnen Varianten mit dem Programm konform sind. Im Gegensatz zu einer typischen Zertifizierung, bei der nur bestimmte Zellentypen aufgelistet werden können, gibt dieses Programm den Herstellern die Flexibilität, eine Vielzahl von kundenspezifischen Zellen zu produzieren. Für den europäischen Markt kann dieses Verfahren analog angewendet werden. Das Ergebnis sind in diesem Fall Prüf- und Auditberichte, die der technischen Akte der Roboterzelle beigefügt werden und die Einhaltung der Normen belegen.

Roboter-Zellen

​Das Programm zur Integration von Roboterzellen im Überblick

Vor der Bewertung müssen die Hersteller ein Dokumentenpaket einreichen, das repräsentativ für die von ihnen produzierten Typen von Roboterzellen ist. Dazu gehören Schaltpläne, Konstruktionszeichnungen und Komponenteninformationen, außerdem eine Risikobewertung und Informationen zur funktionalen Sicherheit. Während der Erstprüfung können die Auditor*innen weitere Unterlagen wie Qualitätsnachweise oder andere relevante Informationen anfordern. Der Auditor bzw. die Auditorin beurteilt auch die Kompetenz des Personals und seine Kenntnisse über die fraglichen Standards. Auf der Grundlage dieser Bewertung erstellt TÜV Rheinland eine umfassende Schulungspräsentation und Unterlagen zu ANSI/RIA R15.06.

Im Rahmen der Bewertung durch die Auditor*innen wird unter anderem auch die betriebliche Eignung des Integrators überprüft und festgestellt, ob für konforme Roboterzellen eine konsistente Basis gegeben ist. Darüber hinaus muss eine vollständig gebaute Roboterzelle zur Verfügung stehen, die bereits so funktioniert, wie es in der Umgebung des Endbenutzers vorgesehen ist. Nach Abschluss des Audits werden die Ergebnisse besprochen und gegebenenfalls Maßnahmen zur Nachbesserung festgelegt. Bei vollständiger Konformität erhält der Hersteller eine Bestätigung, das Nutzungsrecht zur Verwendung unseres Prüfzeichens sowie eine erste Reihe von Seriennummern. Der Kunde kennzeichnet seine Roboterzellen mit dem TÜV Rheinland Prüfzeichen – und kann damit nachweisen, dass sie den Normen entsprechen, die auf dem Etikett aufgeführt sind. Über die Certipedia-Website von TÜV Rheinland kann die Gültigkeit jederzeit überprüft werden.

Um die Konformität mit dem neuen Programm aufrechtzuerhalten, müssen auch neu produzierte Roboterzellen jeweils den Anforderungen des Sicherheitsstandards ANSI/RIA R15.06 entsprechen. Bei Folgeaudits muss der Hersteller die vorgeschriebene Dokumentation vorlegen können, einschließlich einer Checkliste jeder Zelle, die ein TÜV Rheinland Prüfzeichen erhalten hat.

Broschüre zum Download

Das TÜV Rheinland Robot Integrator Program ist das erste Zertifizierungsprogramm seiner Art. Setzen Sie sich mit unseren Expert*innen in Verbindung, wenn Sie daran interessiert sind, das Programm zu implementieren, oder laden Sie unsere Broschüre herunter.

Whitepaper zum Download

Roboterzellen verwenden eine Vielzahl von Sensoren, um sich nicht über ihren festgelegten Arbeitsbereich hinaus zu bewegen. Aber wie stellen Sie sicher, dass Ihre Industrieroboterzellen wie vorgesehen funktionieren? Laden Sie unser englisches Whitepaper “Adhering to Safety Standards for Industrial Robotic Cells” herunter, um mehr über die potenziellen Gefahren im Zusammenhang mit Roboterzellen und die Normen zu erfahren, die helfen, diese Risiken zu eliminieren oder zu reduzieren.

Mehr Infos:

Sie möchten mehr über unsere umfassenden Dienstleistungen im Bereich Robotik erfahren? Besuchen Sie unsere Website.

Autor des Beitrags

Thomas Köster

Thomas Köster

LEITER TECHNICAL COMPETENCE CENTER

Leiter des Technical Competence Center Industriemaschinen von TÜV Rheinland. Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität Berlin. Berufsstart im Jahre 1996 im Prüflabor für Elektrotechnik des TÜV Rheinland Japan in Yokohama. Seit 2005 beim TÜV Rheinland in Deutschland im Bereich Maschinensicherheit tätig und Laborleiter für Industriemaschinen bis 2020. Seit 2020 globaler Koordinator des Segments Maschinen im TÜV Rheinland. Mitglied in deutschen und Europäischen Gremien im Bereich Maschinensicherheit.

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