So oder so ähnlich teile ich mittlerweile meine Mitfahrer im Wahnsinn des Kölner Fahrradverkehrs ein. Aber kommen wir zum eigentlichen Thema: Das Radchaos auf Fahrradwegen, (Fahrrad-)Straßen und auch auf dem Bürgersteig (in Berlin z.B. die Regel, weil so breit), sobald es wärmer wird. Wie ich das finde? Wenn ich Ihnen jetzt sage, dass ich Radfahren im Frühling und Sommer zwar lieber mag, aber es dennoch im Herbst und Winter bevorzuge, können Sie sich die Antwort denken.

Die Radfahrer-Kategorien 

Sobald es wärmer wird und weniger regnet, tummeln sich nämlich nicht nur die täglichen Radpendler auf den Kölner Straßen, sondern alle. Alle, die mal rauswollen, die sich vornehmen, mal etwas für ihre Gesundheit zu tun, mal das Auto stehen zu lassen und so weiter und so fort. Im Grunde löblich. Ich bin großer Verfechter des Radfahrens. Ich lasse das Rad sehr selten zu Hause stehen. Ich möchte mich korrigieren: die Räder. Ich habe nämlich mehrere. Hängen auch an der Wand und so. Sollte ich einen Platten haben, muss am nächsten Tag selbstredend gewährleistet sein, dass ich meinen Halbstunden-Quer-Durch-Die-Innenstadt-von-Köln-Radpendelweg dennoch fahren kann.

Die Radfahrer lassen sich in verschiedene Kategorien aufteilen. In warmen Monaten kommen die Freizeitradler dazu. Fangen wir mit den häufigsten an:

Die Da-guck-ich-gern-mal-näher-hin (aufs Rad, nicht den Fahrer) Mitstreiter/innen

Die, die quasi die komplette Strecke immer wieder vor und hinter mir auftauchen. Die sympathischen, die in meiner Hood wohnen und auch täglich den Rhein überqueren auf dem Weg zur Arbeit. Meist Rennrad oder Fixie & Singlespeed (ja, ich auch). Klar, wir starten alle im hippen Ehrenfeld. Hier mit Tiefeinstieg aufzuwarten wäre absurd. Die meisten sind ok, machen Platz, wenn man vorbei will, halten sich zu 70 Prozent an die Verkehrsregeln, und wir kommen klar. Die fahren nämlich häufig und wissen, wie niedrig die Toleranzschwelle für Fehler von anderen irgendwann ist und machen deshalb selbst eher wenig. Also win-win für beide Seiten. Die meisten kennen sich irgendwann.

Kommen wir zu den Freizeitradlern

Fühlen sich etwas überfordert im Strom der Pendler, zeigen nicht an, wenn sie abbiegen, geschweige denn, wenn sie auf dem Radweg einfach anhalten. Auf die nimmt man Rücksicht und versucht, sie so schnell wie möglich zu überholen. Denn im Grunde genommen freue ich mich ja über jede/n, die/der das Auto stehen lässt und aufs Rad umsteigt. Eigentlich wünsche ich mir von dieser Kategorie nur zwei Dinge: Zeigt an, wenn ihr abbiegt oder anhaltet und schaut ab und an hinter euch, ob ihr nicht 20 Radfahrer durchlassen wollt. Ok, noch eins: Macht die Musik nicht so laut, dass ihr meine Klingel nicht hört. Geht super, mach ich auch so.

Die Handyfahrer/innen

Erkennt man an unvorhersehbarem Fahrstil. Mal langsam, mal absurd langsam. Schlangenlinien und beim Überholen die Gewissheit: Handy in der Hand. Ahja. War klar. Die sind total gefährlich. Für alle. Punkt. Es gibt diverse Alternativen: Z.B. Handy an der Ampel bedienen. Die rote versteht sich. Handy wegpacken und rausholen, wenn man da ist. Klingt krass, aber ist auch machbar. 20-30 Minuten ohne Handy kann man Überleben. 20-30 Minuten auf dem Radweg mit Handyfahrer/innen: Keine Garantie. Handy in der Hand und Radfahren: Absolutes No-go. Regt mich sehr auf. Sag ich auch. Hier und auf dem Radweg. Danke.

Die, die man schon von weitem als Nahkampf-Radfahrer erkennt

Die Outdoor-Warnwesten-Blinki-Kilometerzähler-und-GPS-Nerds: Nicht mein Fall. Zu verkrampft und manchmal leider aggressiv. Tragen das Radoutfit mit Stolz und auch Sturmhaube und Handschuhe bei 15 Grad. Mit gelbem Neon natürlich. Sicher, sie werden gesehen. Auch aus dem All. Aber sehen irgendwie so aus, als seien sie im Krieg und nicht auf der Straße. Und fahren auch so. Mir gehört die Straße. Und der Radweg sowieso. Schreiben vermutlich täglich zum Radbeauftragten und melden Falschparker. Im Grunde auch nicht falsch, aber irgendwie nicht mein Stil. Manchmal auch Go-pro auf dem Helm. Wenn die mich damit filmen, melde ich das dem Radbeauftragten! Nur, damit Sie Bescheid wissen.

Die Wahnsinnigen

Vermehrt am Wochenende. Manchmal betrunken. Oft zu zweit oder dritt auf dem Fahrrad. Auch schon schockiert wahrgenommen: Vater mit Säugling in Trage vorm Bauch. Auf dem Rad. Nur eine Hand am Lenker, weil die andere ja den Kopf des Babys halten muss. Kann es nämlich noch nicht allein. Vielleicht dann auch nicht aufs Rad steigen, mein Guter. Immerhin kein Handy.
Oder: Radfahrer mit zweitem Rad in der Hand sieht man ja häufiger. Das fahren sie dann lässig neben sich selbst auf dem Rad nebenher. Aber freihändig mit zwei Rädern jeweils rechts und links war auch mir tatsächlich neu. Gespottet auf einer vielbefahrenen Straße in Köln.

Die Lastenradfahrer/innen

Früher schon Panik beim Anblick, weil sie so langsam sind und man sich an der Ampel sofort vor sie setzen musste um wegzukommen. Heute überhaupt kein Problem mehr, weil meist mit Akku unterwegs. Sind also bei Grün meist sogar schneller weg als die geneigte Rennradfahrerin. Und holen ein bis zwei Autos von der Straße.

Die Anhänger-Fahrer/innen

Wer sich kein Lastenrad leisten will oder kann, hängt an. Meist Kinder und/oder Hunde. Mag ich sehr. Aber der/die Fahrer/in sollte nicht vergessen, dass da hinten meist ein kleiner Mensch dranhängt. Da hilft auch der orangene Wimpel nicht, wenn man im Harakirimodus durch den Stadtverkehr jagt. Diskussionen gibt es auch immer wieder um die Feinstaubbelastung der auf Auspuffhöhe liegenden Lungen der Kids. Habe auch schon Mundschutz gesichtet.
Ein Hoch auf Anhänger, Lastenräder und weniger Autos auf den Straßen.

Die Fahrradkuriere

Zählen fast nicht mehr zu den Radfahrern. Sind zu schnell dafür. Und fast nie auf dem Radweg unterwegs. Meine stillen Helden der Stadt. Und gibt’s immer weniger. Zumindest in Köln hat die Sichtung nachgelassen. Warum eigentlich? Vermutlich auch alles digitalisiert mittlerweile.

Die Lieferfahrer/innen

Essen kann nicht digitalisiert werden. Zumindest nicht außerhalb des Enterprise-Universums, in dem es selbstredend mit Replikatoren geht. Wird es also immer geben. Die Studis mit ihren eigenen Bikes und Apps und die, die von ihrem Arbeitgeber Elektroräder bekommen.

Die Elektronischen

Denn sie wissen nicht was sie tun. Zumindest einige von ihnen. Sind sich nicht bewusst, wie schnell sie damit sind. Und was sie anrichten können. Wer sonst nicht mehr aufs Rad steigen würde, tut es nun mit Akku. Weil man ja immer wieder nach Hause kommt, auch wenn die Muskelkraft erlischt. Finde ich eigentlich gut. Aber wenn es in Richtung rollende Bombe geht, dann ist es nicht ganz so mein Fall. Wissen Sie, wie schnell die werden können? Da habe ich ohne Akku schon einen Puls von 260, bevor ich überhaupt in die Nähe dieser Geschwindigkeiten komme.

Die Liegeräder

Was soll ich sagen? Sind zwar windschnittiger und damit auch sicher leichter zu fahren, aber definitiv meiner Meinung nach nicht für den städtischen Straßenverkehr geeignet. Zu tief, zu abgasnah, zu wenig sichtbar. Wer so etwas in Köln fährt, gehört für mich schon fast in die Gruppe der Wahnsinnigen. To boldly go where no one has gone before…oder so.
Radverkehr
Radler

Wenn ich jemanden vergessen habe, lassen Sie es mich bitte wissen. Muss jetzt los und nach Hause fahren. Quer durch Köln. Mit dem Rad. Durch den Wahnsinn. Und mit einem Lächeln, weil es so viel Spaß macht.

Disclaimer: Ausnahmen bestätigen immer die Regel.

Hinweis:

Dieser Artikel ist eine stark gekürzte Fassung der Rad-Reihe in unserem Mobilitäts-Blog. Wenn Sie also tiefer in die Rad-Materie eintauchen wollen, lesen Sie hier Teil 1 und Teil 2!

Autorin des Beitrags

Anna Linn Zafiris

Anna Linn Zafiris

Head of Social Media

Anna Linn Zafiris ist Head of Social Media innerhalb des Newsrooms. Sie ist mit Herz und Seele Kölnerin. Punkt. Das heißt nicht, dass sie nicht liebend gerne den Kölner Dom gegen Aussichten auf Tempel, Vulkane, Safari-Jeeps oder Kängurus eintauscht. Aber am Ende der Reise freut sie sich immer sehr, den Kölner Fernsehturm Colonius in ihrer Nachbarschaft wiederzusehen. Wenn sie nicht Bilder von veganem Essen oder Streetart bei Instagram postet, dann ist sie meist auf einem ihrer Fahrräder, auf Flohmärkten, beim Spazieren durch Köln oder bei ihrer zweiten großen Leidenschaft neben dem Radfahren, nämlich im Yoga-Studio zu finden.

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