Mehr als 20.000 Menschen arbeiten an Standorten rund um den Globus für TÜV Rheinland. Die Weihnachtszeit erleben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz unterschiedlich. Sarah Stark berichtet aus der japanischen Metropole Tokio.

Weihnachtsmänner überall

Am Morgen nach Halloween beginnen Schreibwaren- und Buchläden in Tokio mit dem Verkauf von Weihnachtskarten. Die meisten Karten kommen aus Frankreich, Italien oder den USA – aber diejenigen Exemplare, die dann doch in Japan gedruckt wurden, zeigen Weihnachtsmänner an Orten im ganzen Land:

  • unzählige winzige Weihnachtsmänner beim Sushi-Essen,
  • unzählige winzige Weihnachtsmänner, die sich in einer heißen Quelle entspannen,
  • unzählige winzige Weihnachtsmänner, die den Sky Tree in Tokio hinaufklettern oder an der Dōtonbori in Osaka spazieren gehen.

Die Atmosphäre auf diesen Weihnachtskarten spiegelt sehr gut wider, wie ich die Adventszeit in Japan erfahre. In meiner westfälischen Kindheit war Weihnachten ein Festtag, zu dem sich die Familie versammelte, an dem es nach dem gemeinsamen Besuch des Weihnachtsgottesdienstes eine Bescherung gab. (Natürlich war auch der gelegentliche Familienstreit nicht ganz zu vermeiden). Japan ist da etwas anders. Sobald Halloween vorbei ist, wird Tokio von Unmengen von Weihnachtsmännern „überfallen“. Grüne und rote Dekorationen tauchen in meiner örtlichen Bäckerei auf. Die Angestellten des schönen Cafés in meiner Nachbarschaft tragen Nikolausmützen (und dieses Jahr auch weihnachtliche Masken). Sogar in der Reinigung gegenüber meiner Wohnung steht ein Weihnachtsmann im Fenster.

„Jingle Bells“ in Endlosschleife

Auch die Geräuschkulisse in den Geschäften in Tokio verändert sich. Ich lebe jetzt seit fast 20 Jahren außerhalb Europas und weiß nicht, welche Musik in den Cafés und Supermärkten im Dezember dort gespielt wird. Aber Alvin and the Chipmunks, die in meinem gemütlichen Nachbarschaftscafé „Jingle Bells” und „We Wish You a Merry Christmas” in Endlosschleife singen, ist nicht wirklich das, was ich mir unter einer festlichen Adventszeit vorstelle. Deshalb versuche ich in den letzten sechs Wochen des Jahres Supermärkten und Cafés fernzubleiben – und wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt, trage ich Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung, das macht es erträglicher.

Heiligabend für Verliebte reserviert

So wie die meisten Europäer sich auf Silvesterpartys freuen, ist Weihnachten in Japan auch eher eine Party, bei der die Menschen vor allem mehr Geld ausgeben. Heiligabend selbst ist der wichtigste Tag – und für unverheiratete Japanerinnen und Japaner ist es der Abend, den man mit seinem/seiner Liebste*n verbringen möchte. Dazu gehört natürlich auch ein Geschenk. Websites und Zeitschriften überschlagen sich mit Empfehlungen, in welches Restaurant man gehen und in welchem Hotel die Nacht verbringen sollte. Weihnachten ist das Fest der Liebe, und Heiligabend ist für Verliebte reserviert. 

Wie meine Kollegin K es ausgedrückt hat:

„Ich würde niemals vorschlagen, mich mit jemandem am 24. Dezember zu treffen, ob beruflich oder privat. Sie könnten ja etwas sehr Schönes geplant haben.“

Die Adventszeit wird auch von Kindergartenkindern gefeiert, indem sie die Fenster und Zimmer des Kindergartens oder Hortes entsprechend dekorieren. Viele Kleinkinder glauben auch an den Weihnachtsmann – schließlich bringt er ihnen Geschenke. Schulen und außerschulische Gruppen organisieren ebenfalls kleine Weihnachtsveranstaltungen, bei denen die Kinder Geschenke erhalten oder austauschen.

Festmahl mit Kentucky Fried Chicken

Am Abend des 24. Dezember wird ein kleiner Plastikbaum mit LED-Leuchten auf den Familientisch gestellt, und die Familien versammeln sich, um Kentucky Fried Chicken und Christmas Cake zu essen. Das Party-Fass ist ein Geniestreich des KFC Japan Marketing Departments. 1974 brachte die Fast-Food-Kette ihr Party Barrel erstmals auf den Markt – in diesem Jahr kostet es 4.100 JPY, also knapp 33 Euro. Der Tagesumsatz einer japanischen KFC-Filiale kann im Monat Dezember schon mal das Zehnfache des üblichen Umsatzes betragen, und der Weihnachtsumsatz macht etwa ein Drittel des Jahresumsatzes von KFC Japan aus! Als Dessert essen Familien traditionell Christmas Cake, einen runden Biskuitkuchen, der mit viel Schlagsahne und Erdbeeren dekoriert ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Butter, Milch und Zucker Luxusartikel – und als sich Japans Wirtschaft nach dem Krieg erholte, wurde der Christmas Cake zum Symbol des Wohlstands. Das hat sich bis heute gehalten.

Auf ein Neues

Trotz allem: Weihnachten ist in Japan kein offizieller Feiertag, und die Schule endet in der Regel am 25 oder 26. Dezember. Das Fest selbst ist bereits am 25. Dezember zu Ende. Die Geschäfte stellen für die nächsten zwei Wochen auf Neujahrsdekoration um. Alles wird ein bisschen langsamer, um sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren: mit den Neujahrsfestivitäten ein neues Jahr zu begrüßen.

Autor des Beitrags

Sarah Stark

Sarah Stark

INDUSTRIE SERVICE

Sarah Stark, TÜV Rheinland Japan, Industrie Service. Sie ist schon so lange in Japan, dass sie erstmal die Jahre zählen muss, wenn jemand sie danach fragt. Den größten Teil der Zeit verbrachte sie bei TÜV Rheinland Japan. Sie nutzt ihre vielen Sprachen, um Inspektionen rund um den Erdball zu organisieren. Nach der Arbeit fährt sie in vollen Zügen nach Hause, um dann an ihrer Doktorarbeit zu arbeiten – insgesamt verbringt sie also viel zu viel Zeit damit, auf Computerbildschirme zu starren. Dampf lässt sie ab, indem sie sich Comedy-Shows und Filme anschaut.

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