Innovation – ein Schlagwort, das vor allem größere Unternehmen geradezu elektrisiert. Die mächtigen, aber oft schwerfälligen Unternehmenstanker nehmen sich erfolgreiche Start-ups zum Vorbild und möchten von der Wendigkeit der kleinen Schnellboote profitieren. Mit eigenen Innovationsräumen und -programmen, entsprechenden Schulungen, Pitches oder internen Firmen-Start-ups versuchen sie, innovative Mitarbeiter*innen zu gewinnen und zu halten. Das Ziel: ausbrechen aus gewohnten Strukturen und Hierarchien, Freiräume schaffen für neue erfolgversprechende Ideen.

Von der Idee zur Umsetzung

Leider ist dies in der Praxis nicht immer ein einfaches Unterfangen. Viele innovative Projekte scheitern auf dem Weg von der Idee zur Umsetzung an starren Strukturen und fehlender Unterstützung. In unserem Innovationsprojekt bei TÜV Rheinland hatten wir die großartige Gelegenheit, selbst zu testen, wie weit wir kommen. Und nach einem Jahr mit Höhen und Tiefen sind wir tatsächlich am Ziel: Die konzernweite interne Übersetzungsplattform TÜV Translate ist allen Mitarbeitenden zugänglich. In diesem Blog wollen wir unsere 10 wichtigsten Erfahrungen auf dem Weg zur erfolgreichen Umsetzung teilen.

1. Den eigenen Job kreieren

Je mehr Spaß ein Projekt macht, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es auch klappt! Forscher fanden heraus: Von all den Dingen, die Emotionen, Motivation und Wahrnehmungen während des Arbeitstages fördern können, ist dem Menschen vor allem das wichtig, was er als sinnvoll erachtet.

2. Verbündete und Paten finden

Bedarf gecheckt? Nützlichkeit erkannt? Neue Tools sind wirklich nur dann gut, wenn sie einen echten Nutzen bringen. Allerdings hilft auch das beste Tool nichts, wenn es niemand kennt. Dafür ist es von Beginn an wichtig, Verbündete zu suchen, die an das Projekt und an die Kompetenz des Projektteams glauben. Sie tragen dazu bei, das Projekt im Unternehmen bekannt zu machen, vermitteln Kontakte zu Expert*innen und Stakeholdern und helfen, finanzielle und personelle Kapazitäten zu sichern.

3. Freiheit bekommen und nutzen

Wir haben unseren Freiraum in allen Schritten sehr geschätzt. Es war von Anfang an klar: Das Team allein treibt das Projekt voran. Scheitern ist erlaubt, die Arbeit ist agil, die Kernarbeit muss an gewissen Stellen zurücktreten. Diese Freiräume erlauben es, dass ein Innovationsteam ohne allzu große Rücksicht auf Konzernleitplanken arbeiten kann.

4. Positiv denken

Unser Wert wird nicht allein an unser Produktivität gemessen! Besonders wenn es um Projektarbeit geht, sollte man seinen Instinkten folgen, experimentieren dürfen – und sein Licht dabei nicht unter den Scheffel stellen. Wenn kritische Kommentare oder Selbstzweifel einmal die Stimmung beeinträchtigen – nicht vergessen: Jedes einzelne Teammitglied ist Experte für das Projekt. Niemand hat so viel recherchiert, so viele Verbindungen geknüpft und eine so genaue Vorstellung vom Nutzen der Innovation wie das Team!

5. Netzwerken über Hierarchien und Bereiche hinweg

Das Angenehme bei der Arbeit in einem agilen Projekt ist, dass man außerhalb der bestehenden Hierarchien arbeiten kann. Was zählt, ist der Projekterfolg. Und dafür ist man selbst verantwortlich. Also, Ärmel hoch und keine Berührungsängste! Jedes Teammitglied darf mit Vertretern aller Hierarchien reden. Es hat große Vorteile, Entscheidungen direkt einzuholen und direktes Feedback zu bekommen.

6. Wertschätzung im Team

Im Verlauf des Projekts haben wir gelernt: Je konstruktiver und agiler die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen im Projektteam ist, desto mehr können die Teammitglieder auf Verständnis und gegenseitige Wertschätzung bauen – auch wenn sie nur für das Innovationsprojekt zusammenkommen.

7. Der Weg wird zum Ziel

Da es viele interne Abhängigkeiten gibt, ist eine stringente zeitliche Planung kaum möglich. Wenn die IT gerade nicht kann, dann kann sie halt nicht. Hier ist es von Unternehmensseite aus wichtig, ausreichend Kulanz zu zeigen, wenn die Umsetzung länger dauert als ursprünglich geplant. Gleichzeitig sollte es Verständnis dafür geben, dass das Projekt nicht ewig laufen kann. Die benötigte Unterstützung muss geleistet werden, damit am Ende ein produktives Ergebnis steht.

8. Geduld und Ungeduld

Im Innovationsprojekt benötigt man zwei eigentlich entgegengesetzte Charaktereigenschaften. Zum einen die Ungeduld, den unbedingten Willen, etwas zu verbessern bzw. innovativ zu gestalten. Zum anderen die Geduld für langwierige Detailarbeit, die Geduld mit Entwicklern und künftigen Nutzer*innen, die bereits auf das Tool warten und ungeduldig nachfragen (was ja sehr positiv ist), und nicht zuletzt Geduld mit sich selbst, wenn man auf der Stelle tritt. Es hilft, wenn man dies à la „Good Guy, bad Guy“ auf mehrere Personen verteilen kann. Denn jede und jeder hat nun einmal an einem anderen Tag seine Stärken und Schwächen.

9. Vorausschauend planen

Ganz klar: Das Tool soll nicht nur eine Eintagsfliege sein und nach dem Hype in der Versenkung verschwinden. Daher sollte man rechtzeitig an die Übergabe denken und sich die notwendigen Mittel und personelle Unterstützung für die Weiterführung beziehungsweise Optimierung sichern.

10. Gutes tun und drüber reden

Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, Erfolge zu feiern und das Unternehmen daran teilhaben zu lassen. So gewinnt man positive Energien und zeigt, was möglich ist. Außerdem bestätigt dies die Projektpaten – und ermutigt sie, weitere Projekte zu unterstützen.
Bei uns hat es funktioniert: Kürzlich wurde bereits die zweite erweiterte Version unserer Übersetzungsplattform TÜV Translate im Unternehmen zur Verfügung gestellt. Die Plattform wird von vielen Kolleginnen und Kollegen genutzt und wir bekommen fast durch die Bank positives Feedback. Wir freuen uns sehr, dass die IT-Abteilung das Projekt nun übernimmt und im Regelbetrieb weiterführt.

Wie sieht es bei Ihnen aus?

Haben Sie ähnliche Erfahrungen in Innovationsprojekten gesammelt? Oder ganz andere? Wir freuen uns über Feedback.

Autorinnen des Beitrags

Kerstin Ferber

Kerstin Ferber

Unternehmenskommunikation

Kerstin Ferber arbeitet bei TÜV Rheinland im Team der Unternehmenskommunikation. Das Thema Kommunikation treibt sie schon seit ihrem Studium um, und so hat sie im Laufe der Jahre viele Erfahrungen in verschiedenen Kommunikationsbereichen gesammelt. Ihr derzeitiger Arbeits- und Interessensbereich ist die interne Kommunikation. Bevor sie zu TÜV Rheinland kam, hat sie lange in nahen und fernen Ländern gelebt und gearbeitet. Mittlerweile lebt sie glücklich und zufrieden mit ihrer Familie im Rheinland und wundert sich manchmal, wie nah das Gute eigentlich liegen kann; es sei denn sie steht mal wieder im Stau.
Sarah Stark

Sarah Stark

Industrie Service

Sarah Stark, TÜV Rheinland Japan, Industrie Service. Sie ist schon so lange in Japan, dass sie erstmal die Jahre zählen muss, wenn jemand sie danach fragt. Den größten Teil der Zeit verbrachte sie bei TÜV Rheinland Japan. Sie nutzt ihre vielen Sprachen, um Inspektionen rund um den Erdball zu organisieren. Nach der Arbeit fährt sie in vollen Zügen nach Hause, um dann an ihrer Doktorarbeit zu arbeiten – insgesamt verbringt sie also viel zu viel Zeit damit, auf Computerbildschirme zu starren. Dampf lässt sie ab, indem sie sich Comedy-Shows und Filme anschaut.

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