Konversation, Dialog, Diskussion. Egal welche Art der Kommunikation wir beim Sportverein oder beim Stammtisch wählen – wir stolpern gewiss über das Thema individuelle Mobilität der Zukunft. Haben wir dies erst aufgegriffen, fällt mindestens eines der Schlagworte wie Autonomes Fahren, Future Mobility, Elektrofahrzeuge oder IoT (Internet of Things). All diese Begriffe umschreiben die gemeinsamen Aufgabenfelder „Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr“ und „Verbesserung des Umweltschutzes“.

Hauptuntersuchung als wichtiger Baustein der Verkehrssicherheit

Hierbei weckt speziell das Thema Autonomes Fahren großes Interesse – die Akzeptanz in der Gesellschaft ist mittlerweile hoch. Nur in Bezug auf die Sicherheit und den möglichen Kontrollverlust fällt der Zuspruch deutlich geringer aus. Und genau an diesen Punkten schließt die Hauptuntersuchung –also die regelmäßige Prüfung der Fahrzeuge zum Beispiel durch Sachverständige von TÜV Rheinland – die Lücke.

Seit 1951 ist die Hauptuntersuchung ein entscheidender Faktor, um das wertvolle Gut „Sicherheit im Straßenverkehr“ auf einem hohen Niveau zu halten. Auch bei einer weitgehenden Digitalisierung der Mobilität wird die etablierte Prüfung durch den Menschen nicht wegzudenken sein. Sind beispielweise die Sollzustände der Fahrzeugsysteme falsch kalibriert oder ändern sich alle Parameter gleichzeitig, funktioniert auch die Fahrzeugselbstkontrolle nicht mehr ordnungsgemäß. Wird etwa eine moderne Windschutzscheibe mit Kamerasystem wegen eines „kleinen“ Steinschlages gewechselt und mit einer Abweichung von nur 1° fixiert, kann dies erhebliche Abweichungen in der Entfernungsmessung bedeuten. Sicherheitsrelevante Systeme wie der Spurhalteassistent, Notbremsassistent, etc. erhalten fehlerhafte Informationen, unter Umständen mit schwerwiegenden Folgen.

Um diese und andere potenzielle Fehlerquellen aufzuspüren und zu beseitigen, ist die regelmäßige Kontrolle durch menschliche Prüfer unabdingbar. Durch ihre jahrelang gewachsene Expertise können beispielsweise die Prüferinnen und Prüfer von TÜV Rheinland Bedenken der Autofahrer minimieren oder im besten Fall eliminieren. Die Automobilindustrie sollte hier auf keinen Fall im Alleingang für die Überprüfung der dauerhaften Sicherheit und Funktion ihrer Systeme auftreten. Es muss eine unabhängige Instanz geben, die frei von wirtschaftlichen Interessen die Software und Hardware des Systems „Auto“ in regelmäßigen Abständen auf Unversehrtheit überprüft. Denn spätestens wenn das Fahrzeug von einer Hand in die nächste wechselt, sinkt die Quote der regelmäßigen Herstellerinspektionen.

Umdenken der Autofahrer

Die Akzeptanz der Hauptuntersuchung in der Bevölkerung muss sich weiter erhöhen. Erstrebenswert wäre ein Umdenken der Gesellschaft: „Sinnvolle Zeitinvestition für die Sicherheit“ statt „lästige Pflichtprüfung“! Nur wenn wir unser etabliertes System der Fahrzeugüberwachung beibehalten und ausbauen, kann unser geliebter hoher Sicherheitsstandard weiterbestehen. Für die Gesellschaft ist das Automobil zum Alltagsgegenstand geworden. Aber nur, weil das Automobil immer und überall präsent ist, ist es nicht ungefährlicher geworden. Kraft ist gleich Masse multipliziert mit der Beschleunigung. Wenn man sich vor Augen hält, dass unsere Autos immer schwerer und schneller werden, sind die Folgen beim Kontakt mit einem menschlichen Körper leicht abzuschätzen.

Aus diesen Gründen sollten wir wieder mehr Wert auf den Status Quo der Sicherheit unserer Fahrzeuge legen. Designverbesserung, Komfortbesserung und Performanceverbesserung – alles schön und gut. Aber die Sicherheit sollte an erster Stelle stehen. Und jeder Mangel, der durch Fachleute aufgedeckt wird, minimiert die Risiken für die Fahrerinnen und Fahrer und die anderen Verkehrsteilnehmer. Das „Nichterhalten der Plakette“ ist insofern keinesfalls ein „Versagen“. Sind wir doch mal ehrlich: Vielen von uns macht das Autofahren Spaß. Damit es auch in Zukunft so bleibt, müssen die drei Eckpfeiler „Mensch, Technik und Umwelt“ perfekt ineinandergreifen.

Gute Fahrt!

Autor des Beitrags

Christian Rudnick

Christian Rudnick

Gebietsleiter Kraftfahrt

Christian Rudnick ist Gebietsleiter Leverkusen bei der TÜV Rheinland Kraftfahrt GmbH. Neben seinen strategischen Aufgaben, der Verantwortung für die Mitarbeiter und der Kundenbetreuung prüft er weiterhin selbst Fahrzeuge, führt Änderungsabnahmen, Änderungsbegutachtungen, Einzelabnahmen sowie Fahrerlaubnisprüfungen durch. So verliert er nie den Kontakt zum Kerngeschäft. Wenn er mal nicht für TÜV Rheinland tätig ist, verbringt er gern viel Zeit mit seiner Familie. Entweder im Garten oder „auf Achse“ mit dem Wohnwagen. „Sollte auch meine Familie einmal keine Zeit haben, beschäftige ich mich mit dem sukzessiven Aufbau eines Smart Homes.“

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