War for Talents, Fachkräftemangel, demografischer Wandel – alles bekannte und beliebte Themen im Buzzword-Bingo unter Personalfachleuten. Der Arbeitsmarkt wird für Unternehmen immer schwieriger. Das Verhältnis der offenen Stellenanzeigen zu aktiv suchenden Bewerberinnen und Bewerbern verschiebt sich immer mehr, so dass viele Unternehmen große Schwierigkeiten haben, ihre Stellen zu besetzen. Häufig wird sogar davon gesprochen, dass sich mittlerweile Unternehmen bei potenziellen zukünftigen Beschäftigten bewerben und nicht umgekehrt.

Was ist zu tun?

Was zu tun ist, haben die meisten Unternehmen zum Glück längst begriffen. Die Themen Employer Branding, Recruiting, Mitarbeiter*innenbindung und -weiterentwicklung sind oft wichtige Bausteine einer erfolgreichen Personalstrategie. Nur leider sind diese Maßnahmen sehr langfristig angelegte Projekte, die keinen schnellen Erfolg versprechen. Und schnelle Erfolge wünschen sich unsere Chefs bekanntlich. Quick Wins, um den nächsten Punkt im Buzzword-Bingo zu gewinnen.

Wenn es also schnell und unkompliziert gehen soll, kann ich nur empfehlen, einfach mal die eigenen Stellenanzeigen zu überprüfen. Die Rechnung ist nämlich ganz einfach: Je schwerer meine Stellen zu finden sind, desto schwieriger ist es, die richtigen Bewerber zu finden.

Soweit die Theorie, aber was heißt das genau in der Praxis. Wie soll sie denn jetzt formuliert sein, die Stellenanzeige?

Jede Stellenanzeige fängt mit dem Stellentitel an. Und um die Stellen lesen zu können, müssen sie auffindbar sein. Also sollte der Stellentitel nach SEO-Gesichtspunkten, das heißt suchmaschinenoptimiert formuliert sein, um von den schlauen Algorithmen nicht abgestraft zu werden. Das hört sich komplizierter an als es ist – und dank Tools wie Google Trends kann man leicht prüfen, welche Begriffe mehr oder weniger gesucht werden.

Dann sollte der Titel möglichst kurz sein. So ist er besser lesbar und wird auf mobilen Endgeräten nicht mittendrin „abgehackt“. Schließlich sollte man bedenken, dass mittlerweile über 50 Prozent der Jobsuchenden auf mobilen Endgeräten unterwegs sind. Morgens in Bus und Bahn auf dem Weg zur (Magengrummeln verursachenden) Arbeit zum Beispiel.

Was auffällt:

Wenn es um Auffindbarkeit und Lesbarkeit von Stellentiteln geht, spielen Attribiute wie „hip, cool und sexy“ eigentlich überhaupt keine Rolle. Ganz im Gegenteil, besonders extravagant gewählte Stellentitel werden schwieriger gefunden, tauchen seltener in den Trefferlisten auf und erreichen so auch weniger Bewerber*innen. Und mit dem Credo „Wer sucht, der findet“ kommt man bei aktuell über 15.000 Stellen im Bereich „Ingenieure und technische Berufe“ (Stand 30.01.2020) auch nicht weit. Und diese Zahl bezieht sich nur auf das Jobportal Stepstone.

STELLEN - Auf Stepstone für "Ingenieure & technische Berufe"

Machen Sie den Selbst-Test

Kommen wir zu dem aus meiner Sicht wichtigsten Punkt. Und dafür muss man kein SEO-Experte oder ausgebildeter Redakteur sein. Versetzen Sie sich in die Bewerber*innen. Wie und mit welchen Worten werden sie suchen? Wie würden Sie suchen? Und je nach Profession, Stelle und Aufgabenbereich finden Sie schnell die passenden Antworten. Probieren Sie es einfach mal aus.

Nicht minder wichtig ist natürlich auch die Stellenbeschreibung, in der Regel nach Aufgaben und Profil sortiert. Hier kommt es vor allem auf eine klare und eindeutige Beschreibung an. Die Vorgaben bezüglich SEO und Textlänge gelten hier genauso wie beim Stellentitel. Mehr als fünf Bulletpoints gelten schon als schwierig.

Die Tätigkeiten sollten möglichst ansprechend formuliert und attraktiv darstellt werden. Dabei aber immer schön bei der Wahrheit bleiben. Niemand will enttäuschte Gesichter im Vorstellungsgespräch sehen. Also besser die Beschreibungen nicht zu blumig und die Versprechungen nicht zu groß. Viel versprechen und wenig bieten – das ist keine Erfolgsformel im Recruiting.

Es gibt also eine ganze Menge zu beachten bei der Suche nach den richtigen Worten und Formulierungen. Aber oft reicht schon der gesunde Menschenverstand und das Aufsetzen der Bewerberbrille, um die richtigen Hinweise zu erhalten. Und das Mantra, besonders sexy und cool rüberzukommen, hilft beim Suchen und Gefundenwerden eher wenig. Ganz im Gegenteil.

Autor des Beitrags

Andy Fuchs

Andy Fuchs

Teamleiter Personalmarketing

Andy Fuchs ist Teamleiter im Bereich Personalmarketing und verantwortlich für das Arbeitgeberimage von TÜV Rheinland. Da die Kommunikation mit Bewerbern immer häufiger auf unterschiedlichen Social Media Kanälen stattfindet, macht das Posten, Sharen, Zwitschern und Bloggen auch einen Großteil seiner täglichen Arbeit aus. Als gebürtiger Ostwestfale ist er vor 15 Jahren nach Köln gezogen, wo die Lebensfreude der Rheinländer im Allgemeinen und der Kölner im Speziellen anfangs wie ein kleiner Kulturschock gewirkt haben. Mittlerweile ist ein Leben ohne Dom, Rhein und Karneval für ihn aber kaum noch vorstellbar. Neben der noch jungen Familie interessiert er sich vor allem für Film und Fußball. Die Wahl seines Lieblingsvereins Arminia Bielefeld stellt seine Leidensfähigkeit dabei oft auf eine harte Probe. Wenn die Reisetasche gepackt wird, dann am liebsten für einen Trip nach Spanien. Die schönen Ecken von Mallorca, der Costa Brava und Barcelona sind so etwas wie eine zweite Heimat geworden.

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