Bereits morgens, wenn der Wecker klingelt, steht die erste Entscheidung an: Aufstehen oder doch lieber noch ein Weilchen liegenbleiben? Ein paar Minuten später die Frage: Kaffee oder Tee? Und bevor ich das Haus verlasse: Heute mit dem Fahrrad radeln oder lieber schnell mit dem Auto fahren?

20.000 Entscheidungen pro Tag

Bevor der Tag richtig begonnen hat, sind schon viele Entscheidungen getroffen, oft unbewusst oder automatisiert. Durchschnittlich 20.000 sind es jeden Tag – kaum zu glauben. Dabei ist der Entscheidungsprozess beeinflusst von Erfahrungen, Wissen und Gefühlen, die sich in unserem Gehirn eingeprägt haben.

Im privaten Umfeld fällt es mir leicht, Entscheidungen zu treffen – ich verlasse mich da oft auf mein Bauchgefühl, und das funktioniert auch meistens gut! Nur beruflich fällt es mir manchmal schwer, oder wenn „große“ Veränderungen anstehen. Da muss Hilfe her: ich besuche das Seminar „Schnell und sicher entscheiden“ – ein Angebot unserer TÜV Rheinland Akademie – und freue mich auf neue Erkenntnisse.

Strategien zur Entscheidungsfindung

Das Seminar findet online statt. Im ersten Teil lernen wir, wie Entscheidungen entstehen und wie der Mechanismus dahinter funktioniert. Jede Erfahrung hinterlässt ihre Spuren in unserem Speichermedium – dem Gehirn. Unsere Nervenzellen werden dabei zu Netzwerken und verknüpfen diese. Je häufiger wir diesen Prozess erleben, umso routinierter werden wir in unserem Handeln. Das Gehirn bildet aus den Routinen Muster und ruft diese bei Entscheidungen ab. Entscheidungsroutinen erleichtern unser Leben, können aber auch einschränken und zu Denkfallen werden. Wir scheuen uns dann neue Wege zu gehen oder zögern damit, uns auf etwas Neues festzulegen.

Im Webinar lernen wir, dass es die Herangehensweise ist, die den Unterschied bringt. So gibt es rationale, halbrationale und irrationale Entscheidungen. Unsicherheit, zu viele Ziele, zu viele Alternativen – all das macht es schwerer, einen Entschluss zu fassen. Nicht zuletzt kann uns auch die Angst vor Fehlern daran hindern, die richtige Wahl zu treffen.

Praktische Hilfestellung – in sieben Schritten zur Entscheidung

Die Referentin zeigt uns eine einfache Hilfestellung: So lässt sich der Prozess in sieben Schritte gliedern:

Schritt 1:

Definiere dein Problem und setze dir ein Ziel

Schritt 2:

Stecke den Rahmen ab und definiere die Kriterien

Schritt 3:

Informiere dich und sammle Alternativen

Schritt 4:

Gewichte deine definierten Kriterien

Schritt 5:

Bewerte deine Alternativen

Schritt 6:

Schätze deine Risiken und mögliche Auswirkungen ab

Schritt 7:

Fasse deinen Entschluss

Für Unentschlossene: die Entscheidungs-Hacks

Hört sich erstmal umständlich an, aber der Aufwand lohnt sich. Im Laufe der Zeit werden die Phasen verinnerlicht. Das schafft mehr Sicherheit und hilft, alle Pros und Contras zu definieren. Ein Tipp an dieser Stelle: Die Punkte zu Papier bringen – also sich die Mühe machen, alle Details aufzuschreiben. Besteht dann immer noch Unsicherheit, gibt es kleine Tricks – die Entscheidungs-Hacks, die bei der richtigen Wahl helfen können. Die Hacks lassen sich in unterschiedlichen Phasen der Entscheidungsfindung anwenden. Im Seminar werden wir in Gruppen aufgeteilt und dürfen diese Methoden ausprobieren.

# Hack 1 – Die Entscheidungsmatrix

Gibt es beispielsweise mehrere Alternativen, bietet sich die Entscheidungsmatrix an: Zunächst werden dabei alle Alternativen und Bewertungskriterien gesammelt. Im zweiten Schritt folgt die Gewichtung der einzelnen Bewertungskriterien. In unserem Beispiel geht es um die Anschaffung einer Kamera für Foto- und Filmaufnahmen. Der Preis der Kamera und die Benutzungsfreundlichkeit haben einen höheren Stellenwert und werden mit einem Multiplikator gewichtet. Die Entscheidung soll im Team getroffen werden – so hat jedes Mitglied Stimmrecht (in unserem Beispiel sind es drei Personen) und kann anhand von Klebepunkten seine Stimme verteilen. Sind alle Punkte verteilt, werden diese mit der jeweiligen Gewichtung addiert. „Gewonnen“ hat die Alternative mit den meisten Punkten in Summe – in unserem Beispiel Alternative 2.

Entscheidungsmatrix

# Hack 2 – Das Entscheidungsquadrat

Alle Mathematiker*innen unter uns werden diese Methode bevorzugen: Ist bereits eine engere Auswahl getroffen und geht es nur noch darum, zwischen zwei Alternativen abzuwägen, bietet sich das Entscheidungsquadrat an. Die Matrix zeigt die positiven Aspekte auf Grundlage der Intuition – und die rationalen Gegen-Punkte. Sind die einzelnen Felder mit den jeweiligen Argumenten gefüllt, wird folgende Formel angewendet:

(A+) + (B-) : (A-) + (B+) = Erste Wahl

Ist das Ergebnis größer 1, ist die Alternative A die bessere Wahl. Ist das Ergebnis kleiner 1, „gewinnt“ Alternative B. In unserem Beispiel ist die Entscheidung, dass die Person in den Urlaub fährt, bereits gefallen. Aufgrund der Pandemie-Lage ist jedoch noch nicht klar, ob die Reise ins Ausland gehen soll oder nicht. In der Tabelle sind die Argumente jeweils aufgeführt und gemäß Formel ermittelt worden – Alternative B „Urlaub im Inland“ ist demnach die bessere Wahl.

Entscheidungsquadrat

Fazit

Die Teilnahme am Seminar war eine gute Entscheidung! Es hat viel Spaß gemacht, die Gruppenarbeiten waren praxisnah und die Methoden sehr agil. Ich habe viele wertvolle Tools und Hilfestellungen erhalten, die ich bei künftigen Entscheidungsprozessen einbringen und nutzen werde – auch im privaten Umfeld. Denn sich nur auf das Bauchgefühl zu verlassen, ist nicht immer die richtige Methode!

Autorin des Beitrags

Inès Culmey

Inès Culmey

Social Media Managerin

Auf der Arbeit analysiert sie alles, was TÜV Rheinland im WWW und Social Net von sich preisgibt. Zuhause behält sie bei ihren Kindern den Durchblick. Denn ihr Sohn und ihre Tochter stehen immer an erster Stelle. Wenn sie mal Zeit für sich hat, genießt sie französische Filme oder trifft sich mit Freundinnen.

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