In der digital vernetzten Industrie 4.0 wird die Robotik immer mehr zur Schlüsselkomponente. Mit den technischen Möglichkeiten entwickeln sich auch die Anforderungen an die Sicherheit weiter. So müssen sich Hersteller, die Roboter in die USA exportieren, unter anderem mit dem Standard UL 1740 auseinandersetzen. Die vierte Ausgabe umfasst neue Konstruktions-anforderungen, die sich auf das Design der Roboter auswirken können.

Umfassende Revision

Die vierte Ausgabe der US-amerikanischen Norm UL 1740 „Standard for Robots and Robotic Equipment” wurde Anfang 2018 veröffentlicht. Inhaltlich markierte die Revision eine bedeutende Verschiebung von RIA R15.06 (2012) zur neuesten Ausgabe von ISO 10218 (2011). Das heißt: Definitionen und Testspezifikationen innerhalb des Standards UL 1740 wurden umfassend überarbeitet, um sie an die internationale Robotiknorm anzupassen. Die Änderungen werden die Roboterindustrie für die kommenden Jahre prägen.

UL 1740: Was ändert sich?

Die Angleichung von UL 1740 an den internationalen Standard ISO 10218 (2011) machte zahlreiche Änderungen am Glossar nötig. Ziel war es schließlich, eine Harmonisierung mit internationalen Normen und anderen UL-Normen zu erreichen. 

Die wichtigste Änderung betrifft dabei die Definition des Begriffs „Roboter”:

 

UL 1740 (2015)

Automatisch gesteuerte, frei programmierbarere Mehrzweck-Maschine, die in mehreren Freiheitsgraden programmierbar ist und entweder an einem festen Ort oder beweglich angeordnet sein kann.

 

UL 1740 (2018)

Angetriebene Vorrichtung, die in zwei oder mehr Achsen mit einem gewissen Grad an Autonomie programmierbar ist und sich innerhalb der Umgebung bewegt, um die vorgesehenen Aufgaben auszuführen.

 

Darüber hinaus wurden neue Anforderungen an Sicherheitsprüfungen ergänzt, um die Norm an neue und überarbeitete internationale Sicherheitsstandards anzupassen und den sich ständig weiterentwickelnden Technologien voraus zu sein. Zum Beispiel wurde Abschnitt 40.4.7 hinzugefügt, um manuelle Hochgeschwindigkeiten (APV oder T2) gemäß ISO 10218-1 zu erfassen. Insgesamt haben erhebliche redaktionelle Änderungen und Klarstellungen die Art und Weise verändert, wie Hersteller, Integratoren und Anwender an diesen wichtigen Sicherheitsstandard für Roboter herangehen.

Was müssen Organisationen im Umgang mit Robotern beachten?

Die meisten Hersteller dieser Art von Geräten sind mit den früheren Anforderungen vertraut, aber möglicherweise nicht über alle Änderungen auf dem Laufenden geblieben. Für die Unternehmen ist es jedoch sehr wichtig, die aktuellen Vorgaben im Blick zu haben und außerdem die Beziehung zwischen UL 1740, ANSI / RIA R15.06, CSA Z-434, ISO 10218-1 und anderen Normen zur Funktionalen Sicherheit zu verstehen.

Von Integratoren und Roboternutzern wird nicht erwartet, dass sie die Änderungen an der UL 1740 im gleichen Maße berücksichtigen wie die Hersteller, da die tägliche Arbeit davon kaum beeinflusst wird. Ihre Hauptverantwortung liegt vielmehr darin, sich an den vom Hersteller entworfenen Sicherheitsplan des Roboters zu halten. Denn nur so kann die Konformität mit der aktualisierten Norm aufrechterhalten werden.

Aktuelle UL 1740-Zertifizierungen sollten in jedem Fall von Herstellern und Prüfdienstleistern überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie die Anforderungen der vierten Auflage erfüllen.

UL 1740: Ein Leitfaden für wichtige Updates

Um die Änderungen der Norm und ihre möglichen Auswirkungen auf die Roboter- und Fertigungsindustrie zu erläutern, hat TÜV Rheinland das Whitepaper „UL 1740: A Guide to Key Updates” entwickelt. Darin werden die Unterschiede zwischen der 3. und 4. Ausgabe von UL 1740 detailliert beschrieben.

Autor des Beitrags

DIPL.-ING. THOMAS KOESTER

DIPL.-ING. THOMAS KOESTER

LEITER TECHNICAL COMPETENCE CENTER

Leiter des Technical Competence Center Industriemaschinen von TÜV Rheinland. Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität Berlin. Berufsstart im Jahre 1996 im Prüflabor für Elektrotechnik des TÜV Rheinland Japan in Yokohama. Seit 2005 beim TÜV Rheinland in Deutschland im Bereich Maschinensicherheit tätig und Laborleiter für Industriemaschinen bis 2020. Seit 2020 globaler Koordinator des Segments Maschinen im TÜV Rheinland. Mitglied in deutschen und Europäischen Gremien im Bereich Maschinensicherheit.

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