„Halloooo, hallo – jemand da?”, „Huhuu – kann mich jemand hören?”, „Sind Sie noch da?”. Das sind keine Zitate aus der aktuellen Radiowerbung einer Versicherung zum Thema „Servicewüste“. Vielmehr sind es typische Reaktionen eines Trainers, der sich erstmals mit einem virtuellen Klassenraum (VC) beschäftigt. Viele neue Trainer haben das Gefühl, alleine „gegen eine Wand zu reden”. Besonders, wenn sie versuchen, ihr Konzept aus dem Präsenztraining 1 : 1 auf die Onlinesituation zu übertragen.

 

An erster Stelle fehlt dem unerfahrenen Trainer der gewohnte, direkte Kontakt zum Plenum, da er Dinge wie Mimik und Gestik naturgemäß nicht sehen kann; auch das verbale Feedback gestaltet sich anders: Eingesetzt werden Headset oder Mikrofon und Lautsprecher oder vielleicht sogar „nur” eine Chatfunktion beim Teilnehmer. Die Gefahr für Frust ist groß: Der Trainer versteht einerseits die Technik nicht, der Teilnehmer wiederum hat ein professionelles und lehrreiches Webinar erwartet.

Kurz und knapp: Auch ein virtueller Klassenraum ist ein Klassenraum. Ob Online oder Präsenz: Beide Formen bedürfen gleicher, sorgsamer Vorbereitung. Und hier wie dort gelten die gewohnten Ablaufregeln: Vorbereitung, Begrüßung, Lernziele, Vermittlung von Inhalten, Interaktion, Zusammenfassungen, Fragen und Antworten, Verabschiedung, Nachbereitung usw. …

Live-Online-Trainings gelten besonders dann als nachhaltig und effektiv, wenn sie in die Einbettung in Gesamtlernarrangements an sinnvoller Stelle eingesetzt werden.

Wenn nun ein paar Besonderheiten des virtuellen Klassenraums beachtet werden, kommen sowohl Trainer als auch Teilnehmer schnell an ihr Ziel:

  • Zur Vorbereitung setzt der Trainer nicht einen Klassenraum ein, sondern einen technischen Raum. Das bedeutet, dass sich der Moderator mit den medientechnischen Möglichkeiten und den Interaktions- und Kommunikationsformen vertraut machen muss. Statt Flipchart gibt es z.B. ein White Board. Chatfunktionen, die Möglichkeit der Teilnehmer, sich zu Wort zu melden oder eine eigene Präsentation zu erstellen und zu präsentieren gehören ebenso dazu wie Umfrage- und Meldetools.
  • Der Trainer sollte Präsentationen als Erstes nach dem Kohärenzprinzip prüfen – und wenn nötig nach folgender Faustregel überarbeiten: Reduzierung der Inhalte auf das Wesentliche, wenig (!) Text, viele Visualisierungen.
  • Im didaktischen Konzept für die Live-Online-Sitzung definiert der Trainer zudem, welche Interaktions- und Kommunikationselemente an welcher Stelle eingesetzt werden.

Wenn Sie in Ihrem didaktischen Konzept bedacht haben, wie Sie welches Kommunikationselement wann einsetzten, so werden Sie rasch feststellen, dass die „Wand” schnell verschwunden ist. Stattdessen bietet sich allen Teilnehmern Raum für ein lebendiges und zielführendes Live-Online-Training.

Wie sehen Sie die Zukunft der Live-Online-Trainings? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich freue mich auf Ihre Diskussionsbeiträge.

Übrigens:

Die TÜV Rheinland Akademie unterstützt seine Trainer – aber auch Externe – auf dem Weg „online” zu trainieren. Interne, über acht Wochen berufsbegleitende Online-Fortbildungsprogramme gibt es kostenlos beim New Media Training.

Autor des Beitrags

Tobias Hainke

Tobias Hainke

Projektmanager

Tobias Hainke ist Projektmanager in dem Digital Learning Team der TÜV Rheinland Akademie GmbH. Der Mensch und sein Lernen im Web 2.0 und weiteren Web-Generationen fasziniert den E-Learning-Spezialisten. Er skizziert dabei seine Motivation wie folgt: “Wie sich der Mensch als soziales Wesen in neuen Lernräumen bewegt und lernt, beeindruckt mich ebenso, wie die spannende Frage, neue Lehrformen beim TÜV Rheinland umzusetzen.“ Wenn sich Tobias Hainke einmal nicht mit Fragen des Blended Learning beschäftigt, dann zählen vor allem Reisen zu seinen Hobbies. So führte ihn seine letzte Reise beispielsweise mit einem Jeep durch Afrika, wo er sich von dem Wissen fremder Kulturen und der Schönheit der Landschaft besonders beeindruckt zeigte.

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