Vor ein paar Wochen schlugen in sämtlichen Social Media Timelines die Alarmglocken. Der Deutschland-Start der Audio-App Clubhouse hat einen regelrechten Hype in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Dabei gibt es durchaus auch kritische Stimmen.

Spannende Talks – jenseits von „Millionaire Breakfast Club“

Bei neuen Plattformen stellt sich mir immer direkt die Frage: Möchte ich sie privat oder beruflich nutzen? Beruflich – das heißt für mich seit ca. 15 Jahren: im Umfeld von Employer Branding und Recruiting. Bietet sich hier vielleicht eine neue Quelle zum Netzwerken, zum Austausch? Können wir über diesen Kanal auch Bewerberinnen und Bewerber ansprechen und unser Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber präsentieren? Das ist ja schließlich meine Aufgabe hier bei TÜV Rheinland.

Man muss sich Clubhouse als eine Art Live-Podcast vorstellen. In unzähligen Räumen wird über alle möglichen Themen gesprochen und diskutiert. Anfangs habe ich aus rein privatem Interesse reingehört und verirrte mich direkt in meiner ersten Session im „Millionaire Breakfast Club“. Das war irgendwie so gar nicht meins, und so habe ich direkt umgeschwenkt und nach beruflichen Themen gesucht. Hier wurde ich schnell fündig. Viele Kolleg*innen aus meinem beruflichen Netzwerk waren von Anfang an sehr aktiv, und es gibt viele spannende Talks und Themen. Soweit ich es bisher wahrgenommen habe, wird aber eher untereinander diskutiert und noch nicht so sehr mit Bewerber*innen. Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickelt. Einige steile Thesen wurden auch schon aufgestellt. Zum Beispiel, dass Clubhouse künftig die Stellenanzeige ersetzen könnte. Das fand ich schon sehr gewagt – trotzdem macht es eindeutig mehr Spaß, hier zuzuhören, als Millionären beim Frühstück.

Was wollen Bewerber*innen wirklich?

Und es ist natürlich toll, wenn direkt progressive Ideen ausgesprochen und vielleicht auch bald umgesetzt werden. Aber Moment mal: War das nicht bei Snapchat, TikTok und Co. genauso? Auf mich wirkt das oft ein bisschen überstürzt, fast schon gezwungen und nicht zu Ende gedacht. Schnell alles an verrückten Ideen raushauen, bevor es ein anderer tut. Je ferner der Realität, desto besser. Dabei dürfen wir genau diese aber nicht aus den Augen verlieren. Unsere Aufgabe ist es ja, mit Bewerber*innen zu kommunizieren und im Idealfall auf deren Wünsche einzugehen. Und ist es wirklich das, was Bewerber*innen wollen? Jetzt auch noch auf der x-ten Kommunikationsplattform von Arbeitgeber*innen angesprochen zu werden? Ich glaube eher nicht. Und das wissen wir auch.

Sie möchten vielmehr visuell ansprechende und leicht auffindbare Informationen über Arbeitgeber*innen. Sie möchten klar formulierte Stellenanzeigen. Einen einfachen, schnellen und transparenten Bewerbungsprozess. Sie möchten im Falle einer Absage ein offenes Feedback der Unternehmen, warum es nicht geklappt hat. Und genau bei diesen Punkten tun sich viele Arbeitgeber*innen leider immer noch sehr schwer. Jeder, der sich schon mal beworben hat, kann zu diesem Thema seine ganz persönliche Geschichte erzählen.

Bewerber*innen wollen …

“… visuell ansprechende und leicht auffindbare Informationen über Arbeitgeber*innen. Sie möchten klar formulierte Stellenanzeigen. Einen einfachen, schnellen und transparenten Bewerbungsprozess.”

Schnell und unkompliziert aktiv werden

Die Gründe dafür sind sehr komplex und eine Erläuterung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Lassen wir es einfach mal so stehen. Aber genau hier liegt die Krux für viele Unternehmen. Das Ziel, auf die wirklichen Bedürfnisse von Bewerber*innen einzugehen und die Wünsche von Kandidat*innen in dieser Hinsicht zu erfüllen, scheint für viele HR-Organisationen fast unerreichbar. Oftmals fehl es an Kapazitäten, Budget, internem Standing oder Know-how, um sich diesem Idealbild zu nähern. Oder die internen Prozesse sind zu umständlich und lassen sich schwer anpassen.

Aber was hat das alles mit Clubhouse und anderen Social-Media-Plattformen zu tun? Die Antwort ist recht einfach: Hier hat man die Möglichkeit, schnell und unkompliziert aktiv zu werden, und es können in kurzer Zeit Dinge umgesetzt werden. Das ist innerhalb von Hierarchien und Strukturen oftmals nicht so leicht möglich. In diesem Fall wird nicht mal Budget benötigt. Ein Traum in Zeiten von Kürzungen und Ressourcenknappheit. Die Devise „Nicht reden, sondern machen“ ist hier keine Floskel, sondern Mantra.

Das Social-Media-Karussell dreht sich weiter

Und auch wenn ich die hektisch wirkende Betriebsamkeit in diversen neuen Medien anfangs eher skeptisch beäugt habe, so ist es eigentlich genau richtig, neue Dinge auch sofort auszuprobieren. Gerade in der aktuellen Phase, wo so viel Bewegung herrscht. Das Thema Digitalisierung überholt uns gerade rechts und links. Arbeitswelten werden in vielen Bereichen neu gedacht und umgestaltet. Dazu gehört natürlich auch die Kommunikation innerhalb von Unternehmen, mit Kund*innen und Bewerber*innen. Fast alles geht nur noch über Videokonferenzen. Wie lange sich der Hype hält und wieviel Zukunft die neue Plattform hat, wird sich zeigen. Das Social-Media-Karussell dreht sich bekanntlich sehr schnell. Vielleicht ist es deswegen auch umso wichtiger, keine Zeit zu verlieren.

Clubhouse ist hier gerade nur das aktuelle Beispiel. Neue Kanäle und Plattformen werden folgen, alte verschwinden. Wichtig aus meiner Sicht, und das gilt für viele Bereich im Berufsleben: Fehler machen muss erlaubt sein. Raus aus der Komfortzone, rein ins Abenteuer. Das bringt uns alle am Ende auch persönlich weiter, denn die Zukunft gehört den Mutigen.

Autor des Beitrags

Andy Fuchs

Andy Fuchs

Teamleiter Personalmarketing

Andy Fuchs ist Teamleiter im Bereich Personalmarketing und verantwortlich für das Arbeitgeberimage von TÜV Rheinland. Da die Kommunikation mit Bewerbern immer häufiger auf unterschiedlichen Social Media Kanälen stattfindet, macht das Posten, Sharen, Zwitschern und Bloggen auch einen Großteil seiner täglichen Arbeit aus.
Als gebürtiger Ostwestfale ist er vor 15 Jahren nach Köln gezogen, wo die Lebensfreude der Rheinländer im Allgemeinen und der Kölner im Speziellen anfangs wie ein kleiner Kulturschock gewirkt haben. Mittlerweile ist ein Leben ohne Dom, Rhein und Karneval für ihn aber kaum noch vorstellbar. Neben der noch jungen Familie interessiert er sich vor allem für Film und Fußball. Die Wahl seines Lieblingsvereins Arminia Bielefeld stellt seine Leidensfähigkeit dabei oft auf eine harte Probe. Wenn die Reisetasche gepackt wird, dann am liebsten für einen Trip nach Spanien. Die schönen Ecken von Mallorca, der Costa Brava und Barcelona sind so etwas wie eine zweite Heimat geworden.

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