Edelgas, hört sich das nicht toll an? Xenon ist eines davon und sorgt im Dunkeln für blendend gute Sicht auf unseren Straßen. Helium: Verhüllt in Luftballons ist es gern gesehen auf Kirmessen oder Hochzeiten. Es ist das häufigste Edelgas und wurde bereits vor 150 Jahren entdeckt. Radon gehört ebenfalls zu der Gruppe, erstmals ermittelt im Jahr 1900. Radon, schon gehört?

Spurensuche nach Unsichtbarem

Im Gegensatz zu anderen Edelgasen taucht Radon in unserem Leben in einem gefährlichen Kontext auf. So, dass das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ein Gesetz erweitert: Bis Ende 2020 müssen alle Bundesländer ermitteln, in welchen Gebieten eine hohe Radon-Konzentration zu erwarten ist. Daraus abgeleitet werden Arbeitgeber verpflichtet, die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden im Jahresmittel unter dem Richtwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter zu halten. Nachzulesen in Paragraf 124.

Erstaunlich, oder? Medien haben gefühlt nie über das Thema berichtet. Doch was steckt dahinter? Eingeatmet in höheren Dosen und über einen längeren Zeitraum kann das radioaktive Gas Lungenkrebs verursachen. Das Bundesamt berichtet, rund fünf Prozent aller Todesfälle durch Lungenkrebs seien auf Radon zurückzuführen. Todesursache Nummer eins bleibe das Rauchen.

Erschreckend! Daher messen meine Kolleginnen und Kollegen vermehrt in Räumen. Die Quellen von Radon liegen in Gesteinen beziehungsweise im Erdreich. Das Gas dringt empor; nicht nur direkt in die Natur, sondern auch durch Risse in Kellerböden oder alten Gewölbekellern in unsere Wohn- und Arbeitsräume. Und genau da kommen unsere Fachleute ins Spiel. In Gebäuden setzten sie Dosimeter ein, die die Radioaktivität erfassen. Über zwölf Monate empfiehlt es sich die Geräte dort zu positionieren, weil sie so in jeder Jahreszeit mit dem typischen Lüftungsverhalten und dem jeweiligen Umgebungsdruck den Ist-Zustand wiedergeben. Anschließend werden die Daten ausgewertet. Die gutachterliche Arbeit beginnt.

Finden meine Kolleginnen und Kollegen tatsächlich höhere Konzentrationen, gehen sie auf Spurensuche. Ist der Ritz oder das Loch gefunden, durch das sich das unsichtbare Gas seinen Weg bahnt, gibt es verschiedene Szenarien: Querlüften und Abdichtung des Austrittsbereichs sind Maßnahmen, genau wie das Aufstellen von Lüftungsanlagen oder die Errichtung von Radon-Brunnen. Letzteres findet unter der Erde statt. Der Brunnen saugt das Radon vom Haus weg in einen Sammelbrunnen.

Dosis entscheidend

Ich frage mich, ob Radon wirklich nur schädlich ist und denke an die Worte von Paracelsus, dem Schweizer Arzt: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht’s, daß ein Ding kein Gift sei.“ Und siehe da, dem Edelgas bestätigt das Bundesamt für Strahlenschutz auch eine positive Wirkung, nämlich die der Schmerzlinderung. Drei Behandlungsmethoden finden sich im Angebot: Heilstollen, Heilbäder und Trinkkuren. In den Stollen inhalieren Patient*innen das Gas kontrolliert in einer bestimmten Konzentration. In den Bädern, wie der Begriff verrät, baden Schmerzgeplagte. Trinkkuren erklären sich von selbst.

Abschließend:

Für Radon gilt, wie auch für andere Gase, Pflanzen oder Substanzen: Die Dosis ist entscheidend.

Autor des Beitrags

Nicole Krzemien

Nicole Krzemien

Social Media + Pressesprecherin

Sie ist jeden Tag erneut fasziniert von ihrem vielfältigen Job und ihren sachverständigen Kollegen. Wissbegierig versucht sie Innovationen auch in ihren Alltag zu verfrachten. Sie liebt den Spagat zwischen Beruf und Familie, ist gerne am oder auf dem Wasser und liest noch mehr als sie schreibt.

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