Stoßstange an Stoßstange, Auge in Auge mit dem Stoffhasen auf der Ablage des Vorder-Autos. Und so manch einer mit dem Messer zwischen den Zähnen – so oder so ähnlich gestaltet sich oftmals der tägliche Autotrip durch die Kölner Innenstadt zur Arbeit. 

Während der Ferienzeit ist es deutlich entspannter

Statt der fünf üblichen Ampelintervalle brauche ich nur drei, bis sich mein Auto über die erste Kreuzung schieben darf. Nicht selten lässt sich dann das Gaspedal um einige Millimeter durchtreten und das Auto auf 50 km/h beschleunigen. So manch kühner PS-ler braust dann mit 55 km/h an mir vorbei, setzt sich vom gemeinen Auto-Heer ab, sucht rechts und links nach Lücken und landet an der nächsten Ampel eine Autolänge vor mir. Immerhin, denke ich: Er hat zwei abgehängt und ist mindestens eine Sekunde eher am Ziel. Nachmittags auf der Rückfahrt münden die Autoströme – von den mittelalterlich geprägten Zufahrtsstraßen Kölns kommend – in ein beschauliches Kolonnefahren. Im Sommer, bei seichtem Schritttempo, 40 Grad im Schatten und offenem Fenster – meine Klimaanlage kapituliert offensichtlich bei solchen Hitzeexzessen – lausche ich dem sanften Verkehrsgemurmel, bis mir allmählich die bläulich-grauen Abgasschwaden in die Nase ziehen und ich denke: „Warum mache ich das eigentlich noch mit? Aus Gewohnheit? Bequemlichkeit? Vermeintlichem Zeitgewinn? Mangels Alternativen?“

Warum greife ich noch zum Autoschlüssel?

Möglicherweise ist es eine Mischung aus diversen Gründen, wobei die vernunftsgetriebenen selten die entscheidenden sind und kaum Verhaltensänderungen bewirken. Der Zeitfaktor und die Flexibilität als rationale Argumente, von denen ich glaubte, dass sie mich immer wieder zum Autoschlüssel greifen ließen, sind nicht wirklich schlüssig. Nachmittags brauche ich mit dem Auto mindestens genauso lang wie mit der U-Bahn – mitunter länger. Und ja, ich kann morgens und nachmittags flexibel zu jeder beliebigen Minute ins Auto steigen. Die App zeigt mir verschiedene, flexible Optionen auf, wo ich mich am geschicktesten und zeitsparendsten durch das Stadtgewimmel manövrieren kann und welcher Stau der kürzere ist. Aber zum einen dauert es meistens doch länger als die App prognostizierte zum anderen berücksichtigt sie nicht die tatsächliche Situation vor Ort.

Der in der Regel zeitsparendste Weg führt durch eine belebte Straße, an der sich Geschäft an Geschäft reiht. Auf der gefühlt fünf Meter breiten Straße ringen zu entladende LKWs, Fußgänger, Autos und Fahrradfahrer um jeden Zentimeter Raum und darum, die einmal eingeschlagene Zielrichtung halten zu können – und das möglichst unversehrt. Diesen Weg einschlagend wäre ich sicherlich ein paar Minuten eher am Ziel, müsste aber auch mit einigen aufgeriebenen Nerven leben.

Köln in Zahlen: Die Verkehrsdichte steigt

Und mit weniger Verkehrsteilnehmern ist in Köln in absehbarer Zeit nicht zu rechnen – im Gegenteil. Wie viele Großstädte wächst auch die Rheinmetropole. Lebten 2018 etwa 1,09 Millionen Menschen in Köln so wird die Bevölkerungszahl mindestens bis 2040 weiter steigen, so die Schätzungen. Die Anzahl neu zugelassener Kraftfahrzeuge stieg zwischen 2017 und 2018 um mehr als 4.000 auf 554.853. Und die zwölf Dauerzählstellen für Fahrräder im Kölner Stadtgebiet registrierten 2018 mehr als 10 Millionen Radfahrer; im Jahr davor waren es noch 8,8 Millionen.

Die Verkehrsdichte nimmt also weiter zu. Dafür sorgen auch neue, hippe Vehikel wie der E-Scooter, die das mobile Stadtbild zieren, sofern sie nicht im Rhein landen. Die Zahlen verdeutlichen eindrücklich, welches Gewimmel auf den Kölner Straßen herrscht und in Zukunft herrschen wird.

Aber was heißt das nun für mich und meinen täglichen Arbeitsweg? Mobile Alternativen gibt es reichlich – Auto, E-Scooter, Fahrrad, Bahn und Bus. Mit dem Fahrrad beispielsweise wäre ich ähnlich flexibel wie mit dem Auto und nicht auf bestimmte Abfahrtspläne angewiesen. Aufgrund der Staus ist das Fahrrad mitunter auch nicht wesentlich langsamer als das Auto. Ein Fahrrad-Versuch ließ mich allerdings schnell wieder von dieser Alternative abkommen. Angesichts der vielen Radfahrer habe ich einige Radwege als zu eng empfunden – und die Versuche, Fahrrad- und Autoknäuels mit farbigen Streifen voneinander zu trennen, als nicht wirklich überzeugend. Sie scheinen mir besser als gar nichts, aber weniger als sicher. Zugegebenermaßen konnte ich mir auch nicht vorstellen, allen Wetterlagen zu trotzen und die jeweils elf Kilometer hin und zurück tagtäglich mit dem Fahrrad zu meistern.

Die angenehmen Seiten des Bahnfahrens

Die unterirdische Variante – fern von Staus und Gerangel – schien mir in diesem Fall die deutlich bessere Option. So gab ich den Kölner Verkehrsbetrieben eine Chance, stieg mehrmals die Woche in die U-Bahn, um zu testen, wie es klappt. Interessant auch zu erfahren, was bei mir mehr wiegt: Die Gewohnheit und Bequemlichkeit, direkt ins Auto zu steigen, aber in Staus zu stehen, oder zur Haltestelle zu laufen, mich nach Fahrplänen zu richten, dafür aber relativ zügig und hindernisfrei ans Ziel zu gelangen.

Nach mehreren Monaten und einer Mischung aus Bahn und Auto, habe ich festgestellt, dass es mitunter ganz andere Aspekte – und in der Tat die weniger rationalen sind – die entscheiden, welches Fortbewegungsmittel ich wähle. Der große Vorteil am Bahnfahren ist, ich kann mich intensiver mit freizeitorientierten Aktivitäten befassen wie Lesen, Hörbücher hören oder einfach nur entspannt abschalten. Zuweilen kommt man auch bei der täglichen Fahrt mit Kollegen ins Gespräch, mit denen man sonst eher selten die Gelegenheit hat, sich zu unterhalten. So habe ich nach anfänglichem Zaudern doch einige angenehme Seiten entdeckt. Ob ich beim Bahnfahren bleibe und die Möglichkeit noch weiter ausbauen werde, kann ich noch nicht absehen. Es gibt gute Gründe, die dafür sprechen, auch unabhängig von den vielen ökologischen Aspekten. Für Alternativen und andere interessante Ideen bin ich jedenfalls offen.

Autorin des Beitrags

Antje Golbach

Antje Golbach

Pressesprecherin Systeme

Antje Golbach ist Pressesprecherin für den Geschäftsbereich Systeme und befasst sich außerdem mit dem Social Media-Netzwerken rund um das Themenfeld Zertifizierung von Managementsystemen. Sie schätzt die thematische Vielfalt in der Kommunikationsabteilung bei TÜV Rheinland, das Sich-Einarbeiten in immer neue Themen und dass kein Tag so verläuft wie der vorherige. Als Ausgleich zum Büroleben nutzt sie die Gelegenheit für Jogging-Touren durch den Kölner Grüngürtel und Wander-Ausflüge in die nahe Eifel. Gern tauscht sie auch mal den Waldboden gegen die Yogamatte ein.

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