Der Klimawandel geht uns alle an, und ich glaube, das spürt inzwischen auch (fast) jeder. Dennoch höre ich viele Stimmen, die angesichts der globalen Krise sagen: „Solange die Amerikaner nicht mitmachen …“, „die Chinesen und die Inder mit ihren bevölkerungsreichen Nationen müssen zuerst …“ oder „die Politiker sind am Zug“. Was den eigenen Beitrag zum Klimaschutz betrifft, überwiegen allzu oft Skepsis und Resignation: „Was soll ich als Einzelner denn da ausrichten?“ Alles verständlich, und dennoch: So wird das nichts mit der Rettung unseres Planeten! Daher habe ich beschlossen: Ich warte nicht auf irgendjemanden oder irgendetwas, sondern ich mache jetzt!

Gelebte Nachhaltigkeit – im Unternehmen wie privat

Dabei habe ich durchaus auch an nachhaltigen Fortschritt im Sinne von TÜV Rheinland gedacht: Das Unternehmen, bei dem ich arbeite, steht für Sicherheit und Qualität im Zusammenspiel von Mensch, Technik und Umwelt. Unser Logo, das Dreieck mit der Welle, symbolisiert diesen Leitgedanken. Und nach all den Jahren im Unternehmen gefällt es mir immer noch gut. Ich nehme es nicht lediglich morgens bei Arbeitsbeginn an der Rezeption entgegen, um es abends zum Feierabend dort wieder abzugeben. Vielmehr wollte ich es immer auch im persönlichen Umfeld mit Inhalt füllen.

Deshalb habe ich mich entschieden, mir eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach meines Privathauses montieren zu lassen – und bin jetzt Stromproduzent. Das relativ Neue an der Sache ist: Ich habe zusätzlich eine Speicherbatterie im Keller, aus der ich nachts oder wenn die Sonne mal nicht scheint, meinen Strom beziehe. Eine weitere Besonderheit: Auf der Basis eines speziellen Tarifs habe ich mit meinem (Öko-)Stromanbieter vereinbart, dass sich auch dieser je nach Bedarf und Verfügbarkeit aus meiner Batterie bedienen kann.

Intelligente Lösung: die Schwarmbatterie

Genau das ist mit dem Begriff der „Schwarmbatterie“ gemeint: Nach diesem Konzept schließen sich viele kleine dezentrale Stromerzeuger zu einem Schwarm zusammen und sorgen auf diese Weise für Netzstabilität und Bedarfsausgleich. Es werden natürlich alle Energieflüsse von einem intelligenten Smart-Meter gezählt, so dass ich immer einen aktuellen Überblick (auch kumuliert über Woche/Monat/Jahr) habe, wie viel Strom ich erzeugt, selbst verbraucht oder aber ins öffentliche Netz eingespeist habe. Außerdem bin ich jederzeit über den Ladezustand meines Batteriespeichers im Bilde.

Solarmodule
Ein solches intelligentes Schwarm-Model funktioniert eben genau nicht nach dem Motto „Ich zuerst – me first“. Und auch nicht nach dem Prinzip: „Erst sollen mal die anderen machen, bevor ich mich selber – vielleicht – bewege.“

Über das ganze Jahr mit seinen großen Sommer-Winter-Differenzen betrachtet, werde ich nach den Prognosen des Anlagenlieferanten so zum Netto-Stromerzeuger und bin nicht mehr lediglich Stromverbraucher. Und wir verbrauchen in unserem 5-köpfigen Haushalt nicht eben wenig. Um gleich diese Frage vieler Zweifler auch noch zu beantworten: Ja, in einigen Jahren wird sich die Anlage kostenmäßig amortisieren und dann verdiene ich sogar bares Geld damit! Das kann man ja nicht von jeder Anschaffung behaupten.

Solar-Energieflussmonitor

Strom selbst erzeugen – oder eine andere Idee einbringen

Sicher steht nicht jedem ein nach Süden ausgerichtetes Dach zur Verfügung. Aber ich möchte alle dazu einladen, darüber nachzudenken, wie er/sie sich selbst einbringen kann, um diese Welt ein klein wenig besser zu machen. Ich bin sicher: Es fällt bestimmt jedem/jeder etwas dazu ein.

Solar Hans-Peter-Pape
Mein nächstes Projekt steht auch schon: Ersatz unseres benzingetrieben Autos durch ein E-Fahrzeug. Für die überwiegend kurzen Fahrten muss die Reichweite auch gar nicht so groß sein. Für die wenigen weiten Fahrten kann ich mir immer noch einen Benziner leihen. Den Weg morgens ins Büro und abends zurück lege ich ohnehin schon mit dem Fahrrad zurück – ohne elektrischen Hilfsmotor, damit die körperliche Fitness nicht zu kurz kommt.

In diesem Sinne: Nicht warten – machen!

Autor des Beitrags

Hans-Peter Pape

Hans-Peter Pape

Leiter Produktzertifizierungsstelle

Hans-Peter Pape ist stellvertretender Leiter der Produktzertifizierungsstelle bei TÜV Rheinland und koordiniert unter anderem die Zertifizierung von Spielzeugen, persönlichen Schutzausrüstungen und Textilien im In-und Ausland. Bereits 1985 hat er bei TÜV Rheinland in Japan begonnen und später die Niederlassung in Korea eröffnet und geleitet. Die Frage, wie die Menschheit wohl mit unserem Planeten umzugehen gedenkt, beschäftigt ihn seit jeher; und so hat er im privaten Umfeld bereits zahlreiche Projekte von der Regenwassersammlung bis zur Wärmedämmung umgesetzt.

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