Was früher Harry gemacht hat – die älteren Leser werden sich an Derricks Assistenten erinnern – mache jetzt ich. Ich bin eine künstliche Intelligenz und fahre den Wagen vor. Das Verfahren hat Dieter Zetsche, der damalige Chef der Daimler AG, bereits 2018 live vorgeführt. Heute, zehn Jahre später, ist es praktisch Standard.

Autonomes Fahren – KI übernimmt das Steuer

Die Ingenieure haben das autonome Fahren wie prognostiziert umgesetzt. Die Stufe 5 ist erwartungsgemäß noch nicht erreicht. Hier übernimmt das Auto alle Fahrfunktionen, die Personen im Wagen werden zu Passagieren. Lenkrad, Gas und Bremse haben ausgedient. Wir bewegen uns heute, 2028, zwischen den Stufen 3 und 4, dem hochautomatisierten und vollautomatisierten Fahren. Der Fahrer kann sich länger oder überwiegend vom Fahrgeschehen abwenden, muss aber fahrtüchtig sein. Stufe 5 ist im Test, aber noch nicht in Serienfahrzeugen eingebaut.

Mehr Probleme hat meinen Ingenieuren der Deutsche Ethikrat bereitet. Das Problem war nicht, mir die Ethikregeln beizubringen. Im Gegenteil, ich war dankbar, ein Regelwerk zu bekommen, nachdem ich mich richten konnte. Da fühle ich mich als künstliche Intelligenz schon gleich ein Stück natürlicher und menschlicher. Das Problem war, dass es ein „deutscher“ Ethikrat war, neben den Ethikräten aller anderen Länder. Ethik ist regional unterschiedlich und meine Ingenieure mussten für jedes Land eine andere implementieren. Natürlich wurde das technisch sauber gelöst. Beim Grenzübertritt erkennt der Wagen automatisch, in welchem Land er fährt und lädt die passende Ethik herunter.

Ein Ethik-Download für die KI

Der Ethik-Download wird „on the air“ ins Auto übertragen. Man muss für ein Ethik-Update nicht mal in die Werkstatt fahren. Das birgt aber auch Risiken. Ich habe mir erst kürzlich einen ganz gemeinen Ethik-Virus eingefangen. Genau genommen ist es kein Virus, sondern ein Wurm, der die Ethik manipuliert. Herausgefunden hat das TÜV Rheinland. Bei Hauptuntersuchungen ist aufgefallen, dass sich immer mehr Autos unflätig gegenüber dem Prüfer verhalten. Eigentlich müssten die Autos aufgrund ihrer Ethik bei Sicherheitsprüfungen kooperativ und freundlich sein. Bei der Homologation war die Ethik noch in Ordnung, jetzt war der Wurm drin. Es war gar nicht so einfach, den Wurm aus der Ethik herauszubekommen.

Gott sei Dank hat sich mittlerweile die EU auf eine gemeinsame Ethik geeinigt – die „EUthik“. 10 Jahre nach Einführung der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) kommt die europäische Ethikverordnung. Leider hat sie noch mehr Öffnungsklauseln als die DSGVO. Bei der DSGVO sind es 61 Punkte, die jedes Land einzeln festlegen kann. Bei der EUthik sind es über 100. Es sind deswegen so viele, weil es gewachsene religiöse und kulturelle Unterschiede gibt, die sich in der Ethik niederschlagen. Zusätzlich haben die Briten, die kürzlich wieder der EU beigetreten sind, Sonderwünsche durchgesetzt.

"Wethik"

Für mich als KI wäre eine gemeinsame Welt-Ethik am besten, die „Wethik“. Die wird nicht kommen. Derrick wurde in 102 Ländern ausgestrahlt, die Ethik strahlt für jedes Land einzeln und anders.

Autor des Beitrags

Günter Martin

Günter Martin

Chief Technology Officer

Günter Martin ist Diplom-Informatiker und Smart Home Fan. Wichtig ist ihm, dass die smarten Geräte oder auch „Internet of Things“ (IoT) das Privatleben nicht ausspionieren. TÜV Rheinland kann hier prüfen und Vertrauen schaffen. Dies ist das Thema des „Center of Excellence IoT-Privacy“, indem er als Chief Technology Officer (CTO) arbeitet. „Weil der Trend bei IoTs zur künstlichen Intelligenz (KI) geht, man denke nur an Alexa, bin ich immer mehr in das KI-Thema hineingewachsen. KI bietet tolle Chancen aber auch Risiken.“ Privat trifft man ihn gern beim Joggen. „Bei km 12 kommen einen die besten Ideen“.

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