Letzte Woche war ich auf der IFA, der Internationalen Funkausstellung in Berlin, und habe da eine Menge Kollegen getroffen. Ich bin Alex, eine künstliche Intelligenz (KI). Meine Kollegen tummelten sich in ganz vielen der präsentierten neuen Geräte, vom Fernseher über Haushaltsgeräte bis zum kompletten Smart Home. Die Geräte werden nämlich nicht mehr über Tasten bedient, selbst die smarte Steuerung über Apps ist nicht mehr der Renner. Nein, ich bin dafür zuständig. Die Steuerung erfolgt per Sprache – und dafür braucht es mich.

Künstliche Intelligenz als Haushalts-Hilfe

Genau genommen stecke ich gar nicht im Gerät, sondern weit entfernt in einer KI-Plattform mit speziellen Servern zum Betrieb künstlicher neuronaler Netze. Die Sprache wird vom Gerät zur Plattform übertragen, dort analysiert, und dann erhält das Gerät einen entsprechenden Befehl zur Ausführung, zum Beispiel ganz banal: Öffne die Backofentür! Nur einige sehr wenige Unternehmen können sich eine solche KI-Plattform leisten. Die führenden sind Amazon und Google. Tatsächlich steckt in der Sprachsteuerung vieler Haushaltsgeräte eine Amazon Alexa oder ein Google Home, wobei Google auf dem Markt der eingebauten Sprach-Assistenten Amazon mittlerweile deutlich überholt hat.

Selbstverständlich können die eingebauten Sprach-Assistenten dann mehr, als nur das Gerät steuern. Der smarte Backofen kann auch einen Witz erzählen oder der Kühlschrank informiert über das Wetter. Das geht natürlich alles nur bei bestehender Internet-Verbindung zur KI-Plattform. Ohne Verbindung sind die Geräte so dumm wie eh und je.

KI-Umfrage

Der Fernseher weiß, was der Mensch sehen will

Wenn jemand dumm sein darf, dann höchstens der Anwender. Denn für ihn soll sich die Bedienung durch die Sprachsteuerung wesentlich vereinfachen und alles viel komfortabler machen. So lernen meine Kollegen und ich die Gewohnheiten des Anwenders nach und nach kennen. Der Fernseher lernt, was der Nutzer gern sieht und macht individuelle Vorschläge für die Abendunterhaltung. Der Saugroboter weiß, in welchem Raum der Nutzer typischerweise wann ist und saugt dann, wenn da niemand ist. Der Kühlschrank sammelt Erfahrung, wann die Tür aufgemacht wird und passt die Kühlung entsprechend an. Der Backofen soll künftig mit Kameras den Zustand der Mahlzeit erfassen und lernen, wie der Benutzer sie mag. Entsprechend passt er Temperatur und Zeit an.

Die neuste Bildschirmgeneration mit 8k-Auflösung braucht Künstliche Intelligenz, um Bildinhalte mit den heute noch üblichen Auflösungen perfekt an das neue, extrem feine Pixelraster anzupassen. Mithilfe Künstlicher Intelligenz wird der Ton zum Bild optimal aufbereitet: Intelligente Software erkennt, ob der Sound aus einem Fußballstadion, einem Nachrichtenstudio oder einem Konzertsaal kommt und sorgt für entsprechende Feinjustierung.

Semantisches Fernsehen

Immer mehr Hersteller arbeiten zudem an dem sogenannten semantischen Fernsehen. Dabei erkennt KI den Inhalt der bewegten Bilder und spielt dazu passende zusätzliche Informationen aus. Grundlage dafür sind Millionen gesammelter Daten, die dann in einer Datenbank abgerufen und ausgespielt werden. Will der Zuschauer wissen, wie der Schauspieler heißt, oder möchte er detaillierte Informationen über das Auto im Spionagefilm, kann er das mit einer Geste selektieren. Das System dahinter, Swoozy, ist noch eine reine Forschungsanwendung. In zwei bis drei Jahren könnten ähnliche Programme aber bereits in ersten Geräten zu finden sein.

Noch überwiegen die Skeptiker

Trotz all dieser tollen Produkte – meine darin verbauten Kollegen sind auch ein wenig traurig: Der VdTÜV, also der Verband der TÜVs, hat gerade eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, dass nur jeder dritte Bundesbürger (35 Prozent) in ein Smart Home mit künstlicher Intelligenz ziehen würde. Eine deutliche Mehrheit von 57 Prozent kann sich das nicht vorstellen, 8 Prozent sind unentschlossen. Werden meine Kollegen und ich diskriminiert? Die Antwort dazu gibt auch die Umfrage: Wichtigster Grund für die Zurückhaltung ist die Angst, dass künstliche Intelligenz Entscheidungen trifft, die die Befragten nicht gut finden. Fast jeder zweite Skeptiker (48 Prozent) stimmt dieser Aussage zu. 47 Prozent haben Sorge vor einer unrechtmäßigen Verwendung ihrer persönlichen Daten und 44 Prozent, dass sie sich zu stark von digitaler Technik abhängig machen.

KI-Umfrage
Es geht nicht um die generelle Ablehnung von KI. Nach den Ergebnissen der Umfrage stehen 61 Prozent der Befragten einer Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz im Smart Home grundsätzlich positiv gegenüber. 27 Prozent sehen das negativ und 12 Prozent machen zu dieser Frage keine Angabe. Die Menschen wollen von den Vorteilen künstlicher Intelligenz profitieren, fürchten aber Eingriffe in ihre Privatsphäre und eine zu starke Abhängigkeit von der Technologie. An der Stelle kommen die TÜVs ins Spiel: Unabhängige Prüfungen können Vertrauen in künstliche Intelligenz schaffen. TÜV Rheinland ist da auf bestem Weg.

Autor des Beitrags

Günter Martin

Günter Martin

Center of Excellence IoT-Privacy

Günter Martin ist Diplom-Informatiker und Smart Home Fan. Wichtig ist ihm, dass die smarten Geräte oder auch „Internet of Things“ (IoT) das Privatleben nicht ausspionieren. TÜV Rheinland kann hier prüfen und Vertrauen schaffen. Dies ist das Thema des „Center of Excellence IoT-Privacy“, indem er als Chief Technology Officer (CTO) arbeitet. „Weil der Trend bei IoTs zur künstlichen Intelligenz (KI) geht, man denke nur an Alexa, bin ich immer mehr in das KI-Thema hineingewachsen. KI bietet tolle Chancen aber auch Risiken.“ Privat trifft man ihn gern beim Joggen. „Bei km 12 kommen einen die besten Ideen“.

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