Wussten Sie, dass in den letzten 10 Jahren mehr Werke gedruckt wurden als seit der Erfindung des Buchdrucks? Dass es 1976 in einem Supermarkt durchschnittlich 9.000 Produkte zu erwerben gab und heute in einem normal großen Supermarkt bereits mehr als 40.000 Produkte zu finden sind? Oder dass weltweit pro Minute 36 Mio. Wörter geschrieben, 269 Mrd. E-Mails pro Tag durch die Welt geschickt, 300 Mio. Tweets abgesetzt, 667 Mio. WhatsApp Nachrichten versendet und 1 Mio. Blogposts erstellt werden? Das sind doch einmal Zahlen! Fühlen Sie sich auch manchmal von dieser Flut an Informationen und Eindrücken überfordert? Dann sind Sie nicht alleine.

Immer mehr Informationen in immer kürzerer Zeit

Die tägliche Dosis „Reizüberflutung“ ist dem digitalen Wandel geschuldet. Und das damit verbundene, immer riesiger werdende Angebot an Informationen und neuem Wissen führt dazu, dass der Mensch und insbesondere das menschliche Gehirn irgendwann an seine Grenzen stößt.

Wir müssen immer mehr Informationen in immer kürzerer Zeit aufnehmen, einordnen und verarbeiten. Doch ein „Zuviel“ an Information behindert unser Denken: Das Arbeitsgedächtnis versagt, die Gewichtung der Informationen gelingt nicht mehr, die Fehleranfälligkeit nimmt zu und die Stressbelastung steigt. Also was tun? Sich der Technik und dem Fortschritt verweigern? Das wird nicht funktionieren. Oder doch mit der Masse mitlaufen und versuchen, alles so gut es eben geht zu bewältigen? Auch das ist kaum möglich ist. Die Lösung liegt vermutlich irgendwo in der Mitte.

Der Mensch ist nicht multitaskingfähig

Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns deutlich nachlässt, je mehr Zeit wir mit den modernen digitalen Medien verbringen oder versuchen, mehre Dinge gleichzeitig zu tun. Der Mensch ist also letztlich nicht multitaskingfähig. Mehrere komplexe Aufgaben gleichzeitig zu lösen und mit der gleichen guten Qualität auszuführen, ist uns nicht möglich. Je häufiger wir von einer Aufgabe zur nächsten springen, desto mehr sinkt die Konzentration. Das erleben wir auch häufig im Arbeitsleben. Stört uns jemand bei der Arbeit, ist Ineffizienz vorprogrammiert. Denn nach einer Ablenkung benötigt man ca. 26 Minuten, um sich wieder auf seine ursprüngliche Aufgabe zu konzentrieren. Und um sich in diese überhaupt erst einmal hineinzudenken, bedarf es schon allein 15 Minuten an Zeit.

Aber sind wir einmal ehrlich zu uns selbst: Wir lassen uns gerne ablenken. Und Möglichkeiten zur Ablenkungen gibt es viele – auch im Arbeitsalltag. Der Plausch mit dem Kollegen in der Kaffeeküche oder der Blick aufs Smartphone. Alle 18 Minuten schauen wir durchschnittlich am Tag auf unser Handy und verbringen so rund 2,5 Stunden täglich mit unserem kleinen Spielzeug. Davon telefonieren mit meist aber nur rund sieben Minuten. Die restliche Zeit verwenden wir auf die Informationsbeschaffung. Das führt zu zusätzlichem Stress. Daher ist es wichtig, dass wir digitale Medien richtig dosiert einsetzen. Alles andere führt zu einer nur noch größeren mentalen Überlastung – auch im betrieblichen Umfeld.

Der Tipp der Neurowissenschaftler: Unternehmen sollten eine Arbeitswelt schaffen, die möglichst wenige Möglichkeiten zur Ablenkung bieten bzw. die Beschäftigten nicht dazu verführt, sich ständig ablenken zu lassen.

Lernen, laufen, lieben, lachen!

Doch wie machen wir unser Gehirn nun fit für die Zukunft? Bewegung ist ein Teil der Lösung. Die kognitiven Fähigkeiten lassen sich gut mit regelmäßiger Bewegung trainieren. Bewegung steigert die Konzentrationsfähigkeit, fördert die Durchblutung des Gehirns und dies wiederum fördert die Bildung neuer Nervenzellen – das Gehirn altert langsamer. Dass unser Gehirn im Alter also weniger leistungsfähig ist, kann so nicht pauschal gesagt werden. Es kommt auf den Menschen an. Ist er bereit, sich regelmäßig zu bewegen, kann der Alterungsprozess verlangsamt werden. Und übrigens, der Alterungsprozess des menschlichen Gehirns beginnt nicht erst mit dem 40. Lebensjahr. Dieser Prozess setzt bereits mit dem 25. Lebensjahr ein.

Auch sollte man offen sein für neue Eindrücke und versuchen, regelmäßig Neues zu erlernen. Ein Umdenken bei der Fehlerkultur beispielsweise ist für Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Nur wenn Menschen keine Angst haben, Fehler zu machen, kann sich eine Organisation weiterentwickeln. Angst vor dem Versagen behindert die Lernleistung. Und Fehler sind aus Sicht des Gehirns entscheidende Bausteine, um neues Wissen zu generieren. Denn wie sagte der dänische Physiker Niels Bohr einst so schön: „Man ist erst dann Experte auf einem Gebiet, wenn man alle nur denkbaren Fehler gemacht hat.“

Mein Fazit: digitale Medien richtig dosieren. Sich weniger ablenken lassen und täglich lernen, laufen, lieben, lachen – dann klappt es auch mit der digitalen Transformation. Und sollten weitere 10.000 Produkte in den Supermarkt nebenan einziehen, werde ich auch das noch überblicken, ohne mich überfordert zu fühlen.

Autorin des Beitrags

Regine Gralla-Züge

Regine Gralla-Züge

Kommunikationsexpertin

Regine Gralla-Züge ist Marketing- und Kommunikationsexpertin im Head Office Köln. So vielfältig wie ihre Aufgaben und ihre Fachexpertise, sind die Stationen bei TÜV Rheinland – von der internationalen Aus- und Weiterbildung über die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz hin zu Messen & Events. Auch in ihrer knappen Freizeit ist ihr das Thema Gesundheit wichtig, denn ohne Sport geht es nicht. Wenn sie mal nicht auf dem Stepper oder der Vibrationsplatte steht, liest sie gerne Krimis, geht ins Kino bzw. ins Theater oder reist nach Italien, wo ihr Mann derzeit beruflich unterwegs ist. Neben italienischem „Dolce Vita“, guter Küche sowie Kunst & Kultur, schlägt ihr Herz für italienische Schuhe und den Fußballverein S04.

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