Ein Vater fährt mit seinem Sohn zum Fußballspiel, doch während der Fahrt geraten die beiden in einen schweren Unfall. Ein Rettungswagen jagt zum Unfallort und holt die beiden ab, doch der Vater stirbt noch auf der Fahrt ins Krankenhaus.

Der Sohn lebt, muss aber sofort operiert werden. Er wird in den OP-Saal gefahren, wo schon die diensthabenden Chirurgen warten. Als sie sich jedoch über den Jungen beugen, sagt ein Chirurg mit erschrockener Stimme: „Ich kann nicht operieren – das ist mein Sohn!“

Generisches Maskulinum – fatal zum Beispiel in Stellenanzeigen

Ein Fall für das Galileo Mystery-Team? Nein, ganz einfach: Der betroffene „Chirurg“ ist eine Frau. Das Beispiel zeigt jedoch, dass die deutsche Sprache uns gerne kleine Stolperfallen vor die Füße legt, wie hier das generische Maskulinum. Dieses taucht jedoch nicht nur bei chirurgischem Fachpersonal auf. Auch „Ärzte“, “Juristen“, „Experten“ – all diese Sprachformen verwenden den männlichen Genus. Nun fragen Sie sich bestimmt, was ist das eigentlich? Das generische Maskulinum ist eine grammatikalische Form, bei der für die Erwähnung von Personengruppen, bei denen das Geschlecht unklar oder unbedeutend ist, die maskuline Form verwendet wird. So sind wir es gewohnt. Doch ist es nun an der Zeit, diese Sprache und Mentalität aufzubrechen und einen neuen Weg einzuschlagen?

Da sage ich ganz klar: JA! Denn obwohl Frauen mit dem oben genannten generischen Maskulinum mitgemeint sind, fühlen sie sich meist nicht mitgenannt. Stellen Sie sich mal vor: Sie wollen sich bei einem Unternehmen bewerben. Die ausgeschriebenen Stellen beziehen sich auf „Softwareentwickler“, „Fachärzte“ und „Teamleiter“. Würden Sie sich bei dem Unternehmen bewerben? Es gibt die folgenden Antwortmöglichkeiten (als Übertreibung verdeutlicht):

A: „Ja, die Stellenanzeigen passen perfekt zu mir. Ich sitze schon an meinem Motivationsschreiben!“
B: „Nein, anscheinend sucht das Unternehmen nur Männer, da passe ich wohl nicht rein.“
Wenn Sie mir Ihre Antwortoption verraten, verrate ich Ihnen Ihr Geschlecht…

Frauen fühlen sich nicht automatisch „mitgemeint“

Nun aber mal die Übertreibung beiseite: Es kann durchaus sein, dass sich auf eine Stellenausschreibung, die nur das generische Maskulinum verwendet, keine Frau bewirbt. Was können wir denn nun dagegen unternehmen, dass Frauen sich nicht mitgemeint fühlen? Und damit meine ich nicht nur Stellenausschreibungen in Unternehmen, sondern auch News- und Blogartikel, Pressemitteilungen, Social Media Postings. Es gibt eine Lösung: Die gendergerechte Sprache!

Wie der Name schon vermuten lässt, kann eine gendergerechte Sprache für Gleichberechtigung der Geschlechter sorgen, in allen Lebenslagen. Erinnern Sie sich an die Sparkassenkundin, die auch wirklich „Kundin“ und nicht „Kunde“ genannt werden wollte? Das gehört ebenfalls zu diesem Thema. Sogar für die Suchmaschinenoptimierung im Internet spielt die gendergerechte Sprache eine Rolle. Wörter wie Texterin, Anwältin, Ärztin und die gendergerechten Schreibweisen dieser Wörter werden weniger gesucht als ihre männlichen Adaptionen. Ein weiterer Aspekt bezieht sich auf Personen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen. Diese finden sich ebenfalls in der gendergerechten Sprache wieder, da in ihr auch neutrale Begriffe, die sich keinem Geschlecht zuordnen lassen, vorhanden sind.

gendergerecht

Gendergerechte Sprache im TÜV Rheinland Blog

Dieser Blogartikel soll nun aber keine Bachelor/ette-Arbeit zur gendergerechten Sprache sein – die habe ich nämlich schon geschrieben. Ich möchte Sie lediglich darauf aufmerksam machen, auch mal über die Sprache nachzudenken.

Vielleicht nutzen Sie ja beim nächsten Mal „Kundschaft“ oder „Ärztinnen und Ärzte“, oder „Fachkraft in der Softwareentwicklung“, oder „Teamleitung“, oder…, oder …, oder ….

Die deutsche Sprache wird oft für ihre Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten gelobt. Die Möglichkeit der gendergerechten Sprache gehört dazu – Sie müssen nur daran denken und den ersten Schritt gehen. Wir gehen ihn in diesem Blog ab sofort!

Weitere Infos:

Unsere Empfehlungen zur gendergerechten Sprache finden Sie hier: Gendergerechte Sprache bei TÜV Rheinland

Autor des Beitrags
Tim Hartmann

Tim Hartmann

Mitarbeiter Newsroom

Tim ist studentische Aushilfe im Newsroom von TÜV Rheinland. Hier unterstützt er bei der Social Media Arbeit, Pressemitteilungen, Video-Drehs und vielem mehr. In seiner Freizeit gern ins Kino. Egal ob Dramen, Action oder Comedy – hauptsache er hat regelmäßg Popcornduft und eine große Leinwand vor der Nase. Durch die tägliche Zugfahrt von Düsseldorf nach Köln ist Tim ein echter Pendler-Profi! Hier wird er unter anderem von seinen Erfahrungen auf seinem täglichen Arbeitsweg berichten.

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Kommentare

2 Kommentare

  1. Avatar

    Guten Tag, ich halte das Beispiel für recht geschmacklose Aufmerksamkeitsakquise. Was soll diese Todesgeschichte? Und hätten Sie korrekt „Chirurgin“ geschrieben, funktioniert es nicht.
    Wichtiges Thema, aber kein schöner Artikel. Die meisten TÜV Rheinland Kunden werden zumindest grundsätzlich schon sensibilisiert sein und benötigen den erhobenen Zeigefinger vielleicht nicht… eher detailliertere Tipps zur Umsetzung?

    Beste Grüße
    M. Klang

    Antworten
  2. TÜV Rheinland Blogredaktion

    Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Genau darum geht es ja, dass meist eben doch „Chirurg“ geschrieben wird statt die korrekte Form – in diesem Fall, wie Sie schon genau richtig angemerkt haben „Chirurgin“.

    Die konkreten Handlungshinweise finden Sie auch direkt hier im Artikel in der Infobox unter „Gendergerechte Sprache bei TÜV Rheinland“ hinterlegt.

    Antworten

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