In dem einen oder anderen Jahresrückblick wird sie sicher Erwähnung finden: die viel diskutierte Zulassung von E-Scootern auf deutschen Radwegen und Straßen Mitte 2019. Mittlerweile gehören die Leihroller in vielen Städten zum Alltag. Und die Bewertungen fallen – vorsichtig ausgedrückt – gemischt aus. Eine Erkenntnis: Neue Fahrzeugarten verursachen auch neue Probleme. Um schnell Lösungen zu finden, haben Kommunen und Anbieter in einem „Memorandum of Understanding“ den Handlungs- und Abstimmungsbedarf formuliert.

Geofencing für E-Scooter – und für Autos?

Ein interessanter Aspekt ist dabei das sogenannte Geofencing. Dadurch erkennen die Verleiher, wenn sich E-Scooter etwa in Fußgängerzonen oder anderen verbotenen Bereichen bewegen. Die Leihgeräte drosseln ihre Geschwindigkeit dann automatisch. Das klingt erst einmal gut und berechtigt. Schließlich halten sich viele Nutzerinnen und Nutzer nicht an Regeln. Sie fahren unter Alkoholeinfluss, zu zweit oder auf dem Bürgersteig. Da kommt so eine automatische Geschwindigkeitsbeschränkung doch genau richtig.

Wenn das schon bei den eher simplen Elektrokleinstfahrzeugen funktioniert, die maximal 20 Stundenkilometer fahren dürfen, lässt sich dieses Konzept dann nicht auch auf größere Fahrzeugen übertragen? Zum Beispiel auf die Autos auf unseren Straßen, ? Laut einer Studie des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen kommen bei einem Bestand von 47,1 Millionen Autos aktuell 567 Fahrzeuge auf 1.000 Einwohner. Vor zehn Jahren waren es noch 504. Auch in den Großstädten steigt der Autobestand immer weiter. Umso wichtiger sind also neue Sicherheitskonzepte für den Verkehr – und warum sollte, was beim E-Scooter legitim ist, bei Autos plötzlich als unerlaubter Eingriff in die Freiheit, zu schnell zu fahren, gewertet werden?

Mögliches Modell für Tempo-30-Zonen

Zum Beispiel könnte Geofencing für Autos in Tempo-30-Zonen und vor Schulen und Kindergärten eingeführt werden. So könnten wir allen Fahrerinnen und Fahrern die Last abnehmen, dauernd auf den Tacho zu schauen. Ihre Fahrzeuge würden sich automatisch nicht schneller als mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit bewegen. Denn meinen – zugegeben subjektiven – Beobachtungen nach sind viele Autofahrerinnen und Autofahrer schlicht damit überfordert, Tempo 30 einzuhalten, wenn Tempo 30 gilt. Eine Geschwindigkeit von 40 km/h scheint als noch akzeptable Überschreitung zu gelten – und liegt doch schon mehr als 30 Prozent über dem Limit. Mit allen Folgen für Bremsweg, Lärm und Schwere von Unfällen.

Technisch sollte das doch zumindest bei allen neueren Fahrzeugmodellen möglich sein. Es wäre außerdem ein eleganter Einstieg in das teilautonome Fahren. Denn mehr Verkehrssicherheit und weniger Verkehrslärm wären die Folge. Mehr kann man sich doch kaum wünschen von zukunftsorientierter Verkehrspolitik. Ich gebe zu, dass es noch ein paar kleine technische und rechtliche Aspekte zu klären gibt. Zum Beispiel sind die wenigsten Autos ja Leihfahrzeuge. Aber wer dem E-Scooter politisch auf die Straße hilft, dem sollte auch das gelingen.

Autor des Beitrags

Alexander Schneider

Alexander Schneider

Unternehmenskommunikation

Als Redakteur in der Unternehmenskommunikation bei TÜV Rheinland tätig. Immer auf der Suche nach spannenden Geschichten und Themen, die sich gut erzählen lassen. Davon gibt es im Unternehmen reichlich. Von Haus aus Historiker mit einem Faible für Lateinamerika. Wollte immer was mit Medien machen und hat deshalb lange für ein bekanntes Verlagshaus im Frankfurter Gallusviertel gearbeitet. Lebt als Zugezogener sehr gerne in Köln, weil die Stadt der Beweis ist: Autosuggestion funktioniert. Nirgendwo sonst findet sich trotz so ausgeprägter Bausünden ein solcher Lokalpatriotismus. Und das macht einfach Spaß – ebenso wie das Radfahren zur Arbeit. Fällt inzwischen sogar schon bei Besuchen in Berlin als Kölner auf, weil er einfach mal mit den Leuten redet.

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