Das Problem wird allmählich manifest: Seit Jahren sprechen Unternehmen in Deutschland, die Politik und Verbände über den Fachkräftemangel. Zuletzt im Frühjahr 2018 hat das Institut der deutschen Wirtschaft festgestellt: 440.000 Fachkräfte fehlen der Wirtschaft in Deutschland, macht 30 Milliarden Euro weniger Wirtschaftsleistung. Und: Das Thema wird keineswegs kleiner, eher größer, 2030 könnten „bis zu drei Millionen Fachkräfte fehlen“, sieht Spiegel-Online düstere Wolken am Konjunkturhimmel – Stichwort demografischer Wandel.

Die Medaille hat zwei Seiten

Die Medaille hat zwei Seiten, wie jede. Was aktuell schlecht für viele Unternehmen erscheint, dürfte qualifizierte, motivierte, junge Menschen sehr freuen. Die Suche nach attraktiven Stellen gestaltet sich für sie positiv. Es sind eher die Unternehmen, die sich bei ihnen bewerben müssen, als umgekehrt – Stichwort Arbeitnehmermarkt. Gerade der Dienstleistungssektor – so die einschlägigen Studien – ist hier im Fokus.

TÜV Rheinland ist von dieser Entwicklung keineswegs ausgenommen. Stand heute (12. Juni 2018) haben wir in Deutschland 403 offene Stellen zu besetzen. Ein einfacher Grund: Wir wachsen. Als technischer Prüfdienstleister sind wir allerdings auch in zahlreichen Branchen tätig, in denen wir einen extremen Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte spüren. Das gilt nicht nur für die Automobil- oder Versorgungsbranche und die Energiewirtschaft, sondern ebenso für die IT- oder Gesundheitsbranche (ja, wir suchen zum Beispiel auch Medizinerinnen für unsere arbeitsmedizinischen Tätigkeiten).

Was zeichnet einen guten Arbeitgeber aus?

In dieser Situation ist es für uns auch sehr wichtig, genau zuzuhören, um zu verstehen, was (junge) Menschen sich von ihrem (künftigen) Arbeitgeber wünschen. Vor diesem Hintergrund haben wir diese Frage im Frühjahr 2018 einmal systematisch aufgegriffen und eine bundesweit repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey gestartet. Die Ergebnisse dieser Umfrage mit 12.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigen, was nach Meinung der Menschen in Deutschland einen guten Arbeitgeber ausmacht: Ganz vorne steht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (26,2 %), dann folgen die Sicherheit des Arbeitsplatzes für 18,9 Prozent und der Wunsch nach einer Arbeit, die sinnvoll und abwechslungsreich ist (16,2 %). Auch gute persönliche Entwicklungsmöglichkeiten werden mit 11,8 Prozent noch vor der Bezahlung genannt, die für 9,5 Prozent bei der Frage nach einem guten Arbeitgeber im Vordergrund steht. Interessant: Die Work-Life-Balance mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nennen 42 Prozent im Alter zwischen 30 und 39 als wichtigstes Kriterium, bei den Frauen sind es insgesamt 28,3 Prozent, bei den Männern 24,7 Prozent.

Ähnliche Frage mit ähnlichem Ergebnis: Was ist für Sie der wichtigste Aspekt einer guten Arbeitsstelle? Auch hier stehen für die Menschen in Deutschland (ebenfalls bevölkerungsrepräsentativ, 47.000 Befragte bei Civey) weit vorne Faktoren wie abwechslungsreiche Tätigkeit und sicherer Arbeitsplatz (je knapp 23 Prozent), angenehme Kollegen (14,5 %) und persönliche Entwicklung (13,3 %). Geld nennen erneut lediglich 9,6 Prozent als Kriterium.

Die Aufgabe: Mehr Lebensqualität schaffen

Viel von dem, was solche Befragungen zeigen, deckt sich mit dem, wie ich TÜV Rheinland als Arbeitgeber wahrnehme. Tatsächlich bildet unsere Aufgabe als Unternehmen und unser Leitbild bereits wesentliche Aspekte ab, die für uns eine große Rolle spielen. Zitat aus dem Leitbild: „Seit Gründung im Jahr 1872 stehen wir für Sicherheit und Qualität im Zusammenspiel von Mensch, Technik und Umwelt. Wir sind der Überzeugung, dass gesellschaftlicher und technischer Fortschritt untrennbar miteinander verbunden sind.“ Auch die Feststellung, dass wir durch unsere Arbeit Lebensqualität schaffen, ist hervorzuheben.

Motivierte Mitarbeiter – mehr Erfolg

Es gibt offenbar eine klare Tendenz, was Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wichtig ist und womit sie zu zufriedenen Mitarbeiterinnen werden. Ich denke: Gelingt es uns, die wichtigsten drei Kriterien abzubilden, die die Menschen sich wünschen – Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Arbeitsplatzsicherheit und Sinnhaftigkeit der Arbeit –, steigt nicht nur die Attraktivität als potenzieller Arbeitgeber, sondern auch die Zufriedenheit der Menschen, die bereits bei TÜV Rheinland arbeiten.

Zufriedenheit am Arbeitsplatz wiederum ist Grundlage für vieles: für effektives Arbeiten, Leistungsbereitschaft, Gesundheit, Identifikation mit dem Unternehmen und letztlich dauerhaften Unternehmenserfolg. Wir müssen (und werden) weiter daran arbeiten. Nicht nur regelmäßige weltweite Mitarbeiterbefragungen bei TÜV Rheinland zeigen uns, wo wir auf dem Weg dahin stehen. Diese sind wichtig, aber noch wichtiger ist eine offene Diskussionskultur im unternehmerischen Alltag, die sich der Diskussionskultur der Menschen von heute anpasst und sich mit ihnen weiterentwickelt. Social Media verändert unsere Kommunikation ja nicht nur im Privatleben. Nehmen wir das Beste davon einfach mit zur Arbeit.

Autor des Beitrags

Jörg Meyer zu Altenschildesche

Jörg Meyer zu Altenschildesche

Pressesprecher

Mein Name ist Jörg Meyer zu Altenschildesche. Ich wohne an der holländischen Grenze, was gut auszuhalten ist, da ich Fritten Spezial mag, in Köln arbeite und deshalb jeden Tag den Dom sehe. Ich bin Pressesprecher bei TÜV Rheinland, spreche aber nicht nur, sondern schreibe auch gern – und das schon seit über 40 Jahren. Natürlich gab es damals noch keine Computer oder so etwas (zumindest nicht bei uns zu Hause; immerhin hatten wir viele Lochkarten zum Spielen, weil mein Vater in einem Rechenzentrum gearbeitet hat). Aber viele von den Themen, die mich bewegen, waren damals auch schon spannend (oder sie wurden es sehr bald). Fußball oder Umweltschutz, Globalisierung oder Mobilität, dieses geniale Internet oder gleich die ganze Welt.

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