Effizienz ist Pflicht – zumindest für alle sogenannten Nicht-KMU, also größere Firmen, die nicht unter die EU-Definition für Kleinstunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen fallen. Seit fast vier Jahren sind sie zur Durchführung von Energieaudits nach DIN EN 16247-1 verpflichtet. Ziel der Audits ist es, Energieflüsse und Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz zu identifizieren. Unternehmen mit einem Energiemanagement nach DIN EN ISO 50001 oder einem Umweltmanagementsystem im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 (EMAS) sind von der Pflicht freigestellt, wenn sie gewisse Randparameter einhalten. Auch hier müssen beispielsweise 100 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs ermittelt und 90 Prozent näher untersucht werden.

Energieauditpflicht: Geringverbraucher werden entlastet

Viele Unternehmen, die 2015 zum ersten Mal ein Audit durchgeführt haben, müssen dies jetzt, vier Jahre später, erneuern lassen. Ansonsten droht unter Umständen ein Bußgeld. Zur Vorbereitung ist es sinnvoll und notwendig, sich mit den aktuellen Anforderungen auseinanderzusetzen. Denn „pünktlich“ zur neuen Energieauditpflichtrunde hat der Gesetzgeber umfangreiche Änderungen geplant. Für das eine oder andere Unternehmen könnte dies in Bezug auf die Vorgaben des EDL-G (Energiedienstleistungsgesetz) eine Entlastung bringen.

Bagatellschwelle bei 500.000 kWh/a

Die generelle Energieauditpflicht bleibt natürlich bestehen. Durch die Einführung einer sogenannten Bagatellschwelle (Energieverbrauch < 500.000 kWh/a) müssen viele Nicht-KMU allerdings kein vollständiges Energieaudit mehr nachweisen. Gerade bei den verbundenen Unternehmen – zum Beispiel am gleichen Standort – wird das eine sinnvolle Lösung sein, um den Kosten-Nutzen-Faktor der Energieaudits zu verbessern. Generell dürfte sich ein hohes Maß an Aufwand bei allen Beteiligten erübrigen. Böse Zungen sprachen in der Vergangenheit manchmal sogar von einem hohen Erkenntnisgewinn – allerdings lag dieser meist in der Klärung der Unternehmensstruktur und seltener im tatsächlichen Zweck des Energieaudits begründet.

Spezifische Eckdaten online melden

Jetzt aber bitte nicht zurücklehnen! Notwendige Daten, zum Beispiel zum Energieverbrauch und zu den Energiekosten, müssen dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) aktiv gemeldet werden.
Diese Meldepflicht gilt übrigens auch für Unternehmen, die über die Bagatellschwelle hinaus zum Nachweis eines Energieaudits verpflichtet sind. Spätestens zwei Monate nach Erstellung des Energieauditberichts müssen spezifische Eckdaten aus dem Bericht in einer Online-Plattform eingetragen werden. Für die Anfangszeit soll es aber großzügige Übergangsphasen geben.

Nicht ganz neu, aber in diesem Zusammenhang erwähnenswert: Für verbundene Unternehmen, die weiterhin der Energieauditpflicht unterliegen, besteht im Rahmen des Wiederholungsaudits die Möglichkeit, die 90-Prozent-Regelung über die verschiedenen juristischen Einheiten hinweg anzuwenden. In jedem Fall lohnt es sich, frühzeitig mit den Vorbereitungen zu beginnen, damit das Energieaudit sicher, effizient und möglichst nutzbringend für das Unternehmen ablaufen kann.

Autor des Beitrags

Innocenzo Caria

Innocenzo Caria

Projektleiter Energiemanagement

Innocenzo Caria ist Projektleiter Energiemanagement und stellvertretender Produktverantwortlicher und Auditor für die ISO 50001 bei TÜV Rheinland Cert. Sein Leben steht ganz im Zeichen von Energie: Während er bei TÜV Rheinland zu allen Themen rund ums Energiemanagement auditiert, gerät sein privates Energieeinsparkonzept zuhause angesichts der gerade erfolgten Nachwuchsverstärkung immer mal wieder ins Wanken. Aber als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr ist er brenzlige Situationen gewöhnt und bleibt meist ganz cool. Wenn neben Familie und Beruf dann doch mal Zeit übrig ist, geht er neuerdings squashen. Auch wenn das laut eigenem Bekunden andere vielleicht noch nicht Squash nennen würden…

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