Datensicherheit beginnt im Rechenzentrum. Fällt es aus, steht der Datenstrom still. Neu errichtete Datacenter oder solche, die sich im Umbau befinden, werden daher von TÜV Rheinland auf Herz und Nieren geprüft. Der Brand beim Cloud-Dienstleister OVH zeigte kürzlich eindrucksvoll, wie wichtig sorgfältige Planung und ausreichender Brandschutz sind.

Cybersecurity zunehmend erfolgsentscheidend

Eines ist im Rahmen der Corona-Pandemie bereits jetzt sicher zu bilanzieren: Die Digitalisierung hat sich weiter beschleunigt. Für Unternehmen ist es noch wichtiger geworden, jederzeit und unterbrechungsfrei auf ihre Daten zugreifen zu können. Dafür müssen Betriebe ihre Computersysteme zum einen gegen Angriffe aus dem virtuellen Raum absichern – Cybersecurity ist gefragter denn je. Zum anderen ist es mindestens ebenso wichtig, die eigenen Rechenzentren sicher zu betreiben oder zuverlässig abgesicherte Cloud-Dienste zu nutzen.

Wie sicher ist Ihr Rechenzentrum?

Fällt das Rechenzentrum aus, kann das für Unternehmen fatale Folgen haben. Nichts geht mehr. Betriebssicherheit und eine hohe Verfügbarkeit sind deshalb wesentliche Kriterien, die ein modernes Rechenzentrum erfüllen muss.

Ein „Elchtest“, der die Stabilität in kritischen Situationen überprüft, ist daher mehr als sinnvoll für neu errichtete oder umgebaute Rechenzentren.

Um ein solches Datacenter nach der Errichtung sicher zu betreiben, sind einige Risikofaktoren im Vorfeld zu betrachten: zum Beispiel Starkregen, Hochwasser, Brände – auch Brände, die scheinbar nur einen mittelbaren Einfluss haben, etwa auf Straßen oder Eisenbahntrassen. Aber auch Ausfälle der Energie- und Kältetechnik sind entscheidend.

Der „Elchtest“: Risiken für den laufenden Betrieb möglichst ausschließen

Meine Kolleginnen und Kollegen von TÜV Rheinland testen neue Rechenzentren vor der ersten Inbetriebnahme systematisch hinsichtlich einer fehlerfreien Funktion nach der sogenannten Technischen Gebäudeausrüstung (TGA). Hier kommt der Elchtest ins Spiel: Bei Ausfällen der Klimaanlage wird geprüft, ob die Reservesysteme ordnungsgemäß übernehmen. Dadurch wollen wir Risiken für den laufenden Betrieb so weit wie möglich ausschließen. Zusätzlich unterstützen wir Betreiber*innen dabei, Notfallkonzepte zu entwickeln. Wie wichtig das ist, zeigt der Brand des Cloud-Anbieters OVB. Das Feuer hat mehrere Gebäude vernichtet. Insgesamt vier auf dem Gelände erbaute Rechenzentren (SBG1 bis SBG4) wurden zerstört. Erhebliche Datenmengen sind für immer verschwunden. Wie groß der Schaden genau ist, wird zurzeit noch ermittelt.

DIN EN 50600:

Wer ein Rechenzentrum errichten oder erneuern will, sollte sich an den Vorgaben der Norm DIN EN 50600 orientieren. Die europäische Norm DIN EN 50600 erklärt umfassend, wie Rechenzentren sicher konzipiert, geplant, konstruiert und betrieben werden können. Damit reduziert sich die Störanfälligkeit deutlich.

Eine Zertifizierung nach diesem Standard ist ebenfalls möglich. Ein interessanter Mehrwert der Zertifizierung: Unternehmen, die Cloud-Dienste nutzen, achten zunehmend darauf, ob die Rechenzentren ihres Dienstleisters nach DIN EN 50600 zertifiziert sind.

Die Datenmengen werden weiter und auch sprunghaft ansteigen. Damit steigen auch die Anforderungen an Rechenzentren und daran, diese betriebssicher zu gestalten. Der „Elchtest“ kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Weitere Infos:

Weitere Hintergrundinformationen zu Planung, Bau und Betrieb von Rechenzentren erhalten Sie unter https://www.tuv.com/dcs

Autor des Beitrags

Norman Hübner

Norman Hübner

Pressesprecher

Norman Hübner ist Pressesprecher für die Themen digitale Transformation und Cybersecurity bei TÜV Rheinland. Als Science-Fiction- Fan und Freund von Weltraumforschung begeistern ihn die Möglichkeiten des digitalen Wandels. In seiner Freizeit ist der zweifache Vater ein ausgesprochener Familienmensch. Im Berufsalltag ist ihm Besonnenheit und gegenseitiger Respekt vor der Wertschöpfung der Kollegen wichtig.

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