Im Smart Mobility Team von TÜV Rheinland steht unter anderem auch ein Wasserstoffauto zur Verfügung. Ich durfte das Fahrzeug für einen Tag testen, um mir ein Bild von der Technologie zu machen. Welche Erfahrungen ich gesammelt habe und warum auch die Feuerwehr sehr interessiert an diesem Auto war, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.
Wasserstoffauto vs. Elektroauto – wo liegen die Unterschiede?
Bei einem Wasserstoffauto – auch Brennstoffzellenauto genannt – wird die Energie aus einer Brennstoffzelle mit Wasserstofftank erzeugt. Wasserstoff und Sauerstoff aus der Luft reagieren zu Wasser. In diesem Prozess, der auch „Kalte Verbrennung“ genannt wird, entstehen aber auch Wärme und elektrische Energie. Diese treibt den Elektromotor an. In einem Brennstoffzellenauto ist außerdem eine Pufferbatterie verbaut, die als Zwischenspeicher fürs Bremsen (Rekuperationsenergie) und als Zusatzkraft beim Beschleunigen verwendet werden kann. Da sie nicht den Hauptenergieträger darstellt, ist die Pufferbatterie natürlich kleiner als beim Elektroauto. In unserem Fall ist es eine 13,8 kWh Lithium-Ionen-Batterie.
Wie fährt sich ein Wasserstoffauto?
Wer schon mal ein Elektroauto gefahren ist, wird kaum einen Unterschied feststellen. Auch die Beschleunigung ist beim Wasserstoffauto vergleichbar, da dieses ja auch über Elektromotoren als Antriebstechnologie verfügt.

Quelle: H2 Mobility Livekarte Wasserstoff-Tankstellen
Wie viele Wasserstoff-Tankstellen gibt es in Deutschland?
Die Anzahl der Wasserstoff-Tankstellen liegt in Deutschland aktuell bei 88 (Stand September 2020). Hauptbetreiber ist H2 Mobility, ein Zusammenschluss der Gashersteller Air Liquide und Linde, der Tankstellenbetreiber OMV, Shell und Total sowie der Daimler AG.
Ein Blick auf die H2 Mobility-Karte mit den aktuellen und zukünftig geplanten Wasserstoff-Tankstellen zeigt, dass das Potential noch nicht ausgeschöpft ist.
Übrigens: TÜV Rheinland hat mehr als drei Viertel aller Wasserstofftankstellen abgenommen und ist weiterhin Prüfdienstleister bei H2 Mobility für die kommenden Jahre.
Wie wird ein Wasserstoffauto betankt?
Der Tankvorgang dauert zwischen 3 und 5 Minuten – je nach Größe des Tanks. Ähnlich wie beim Verbrenner gibt es einen Zapfhahn; dieser wird an das Auto angeschlossen und über einen Hebel arretiert. An der Zapfsäule drückt die Kundin oder der Kunde anschließend auf Start.
Der Tankvorgang wird über eine Infrarot-Verbindung zwischen Auto und Zapfsäule initialisiert – und der Wasserstoff mit einem Druck von 700bar (bei Nutzfahrzeugen auch 350bar) in den Tank gepresst.
Das Fassungsvermögen des Tanks liegt in unserem Fall bei 4,4 Kilogramm Wasserstoff, was an der Tankstelle einem Preis von rund 44 Euro entspricht. Unter Umständen kann es am Ende des Tankvorgangs übrigens zu einem lauten Zischen kommen. Beim ersten Mal habe ich mich ein bisschen erschreckt.

Mein Fazit
Wer die Möglichkeit hat, ein Wasserstoffauto auszuprobieren, sollte dies unbedingt mal testen. Während meines Tank-Stopps am Flughafen zeigte sich auch die örtliche Feuerwehr sehr interessiert an dieser Technologie. Für die Brandschutz-Fachleute ist natürlich primär wichtig, wie man im Falle eines Unfalls mit so einem Fahrzeug umgeht. Unser Fahrzeug ist deshalb auch mit einer sogenannten Gefahrenkarte ausgestattet, auf der genau verzeichnet ist, welcher Tank wo platziert ist und wo Druck- und Hochvoltleitungen verlegt sind.
Die Reichweite lag in meinem Praxistest mit vollem Wasserstofftank bei ca. 290 Kilometer – plus 40 Kilometer extra per Batterieantrieb. Auch hier sind natürlich Fahrweise, Temperaturen und Verbraucher zu berücksichtigen. Mehr Tankstellen wären daher durchaus wünschenswert; im Vergleich zum europäischen Ausland ist Deutschland in puncto Wasserstoff-Infrastruktur allerdings schon weit vorangeschritten.
Ein kleiner Tipp zum Abschluss:
Sie möchten mehr über Wasserstoffautos, Technik und Infrastruktur erfahren? Die Experten und Expertinnen von TÜV Rheinland stehen interessierten Unternehmen und Behörden mit ihrem Fachwissen zur Verfügung und bieten entsprechende Schulungen und Workshops an.
Autor des Beitrags

Jan Scholten
PRODUKT MARKETING MANAGER – MOBILITÄT
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