Der Begriff Industrie 4.0 ist derzeit ja in aller Munde. Doch was ist darunter eigentlich zu verstehen? Und was bedeutet es für uns Menschen, die wir täglich zur Arbeit gehen? Wie wird Industrie 4.0 uns und unser zukünftiges Leben verändern oder beeinflussen? Themen, mit denen sich Experten aller Branchen befassen – auch wir bei TÜV Rheinland.

Die Arbeit wird mobiler, aber sie verschwindet nicht

Meine Kollegen und ich haben täglich mit den Themen Gesundheit und Arbeitsschutz zu tun. Auch wir stellen uns die Frage, wie sich moderne Arbeitsformen zukünftig auf den Menschen, seine Arbeitsweise und seine Gesundheit auswirken werden. Einiges wurde darüber in den Medien ja schon geschrieben. Aber wie es in 20, 30 Jahren wirklich aussehen wird, kann derzeit niemand vorhersagen. Wird es Arbeit, wie wir sie heute kennen, dann überhaupt noch geben? Oder lehnen wir uns entspannt zurück, da Roboter und Maschinen unsere Jobs übernehmen und uns somit körperlich entlasten und wir mehr Raum und Zeit für andere Dinge haben? Wird der Mensch dann vielleicht nur noch für das Denken gebraucht?

Ehrlich gesagt, wir wissen es (noch) nicht. Und da auch wir bei TÜV Rheinland ab und zu mal die Perspektive wechseln müssen, um Antworten auf unsere Fragen zu finden, haben wir in Zusammenarbeit mit der Kölner Hochschule für Design (KISD) einfach 20 Studenten aus 14 Nationen gefragt, wie sie sich die Arbeitswelt von morgen vorstellen. Herausgekommen sind dabei wirklich erstaunliche Erkenntnisse. Eines ist nach Ansicht der Studenten sicher: Die Arbeit wird mobiler, aber sie wird nicht verschwinden, sondern sich nur verändern. Es wird egal sein, wo wir arbeiten. Menschen werden sich in Zukunft ihre Arbeitsorte selber aussuchen.

Heute München, morgen Paris, New York oder Tokyo? Kein Problem. Mobile Arbeitsplätze, die technisch gut ausgestattet überall dort verfügbar und buchbar sind, wo sich der arbeitende Mensch gerade aufhält, werden dann ganz normal sein. Das kann in der Stadt sein, aber auch genauso gut auf dem Land oder in einem Park in der Großstadt. Mobile Arbeitsplätze werden überall da entstehen, wo Menschen diese nachfragen und nutzen. Also nicht mehr der Mensch geht zur Arbeit, sondern der Mensch arbeitet dort, wo es ihm gerade gefällt und wo er sich aufhält. Dabei wird es zum intensiven Austausch mit anderen Menschen und Kulturen kommen. Sichtweisen werden sich verändern. Das wird kreative Prozesse in Gang setzen und Möglichkeiten für die Entwicklung neuer und nützlicher Dienstleistungen und Produkte schaffen.

Neue Formen der Arbeit

Auch neue Jobformen werden entstehen, da Berufe, wie wir sie bislang kannten, möglicherweise wegfallen oder ganz aussterben. Vielleicht wird es dann Spezialisten geben, die sich um die Entsorgung von Plastikmüll in den Ozeanen kümmern oder dafür sorgen, dass auch im urbanen Umfeld ausreichend Lebensmittel angebaut werden können. Die Trends der Zukunft sind bereits heute deutlich erkennbar – Automatisierung, Smart Green, Well-Being, Urban Gardening sind nur einige davon.

Und schon heute sind Techniken bei der Arbeit im Einsatz, die wir uns vor 20, 30 Jahren kaum vorstellen konnten. Eine Studentin aus dem asiatischen Raum hielt und dies vor Augen, indem sie einfach mal ein paar Kinofilme aus den 80er, 90er Jahren miteinander verglichen und geschaut hat, welche technischen Errungenschaften aus diesen Filmen heute bereits Einzug in unseren Alltag gehalten haben – es ist erstaunlich. Was vor 20 Jahren noch undenkbar schien, gehört heute zum normalen Alltag dazu. Wareables, mit denen wir unser Leben, unsere Familie und unsere Gesundheit organisieren, künstliche Gelenke und Körperteile sowie die 3D-Brille für die Virtual Reality sind davon ja nur einige.

Kreativer mit der Lieblingsmusik

Wie wird sich die Welt also weiter verändern? Brauchen wir mehr Miteinander oder doch mehr Ruhe und Individualismus? Sitzen wir bald alle im Großraumbüro oder wird es noch den Arbeitsplatz für den Einzelnen geben? Ja, auch da sind sich die Studenten sicher. Wir werden enger und vernetzter miteinander arbeiten. Aber auch der Denker, der Ruhe benötigt, um neue Ideen zu entwickeln, wird seinen Platz im Gesamtgefüge finden, und sei es im Rahmen einer speziell für ihn installierten Arbeitsplatznische zwischen vielen anderen. Vielleicht wird uns auch unsere Lieblingsmusik bei der Arbeit begleiten, da wir unter deren Einfluss effektiver und kreativer sind, wie unsere Studenten in einer speziellen Erhebung herausfanden. Und vermutlich werden Geräte auf dem Markt sein, die anhand unseres Verhaltens am Arbeitsplatz erkennen können, wann es mit der Arbeit genug ist und wann wir eine Pause brauchen.

Ich bin gespannt auf diese Entwicklungen und wie sie mich, meine Arbeit und auch TÜV Rheinland beeinflussen und verändern werden. Unser Uni-Projekt mit seinen Ergebnissen hat dazu beigetragen, einmal wieder die Perspektive zu wechseln. Toll, was internationale und gemischte Teams unter einer einzigen Fragestellung so entwickeln und hervorbringen. Wir bleiben dran und werden das eine oder andere Thema sicherlich nochmals näher hinterfragen und aufgreifen.

Autorin des Beitrags

Regine Gralla-Züge

Regine Gralla-Züge

Kommunikationsexpertin

Regine Gralla-Züge ist Marketing- und Kommunikationsexpertin im Head Office Köln. So vielfältig wie ihre Aufgaben und ihre Fachexpertise, sind die Stationen bei TÜV Rheinland – von der internationalen Aus- und Weiterbildung über die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz hin zu Messen & Events. Auch in ihrer knappen Freizeit ist ihr das Thema Gesundheit wichtig, denn ohne Sport geht es nicht. Wenn sie mal nicht auf dem Stepper oder der Vibrationsplatte steht, liest sie gerne Krimis, geht ins Kino bzw. ins Theater oder reist nach Italien, wo ihr Mann derzeit beruflich unterwegs ist. Neben italienischem „Dolce Vita“, guter Küche sowie Kunst & Kultur, schlägt ihr Herz für italienische Schuhe und den Fußballverein S04.

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