Sie setzen nicht direkt beim Produkt an, dienen nicht der unmittelbaren CO2-Reduktion und killen keine Coronaviren: Managementsysteme. Als übergeordnetes Geflecht aus Prozessen und Systemen geben sie Unternehmen jedoch Struktur und ebnen den Weg, um bestimmte Ziele zu erreichen.

Hilfreiches Handlungsgerüst

Qualität, Umwelt- oder Arbeitsschutz: Für all diese Themen und Ziele gibt es internationale Normen wie die ISO 9001, ISO 14001 oder die ISO 45001. Sie liefern die Basis, das Handlungsgerüst, damit Unternehmen ein Managementsystem aufsetzen können. Der Vorteil eines solchen Systems: Die Verantwortlichkeiten – wer macht wann was? – sind klar geregelt und dokumentiert. Jede*r weiß, was an welcher Stelle eines klar definierten Ablaufs zu tun ist, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Auch für das Unternehmen wichtige Gesetze und Interessengruppen werden dabei berücksichtigt.

Systematisches Vorgehen – auch in kritischen Situationen

Ich denke, viele von uns haben die Erfahrung gemacht, dass ein systematisches Vorgehen enorm dabei unterstützt, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Aber helfen Managementsysteme auch bei den großen Themen und Krisen, die uns aktuell umtreiben, wie beispielsweise bei der Corona-Pandemie und dem Klimaschutz?

Ja, sie sind sicherlich eine Stellschraube in dem großen Ganzen. Sie können dazu beitragen, beispielsweise Energie zu sparen und damit den CO2-Ausstoß zu verringern. Und sie können helfen, Mitarbeiter*innen, Kund*innen und Geschäftspartner*innen besser vor Infektionen zu schützen.
Krisenkommunikation

Beispiel Arbeitsschutz

Ein Beispiel: Die ISO 45001 liefert die Grundlage für den Aufbau eines Arbeitsschutz-Managementsystems. Dieses befasst sich unter anderem mit Aspekten wie der Schulung von Mitarbeitenden, der Kommunikation und dem Einbinden von Mitarbeiter*innen, Partnerunternehmen und Kund*innen. Angesichts der Corona-Pandemie mussten Unternehmen schnell reagieren: Welche Corona-Vorgaben gilt es einzuhalten? Welche Parteien wie beispielsweise Kund*innen, Partner*innen und Mitarbeitende sind über Regelungen und Maßnahmen zu informieren? Welche Kommunikationskanäle und -instrumente gibt es hierfür und wie lassen sich Mitarbeitende einbinden und schulen?

Managementsysteme in der Krisensituation

Ich vermute, dass besonders zu Beginn der Pandemie so manch ein Unternehmen Schwierigkeiten hatte, all diese Anforderungen mit der gebotenen Schnelligkeit zu erfüllen. Unternehmen, die in derlei Krisensituationen ein Managementsystem nach ISO 45001 betreiben, können auf bereits vorhandene Strukturen und Abläufe aufsetzen und sind damit schneller handlungsfähig. Die für den Arbeitsschutz verantwortlichen Personen sind bereits definiert und die Kommunikationskanäle und -instrumente für den Austausch mit Mitarbeitenden und anderen wichtigen Parteien sind installiert.

Da Schnelligkeit und gute Organisation in diesen Krisensituationen sehr wichtig sind, profitieren Unternehmen in solchen Phasen im besonderen Maße von einem Arbeitsschutzmanagementsystem. Hilfreich in dieser Krisensituation ist sicherlich auch die Richtlinie PD ISO/PAS 45005:2020, die 2020 herausgegeben wurde. Auf Grundlage dieser Spezifizierung können Unternehmen, die bereits ein Managementsystem nach ISO 45001 betreiben, zusätzliche Pandemie-Anforderungen ergänzen – und so überprüfen, ob alle relevanten Aspekte berücksichtigt sind. Denn die neuen Herausforderungen betreffen neben den offensichtlichen Fragen der Hygiene- und Abstandsregeln auch Themen, an die vielleicht nicht sofort gedacht wird. So zum Beispiel die physischen Bedingungen und psychischen Belastungen eines improvisierten Home-Offices oder die eventuell nicht mehr ausreichende Anwesenheit von Ersthelfer*innen oder Brandschutzhelfer*innen vor Ort.

Klimaschutz

Beispiel Klimaschutz

Auch beim Engagement im Themenfeld „Klimakrise und CO2-Reduktion“ kann ein Managementsystem unterstützen. Die ISO 50001 etwa liefert die Grundlage für den Aufbau eines Energiemanagementsystems in Unternehmen. Das System bietet den übergeordneten Rahmen, in dem Unternehmen ihre Energieziele definieren und mit geeigneten Maßnahmen sowie Kontroll- und Steuerungsinstrumenten erfüllen können. So unterstützt ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 beispielsweise dabei, die großen Energieverbrauchsstellen im Unternehmen zu identifizieren, Maßnahmen zur Energiereduktion umzusetzen und den Fortschritt zu messen. Die Energieeinsparung hat dabei nicht nur positive Effekte auf die Kosten, sondern auch auf den CO2-Ausstoß.

Mein Fazit:

Beide Beispiele verdeutlichen, dass Managementsysteme durchaus einen Beitrag leisten können, um Krisen besser zu bewältigen oder den CO2 Ausstoß zu mindern. Sich klare Ziele setzen und mit System an deren Erfüllung zu arbeiten – das kann auch bei den Themen, die uns aktuell umtreiben, nur von Vorteil sein.

Autorin des Beitrags

Antje Golbach

Antje Golbach

Pressesprecherin

Antje Golbach ist Pressesprecherin für den Geschäftsbereich Systeme und befasst sich außerdem mit dem Social Media-Netzwerken rund um das Themenfeld Zertifizierung von Managementsystemen. Sie schätzt die thematische Vielfalt in der Kommunikationsabteilung bei TÜV Rheinland, das Sich-Einarbeiten in immer neue Themen und dass kein Tag so verläuft wie der vorherige. Als Ausgleich zum Büroleben nutzt sie die Gelegenheit für Jogging-Touren durch den Kölner Grüngürtel und Wander-Ausflüge in die nahe Eifel. Gern tauscht sie auch mal den Waldboden gegen die Yogamatte ein.

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