„Die Krise als Chance“ hört man mittlerweile täglich aus den Mündern der digital Vernetzten, der Telefonkonferenzler*innen und Post-It-Online-Nutzenden. Entscheidungen werden in Telkos oder Videokonferenzen wesentlich schneller getroffen als in Konferenzräumen und Büros, die Nachrichtenlage tickert ähnlich rasant durch den Tag. Wer dem linearen Fernsehen eigentlich abgeschworen hatte, informiert sich zurzeit doch wieder häufiger bei den Angeboten von ARD, ZDF oder den lokalen Dritten. In meinem Fall ist das der WDR.

Die Tagesschau – erst um viertel vor neun in der Mediathek abrufbar

Lokalzeit, Aktuelle Stunde, Tagesschau und ARD Extra. Die heilige Vierfaltigkeit des Abends. Da meine Satellitenschüssel nach dem letzten Sturm nicht mehr auf Empfang steht und die To-do-Liste im Haus auch in Zeiten von #socialdistancing einfach nicht kürzer wird, steht das Ausrichten der Schüssel immer noch oben auf der Liste. Neben der Arbeit im Homeoffice – und ja, ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich noch arbeiten kann – waren Hausputz und eine Rolle Klopapier ergattern im Moment erstmal wichtiger. Man sollte aber meinen, ich bin so digital aufgestellt, dass ich um 20 Uhr die Tagesschau streamen kann und gar keinen klassischen Fernsehempfang mehr brauche.

Livestream klappt auch ganz gut. Ist es aber 20:05 Uhr und ich möchte die aktuelle Tagesschau sehen, kann ich das erst ab ca. 20:45 Uhr oder noch später. Vorher ist sie nicht in der Mediathek abrufbar. Da finde ich nur die 17-Uhr-Ausgabe. Heutzutage schon Schnee aus der Steinzeit. Bei ARD Extra kann ich wieder live einsteigen, das finde ich, falls verspätet, doch auch sehr zeitnah in den Mediatheken. Wo finde ich die Tagesschau aber bereits kurz nach Ende? Auf YouTube. Da lebe ich dann mit etwas schlechterer Qualität – aber dafür wenigstens mit höherer Aktualität. Verstehen muss ich diese Reihenfolge nicht, aber interessant ist es allemal.

Wenn ich die Lokalzeit streamen möchte, dann wird immer im Wechsel eine der zahlreichen verschiedenen Lokalzeiten gezeigt. Im linearen Fernsehen würde ich einfach WDR Köln einstellen und immer meine Lokalzeit sehen können. In der Mediathek warte ich dann aber wieder gefühlte Stunden (ein wenig kürzer ist es dann doch), bis ich die Lokalzeit Köln abrufen kann. Aktuelle Stunde ähnlich. Oder ich bin einfach digital nicht auf der Höhe und finde nichts. Weil das schon sehr speziell ist, rege ich mich nicht über die ARD App in meinem Smart TV auf. Da gibt es bessere Varianten bei anderen Marken. In meiner kann man nur in 4-Minuten-Schritten spulen. Für Filme ok, für Nachrichten nicht so. Jammern auf hohem Niveau ist das natürlich durchaus.

[Ergänzung: Dank dieses Artikels habe ich von einem Freund erfahren, dass man den Livestream in der ARD Mediathek zumindest zwei Stunden zurückspulen kann. Geht allerdings nur auf dem Rechner, nun den…aber immerhin!]

Neue Zielgruppen erschließen – gerade jetzt

Dennoch denke ich, dass auch die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen hier ihre Chance nutzen sollten. Unser aller Held Christian Drosten mit seinem Coronavirus-Update ist übrigens überall zu finden: In der Audiothek, bei Spotify und bei YouTube. Und an vielen anderen Stellen. Genau.richtig. Bis zu 15 Millionen Aufrufe haben seine werktäglichen Podcasts. Neue Zielgruppen erschließen und so. Gerade jetzt. Die Tagesschau am 15. März war mit 9,9 Millionen Zuschauern die mit den höchsten Einschaltquoten seit der Fußball-WM 2018.

Wer sich zum Beispiel einmal wieder an die 20-Uhr-Tagesschau gewöhnt hat, der wird auch nach der Krise gern mal wieder einschalten. Auch, wenn die Tagesschau App (auf dem iPhone) großartig ist. Lob gibt’s also auch von mir. Für Netflix, Amazon Prime, Maxdome oder Sky oder wie sie alle heißen, hatte ich bisher leider noch keine Zeit. Aber die kommt sicher noch. Dann kann ich auf die Frage „Und, schon alles durchgebingt?“ vielleich auch mal mit ‚ja‘ antworten. Ach Moment, da kommen ja jetzt noch die ganzen Mediatheken dazu… (ARTE zum Beispiel, eine meiner Lieblingsanlaufstellen auch vor Corona-Zeiten).

Autorin des Beitrags
Anna Linn Zafiris

Anna Linn Zafiris

Head of Social Media

Wenn sie nicht Bilder von veganem Essen oder Streetart bei Instagram postet, ist sie meist auf einem ihrer Fahrräder, auf Flohmärkten, beim Spazieren durch Köln oder im Yoga-Studio zu finden. Wenn man sie auch dort nicht antrifft, dann ist sie auf Reisen und erkundet Tempel oder Vulkane in fernen Ländern.
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