Seit zwei Wochen sind wir mit unserer Abteilung in Kurzarbeit. Anders als befürchtet habe ich keine Depressionen davongetragen, sondern neue Einblicke erhalten. Einige möchte ich hier mit euch teilen.

Der Einschlag

Ein Ton klingt nach – ich erinnere mich genau: Als am Montag, dem 30. März, um 17 Uhr das E-Mail-Tönchen „ping“ machte, war ich gespannt. Endlich Klarheit zur bereits angekündigten Kurzarbeit, dann der Schock: Wow – gleich bis 30. Juni, für manche sogar bis September. Ein Loch tut sich auf. Dass wir damit rechnen durften, hatte sich schon abgezeichnet, aber in dem Moment musste ich doch schlucken.

Der Tag danach

Für den 31. März stand der morgendliche Check-in mit den Kolleg*innen auf dem Plan: Wie geht’s uns jetzt damit? Von Skepsis bis Frustration war alles spürbar. Ideen, Projekte, Initiativen, Beiträge – von jetzt auf gleich runterfahren, innehalten. Auch dunkle Gedanken stiegen auf: Was, wenn alles noch schlimmer wird? Erst Kurz-, dann ganz die Arbeit los? Dass Kurzarbeit auch weniger Geld bedeutet, war nicht das vordergründige Thema. Verschiedene Aspekte standen im Widerstreit. Am Ende war klar: Wir nehmen es, wie es ist. Es ist großartig, dass wir bei TÜV Rheinland die Möglichkeit haben, diese bizarre Situation so auszusteuern. Es ist hart, dass wir nicht in gewohntem Maße dazu beitragen können.

Tschüss – bis bald

Am Abend noch ein Skype-Call. Der letzte für eine ganze Weile. Ohne Videos. Nur die Stimmen der Kolleginnen und Kollegen. Wir wickelten ab, synchronisierten die Abwesenheitsmeldungen, bastelten an den Übergaben – ein seltsames Gefühl von Zwangspause. Wohin mit den Gedanken, die ich mir am Tag, aber auch in freien Zeiten zu den Herausforderungen für TÜV Rheinland mache? Wie teilt man sich mit, tauscht sich mit Kolleg*innen aus? Erste Ideen tauchen auf: sich weiterbilden, aufarbeiten, Beiträge schreiben, irgendetwas für die Zeit des Neustarts planen.

Krise als Chance

Nach den ersten Wochen kurzer Arbeit lasse ich einige Ideen Revue passieren. Eine Kollegin aus Japan fragte: Was können wir als TÜV Rheinland zur Lösung der Krise beitragen? Wir überlegten, wie ein virtueller TÜV Ideen-Hackathon aussehen könnte. Wir brachten unseren Innovations-Kolleg*innen aus den Geschäftsfeldern das digitale Kollaborations-Tool nexboard näher, mit dem Remote-Workshops in Echtzeit gelingen. David vom Startup tableofvisions.com erneuerte sein Angebot: Vier Monate könnten alle Kolleg*innen weltweit ihre Ideen und Initiativen auf der Innovations-Plattform nach crowdsourcing-Manier testen. Und immer wieder treibt uns die Frage: Wie können wir dem innovativen Potenzial der Kolleg*innen einen Rahmen geben, den Austausch beleben? Vielleicht bekommen wir das Messenger-Tool teamwire ja nun doch noch schneller an den Start. Die Krise muss doch für irgendetwas gut sein.

Autor des Beitrags

Kai Ulrich

Kai Ulrich

Innovation Facilitator

Kai Ulrich ist Innovation Facilitator im Team Innovation und Digitalisierung. Unterstützt KollegInnen und Kunden weltweit dabei für den TÜV Rheinland das Neue in die Welt zu bringen. Er moderiert Innovations-Prozesse und transformiert Expertenwissen in tragfähige Geschäftsmodelle. Sein Lieblingsplatz, um gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und andere Perspektiven einzunehmen ist der Innovationspace im 18. Stock in Köln. Dort veranstalten er und sein Team regelmäßig „Meet the new“, ein beliebter Networking-Treff rund um digitale Transformation und veränderte Zusammenarbeit. Privat ist nun Refrath der Dreh- und Angelpunkt für den gebürtiger Kölner und nun Exil-Hamburger. Für Ausgleich sorgen hier Tennis, Motorradfahren und Ausflüge mit der Familie in das bergische Umland.

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Kommentare

3 Kommentare

  1. Avatar

    Ich finde es richtig gut, dass ihr die Zeit positiv für euch nutzen könnt. Ein virtueller TÜV Ideen-Hackathon ist eine tolle Idee. Ich bin mir gar nicht sicher, ob der TÜV in Düsseldorf wieder auf hat. Mein Auto ist dran.

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    • TÜV Rheinland Blogredaktion

      Hallo Herr Scheffler,
      unsere Prüfstellen sind alle geöffnet und Sie können wie gewohnt Ihre Hauptuntersuchung bei uns machen lassen. Schauen Sie gerne mal hier:
      https://www.youtube.com/watch?v=pcSLp6FAMCc
      Viele Grüße, Ihr TÜV Rheinland Blogteam

      Antworten
  2. Avatar

    Wusste gar nicht in welchen Bereichen der TÜV noch so alles unterwegs ist. Ich habe nach TÜV gesucht zwecks Check des Autos. Aber sehr cool der Hackaton :-). Schön wenn es mal bei einem Unternehmen um Kreativität und nicht um Existenzängste geht. Bei vielen ist der kreative Teil aus gründen der Existenzängste sicher schon tot…. nur so ein Gedanke. Guter Artikel!
    Viele Grüsse,
    Claudia

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