Heute möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick geben, was bei einem Unternehmen wie TÜV Rheinland in einer Krisensituation wie der Corona-Pandemie in der internen Kommunikation passiert. Um Ihre Erwartungshaltung etwas zu korrigieren: Man kann Pläne in der Schublade, Prozesse definiert und viele andere Dinge im Vorfeld bedacht haben. Das haben wir natürlich alles getan und die Hausaufgaben gemacht. Doch eine Krisensituation wie diese, heraufbeschworen durch eine kaum vergleichbare Pandemie, lässt sich in kein Schema pressen. Die Dynamik, mit der sich die Corona-Krise entwickelt hat, war und ist beeindruckend und erforderte auch und gerade in der internen Kommunikation ein permanentes Bewerten, Agieren, Nachsteuern und Feinjustieren.

Die Dynamik der Krise – ein erster Rückblick

Als sich die ersten Nachrichten über den Ausbruch der Pandemie verbreiteten, waren wir bei TÜV Rheinland sehr schnell sensibilisiert, arbeitet doch rund ein Fünftel unserer weltweiten Belegschaft in China. So nahm der Krisenstab in einem frühen Stadium seine Tätigkeit auf, stand im permanenten Austausch mit den chinesischen Kolleginnen und Kollegen, und die Krisenkommunikation lief zügig an.

Zielführend war in dieser ersten Phase vor allem eine hohe Sachlichkeit in der Kommunikation. Es gab über Blueye, unser Intranet, regelmäßige Informationen auf Basis der gesicherten Fakten, die Tonalität war dabei professionell-unaufgeregt, auch als wir in Deutschland und anderen Ländern betroffen waren. Im nächsten Schritt wurden weitere Instrumente geschaffen, um insbesondere Fragen und Hinweise, Sorgen und Nöte aus der Belegschaft zu kanalisieren und die Kommunikation entsprechend zu lenken. Sehr hilfreich war dabei unsere hausinterne Expertise zum Beispiel aus der Arbeitsmedizin und dem Arbeitsschutz.

Spätestens, als in Deutschland alle Mitarbeitenden, bei denen dies möglich war, ins Homeoffice umgesiedelt waren, kam die Phase der intensiven, flächigen Kommunikation mit einem breiten Fächer an Themen. „Overcommunicate“ nennen das die amerikanischen Kolleg*innen. Das ist wichtig, damit die emotionale Bindung und Motivation beim „einsamen“ Arbeiten zu Hause nicht verloren geht. Nun waren auch die „bunten“ Meldungen gefragt, wie zum Beispiel: Wie behelfen sich Kolleginnen und Kollegen weltweit? Welche Erfolge sind im „Business as usual“ zu verzeichnen? Und was macht unser Kantinenchef eigentlich im Homeoffice? Nun, er kocht übrigens und teilt sein Wissen in sehr sehenswerten Videos.

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Hat sich das Arbeiten in der internen Kommunikation verändert?

Ja, das hat es. Ich kann mich daran erinnern, dass ich in den letzten Tagen sehr oft gesagt habe: „Wir machen das, was funktioniert“. Denn in der Krisensituation entwickelt man durchaus ein Faible für pragmatische und beherrschbare Lösungen, da es auf Geschwindigkeit in der Umsetzung ankommt. Gleichzeitig haben wir im Newsroom auf diese Weise neue Ideen und Formate in Rekordzeit umgesetzt: Das Vorstands-Video aus dem Homeoffice in der Anmutung einer TV-Live-Schaltung, ein Experten-Podcast, digitale Sonderausgaben unserer Zeitschrift für Mitarbeitende weltweit, Live-Webinare in Form von Sprechstunden für die zahlreichen Standortverantwortlichen in Deutschland, eine Hotline für FAQ und vieles mehr. Das alles hätte jedoch nicht funktioniert ohne das großartige teamübergreifende und unaufgeregte Arbeiten im Newsroom und im Krisenstab. Danke an alle, die daran mitgearbeitet haben!

Wichtig ist, dass man bei der Umsetzung solcher Maßnahmen nicht in der Perfektionismus-Falle stecken bleibt, sondern die neuen Ideen rasch finalisiert und an die Organisation liefert. Letztendlich gibt es in dieser Krisensituation selten ein Richtig oder Falsch, sondern nur gutes oder schlechtes Timing. Das, was heute gut und angemessen ist, kann schon nächste Woche nicht mehr funktionieren. Nichts ist für die Ewigkeit, und erst recht nicht in der Krise. Dennoch werden wir in der Zukunft von diesen Erfahrungen profitieren können.

Wie geht es weiter? Ein erster Ausblick

Auch wenn wir nach der Corona-Krise, wann immer das auch sein wird, theoretisch wieder wie gehabt an die Arbeit gehen könnten, wird dennoch wenig sein, wie es mal war. Zu tiefgreifend waren die Änderungen und ehrlich gesagt hat mir die hochflexible, fokussierte und pragmatische Arbeitsweise zu gut gefallen, als dass ich so einfach wieder zum Tagesgeschäft übergehen möchte. Zu viele Dinge haben wir gelernt und für gut befunden, die man durchaus beibehalten kann. Doch noch sind wir längst nicht so weit. Stand heute ist ein Ende der Corona-Krise in Deutschland nicht in Sicht. Arbeiten wir weiter. Professionell, pragmatisch und mit der in dieser Situation weiterhin gebotenen Geduld und Demut.

Autor des Beitrags

Frank Ehlert

Frank Ehlert

Leiter Interne Kommunikation

Frank Ehlert leitet das Team Interne Kommunikation und Unternehmenspublikationen im Newsroom von TÜV Rheinland. Er hat Betriebswirtschaft studiert und schon in der Studenten-WG viel mit Ingenieuren zu tun gehabt. Dadurch hat er die Fähigkeit entwickelt, komplizierte technische Sachverhalte auch für Normalleser auf den Punkt zu bringen. Gleichzeitig ist er ein kreativer Kopf und Querdenker. Frank Ehlert lebt mit seiner Familie seit vielen Jahren in Köln. Er ist effzeh-Fan, spielt Gitarre in einer Rockband und dreht dabei gerne mal alle Regler auf elf.

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