„Hurra“ haben meine Kinder am Freitag, den 13. März, gejubelt, als die Schule verkündete, dass der Unterricht erstmal bis zu den Osterferien ausfällt. Fünf Wochen Kinderbeschäftigung organisieren, dachte ich mir weniger euphorisch. Wir Eltern hatten sowieso schon einiges damit zu tun, uns selbst beruflich auf die neue Situation einzustellen.

Schule zu Hause: ein Berg von Aufgaben und Zeitplänen

Aber zurück zum Freitagabend: Mein Handy hörte nicht mehr auf zu bimmeln, da ich diverse E-Mails von den Lehrern meiner Kinder bekam, die Aufgaben, Anweisungen, Termine, Kontaktadressen und Online-Sprechstunden verschickten, um ihre Schüler während der Quasi-Quarantäne-Phase weiter zu unterrichten. Der Drucker ratterte, was das Zeug hielt. Der Papierstapel aus Aufgaben, Texten, Übersetzungen und Zeitplänen wuchs immer weiter an. Es schien kein Ende zu nehmen!

Und nun? Eins nach dem Anderen: Um den Überblick zu behalten, sortierte ich die Ausdrucke nach Dringlichkeit und teilte sie pro Kind und Arbeitsauftrag zu. Für jedes Fach stellte ich eine Mappe zusammen und versah sie jeweils mit einer Kurznotiz zu Fach, Chatsprechstunde der Lehrkraft und Abgabetermin.

Die Schule verlangt berufstätigen Eltern derzeit viel ab

„Was, so viel“, beklagte sich meine Tochter. „Da habe ich ja gar keine Freizeit mehr“, übertrieb sie ein wenig bei der Übergabe der Unterlagen. Im Laufe der Woche wurden die Aufgaben widerwillig erledigt. Nach mehreren Erinnerungen und Entzug der digitalen Ablenkungstechniken konnten wir nach fünf Tagen die Ergebnisse zusammenstellen und gesammelt an die Lehrer zurücksenden. Das Schulministerium empfiehlt übrigens, dass vier Stunden pro Tag für die Schulaufgaben investiert werden sollen. Mir ist schleierhaft, wie das realisiert werden soll, wenn man als Erwachsener den Nachwuchs nicht ständig anleitet und kontrolliert.

Die Schule fordert schon einen großen Teil von uns Eltern ein, den wir neben unserem normalen Joballtag noch bewältigen sollen. Eine Umfrage bestätigt meine Erfahrungen auch: Arbeiten in Heimarbeit mit Kindern geht eben schlechter. Eine repräsentative Umfrage zum Arbeiten im „Homeoffice“, die zwischen dem 19. und 22. März 2020 im Auftrag von TÜV Rheinland durchgeführt wurde, bestätigt das:

Home-Schooling: ja, aber bitte nur als Übergangslösung

Mein Fazit als berufstätige Mutter: Bis auf eine versäumte Mathehausaufgabe hat das „Home-Shooling“ bei uns gut geklappt. Temporär, meine ich. Die Übergangslösung ist in Krisenzeiten möglich, sollte aber nach Corona nicht zu einer alternativen Lehrmethode werden. Denn auch den Schülerinnen und Schülern fehlt der Austausch mit den Klassenkamerad*innen. Und schließlich lernen sie auch sozial viel voneinander– das geht eben nur, wenn sie in der Schule sind.

Autorin des Beitrags

Inès Culmey

Inès Culmey

Social Media Managerin

Inès Culmey ist bei TÜV Rheinland im Newsroom als Social Media Managerin tätig. Hier analysiert sie alles, was TÜV Rheinland im World Wide Web von sich preisgibt und in welchen Artikeln, Tweets oder Foren wir erwähnt werden. Als Nordlicht in Oldenburg geboren, hat sie im schönen Rheinland – genauer gesagt, in Bergisch Gladbach – ihr Zuhause gefunden. In ihrer Freizeit ist sie gern mit ihren Kindern in der Natur aktiv und erkundet das bergische Land per Rad. Ihr Motto: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“.

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