Seit dem letzten Wochenende verläuft mein Leben auffällig unauffällig. Auch bei mir ist Corona angekommen. Nicht das Virus selbst, zum Glück, aber die Tragweite dieser Pandemie – und ich habe den Ernst der Lage begriffen. Zum Beispiel, warum es wichtig ist, die Ausbreitung von Corona zu verlangsamen.

Shutdown – was vermissen wir eigentlich?

Es bleibt dann den Forschern etwas mehr Zeit, um ein Medikament oder einen Impfstoff zu entwickeln. Außerdem ist es extrem hilfreich, die Zahl der Infizierten so niedrig wie möglich zu halten, und das auch noch so lange wie irgend möglich. Klar: Weniger Patienten lassen sich einfacher und besser versorgen als Massen von Kranken.

Schon die gesamte letzte Woche hatte ich mich so gut es ging aus dem öffentlichen Leben rausgehalten. Ich folgte dem Rat der Wissenschaftler häufig so nebenbei. Meist sah ich Prof. Lothar Wieler vom Robert-Koch-Institut in Berlin und Prof. Christian Drosten von der Berliner Charité. Die beiden sind mir gerade fast vertrauter als mein Sohn Anton, mit dem ich zusammenwohne. Auch Anton hat sich auf Grund der Umstände und den Verhaltensempfehlungen folgend sehr zurückgezogen – ins eigene Zimmer überwiegend.

Was denn auch machen? Berlin steht nahezu still. Die Museen sind zu, Konzerte fallen aus, Clubs, Kneipen, Bars und Restaurants bleiben von 18:00 Uhr bis mindestens 06.00 Uhr geschlossen, in die Parks darf man noch. Noch! Ich kann mich gar nicht erinnern, ob ich jemals so sehr auf mich zurückgeworfen war wie im Moment?! Doch! Auf einer kleinen Insel eines maledivischen Atolls, wo ich vor über 30 Jahren mal war. Ich kenn jetzt zwar nur wenige Malediven-Inseln, aber überflüssiger als dort habe ich mich noch nirgendwo sonst gefühlt. Heute würde ich dort nicht mehr freiwillig hingehen. Im Moment stelle ich jedenfalls an mir fest, dass ich eigentlich kaum was vermisse. Die ideale Chance, um all das, was ich gar nicht vermisse, in Zukunft einfach wegzulassen. Wenn es gelingt, dann hat das Virus mir ja sogar noch was gebracht.

Homeoffice heißt: eigenständig arbeiten

Seit letzter Woche arbeite ich im Homeoffice. Ich sitze gern am eigenen Schreibtisch. Natürlich gibt es Situationen, in denen man stärker abgelenkt ist als im Büro. Glauben Sie mir, es ist alles nur eine Frage der Übung. Nach 20 Jahren mehr oder minder intensiver journalistischer Arbeit am eigenen Schreibtisch kenne ich meine Schwächen, die sich immer nur zu Hause bemerkbar machen. Wo denn auch sonst? Wäschewaschen ist nun mal im Büro nicht möglich. Und schmutzige Wäsche waschen… ? Geht gar nicht!

Ich schwöre auf Routine und immer gleiche Abläufe. Die bilden den Rahmen, sie geben mir Sicherheit, auch jetzt in der Krise. Wenn ich früher als Journalist mal nix zu tun hatte, was selten vorkam, habe ich die Routine und die Abläufe beibehalten – über die Jahrzehnte hinweg. Immer zur gleichen Zeit aufstehen, frühstücken, Zeitung und Nachrichtenportale lesen. Homeoffice bedeutet auch eigenständiges Arbeiten. Ich bin es gewohnt und komme damit klar, dass das manchmal auch schwierig ist. Routine und Abläufe helfen, den Fokus nicht zu verlieren.

In Notsituationen geht es um Zusammenhalt

Gut, einmal täglich gehe ich einkaufen, schräg über die Straße in den Supermarkt. Letztes Wochenende fingen die Hamsterkäufe an, als bekannt wurde, dass die Schulen und Kindergärten, Clubs, Restaurants und Kneipen schließen müssen. Kein Mehl, kein Klopapier, auch Eingewecktes sucht man vergebens. Komisch ist aber, dass ich noch niemanden mit einem Einkaufswagen gesehen habe, der übervoll war. Das wäre ein gefundenes Fressen für mich gewesen! Blickkontakt aufnehmen, streng schauen und den Augenkontakt halten. Dann immer wieder den Blick zwischen dem Wagen und dieser unersättlichen Person hin und her schweifen lassen. Nix sagen, nur gucken. Oh ja, auch Blicke können was bewirken.

In Notsituationen geht es ums Teilen, um Zusammenhalt. Egoisten keine Chance! Ich würde im Moment auch nirgendwo hinreisen wollen, wenn Dinge nicht mehr berechenbar sind, dann ist eine vertraute Umgebung hilfreich. Familie, Freunde, Kollegen und Nachbarn sind wichtige Stützen. Zentral ist Verlass auf den Staat, den Arbeitgeber, soziale Organisationen, Mitmenschen, funktionierende Versorgungssysteme, Krankenhäuser, Ärzte und und und – eben eine funktionierende Gesellschaft. Ich wüsste nicht, wo, wenn nicht hier, ich gerade lieber und besser aufgehoben wäre?!

Autor des Beitrags

Wolfram Stahl

Wolfram Stahl

Pressesprecher Berlin

Pressesprecher am Standort Berlin. Früher Hörfunk-Redakteur, Reporter und Moderator beim WDR in Köln, dann Korrespondent in Berlin. Einer, der von Vielem wenig und von Wenigem viel weiß. Deshalb bestens geeignet als Generalist, dafür ziemlich talentfrei Spezialist. Besondere Fähigkeit: sich rasch in ein Thema einzuarbeiten nach der Devise: Einfach machen! Im doppelten Sinne. Denn nichts ist so kompliziert, als dass es nicht verständlich gemacht werden könnte. Und da Ungeduld eine meiner größten Stärken ist, fällt mir Machen sowieso leichter als Warten.

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