Es gibt sie noch, die guten Dinge. Oder besser gesagt: die guten Nachrichten. „Digitale Reichweiten der Zeitungen steigen sprunghaft“ vermeldet der Bundesverband der Zeitungsverleger als Zwischenstand in der Corona-Krise. Der Schlussfolgerung des Interessenverbandes schließe ich mich gerne an: Corona „steigert das Bedürfnis nach vertrauenswürdigen Informationen“. In der Tat. Viele Medien werden ihrer systemrelevanten Rolle in dieser Lage gerecht: Sie berichten außerordentlich umfassend, zuverlässig, mit nachgeprüften Informationen – obwohl die Redaktionen selbst mit ungewohnten Arbeitsbedingungen zurechtkommen müssen und die Verlage unter gesunken Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft leiden.

Fakten statt Gefühle

Moment, warum „systemrelevant“? Kommunikation ist in einer Krisenzeit systemrelevant, weil nur so Vertrauen in Institutionen hergestellt wird. Wo das Vertrauen fehlt, landen wir ganz schnell in einer Lage, in der die Macht der Gefühle über Fakten siegt – und massenhaft Toilettenpapier gekauft wird, das in manchen Haushalten bis 2030 reichen dürfte. Und bei anderen Waren als Toilettenpapier – etwa Medikamenten – könnten die Folgen dramatisch sein.

Gerade die Zeitungen, von denen viele bis heute mit dem digitalen Wandel wirtschaftlich schwer kämpfen, schnüren zum Teil sehr günstige Pakete für exklusive Online-Inhalte in der Corona-Zeit (z.B. F.A.Z. für 1 Euro/Woche oder die italienische „La Repubblica“ für 1 Euro/Monat) oder bieten ihre Corona-Berichterstattung komplett kostenlos an (New York Times oder Economist). Manche verschieben den Start ihres neuen digitalen Bezahlmodells, um alle Informationen trotz drastisch gesunkener Einnahmen aus Anzeigen weiterhin kostenfrei anzubieten (El País aus Spanien).

Mehr Akzeptanz für digitale Bezahlangebote von Zeitungen?

Dies zeigt, dass viele Medien ihre gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst nehmen. Klar, es ist auch eine gute Möglichkeit, neue Zielgruppen vom eigenen Digitalangebot zu überzeugen und dauerhaft zu binden. Wenn ein Ergebnis der Corona-Krise aber wäre, dass wir Medienkonsumenten gut recherchierte Informationen mehr schätzen und digitale Bezahlangebote endlich auch für Zeitungen gut funktionieren, könnten wir vielleicht mit dem spanischen Sprichwort sagen: „No hay mal que por bien no venga“ – etwa: „Es gibt kein Unheil, das nicht zum Guten führt.“

Autor des Beitrags

Alexander Schneider

Alexander Schneider

Redakteur Unternehmenskommunikation

Als Redakteur in der Unternehmenskommunikation bei TÜV Rheinland tätig. Immer auf der Suche nach spannenden Geschichten und Themen, die sich gut erzählen lassen. Davon gibt es im Unternehmen reichlich. Von Haus aus Historiker mit einem Faible für Lateinamerika. Wollte immer was mit Medien machen und hat deshalb lange für ein bekanntes Verlagshaus im Frankfurter Gallusviertel gearbeitet. Lebt als Zugezogener sehr gerne in Köln, weil die Stadt der Beweis ist: Autosuggestion funktioniert. Nirgendwo sonst findet sich trotz so ausgeprägter Bausünden ein solcher Lokalpatriotismus. Und das macht einfach Spaß – ebenso wie das Radfahren zur Arbeit. Fällt inzwischen sogar schon bei Besuchen in Berlin als Kölner auf, weil er einfach mal mit den Leuten redet.

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