Es ist 9 Uhr morgens und von draußen höre ich lautes Gepolter, was in dieser Zeit natürlich sehr auffällt. Aber nein, heute störe ich mich nicht an diesem Lärm. Schnell laufe ich mit meiner Tochter vor die Haustür, um zu beobachten, was dort passiert.

Neue Rituale

Ein Mitarbeiter der AWB hat die Mülltonnen vorgezogen – und wenige Minuten später folgt das Highlight: Die Müllabfuhr fährt mit einem großen Lkw vor, leert jede einzelne Mülltonne und bringt diese wieder an den richtigen Platz zurück. Meine Tochter beobachtet das Geschehen mit Freude, und wir klatschen und winken den Mitarbeitern der Abfallwirtschaftsbetriebe zu, sie sich sehr darüber freuen.

Das klingt total banal, oder? Aber in Zeiten wie diesen wird mir bewusster, wie froh wir sein können, dass jede Woche aufs Neue die Mülltonnen geleert werden. Das Ritual, uns darauf zu freuen und den Mitarbeitern zuzuwinken, ist sicherlich neu. Dies werden wir auch nach der Corona-Krise hoffentlich beibehalten. Das sind sie, die wirklichen Alltagshelden – und wir sind nun ihre Fans geworden.

Wem applaudieren wir eigentlich auf Instagram & Co.?

In den sozialen Netzwerken machen wir das doch täglich, wir folgen beispielweise einer Person auf Instagram und zeigen ihr mit dem Liken eines Profils, dass wir ihr Fan sind. Mit einem schnellen Klick auf „Gefällt mir“ applaudieren wir für ein tolles Foto, ein Video oder einen Text. Aber hier werde ich in Zukunft wohl nicht mehr so leichtfertig „applaudieren“. Zu diesem Bewusstsein hat mich auch die jetzige Krise gebracht.

Noch kurz vor dem offiziellen Kontaktverbot habe ich einige Kuriositäten auf Instagram verfolgt. Es gab da sogenannte Influencerinnen und Influencer, die mit dem Auto von Deutschland bis nach Mallorca gereist sind, um dort eine neue Geschäftsidee zu verfolgen. Die in Miami einen gesperrten Strand besuchten, um die Leere für ein Fotoshooting zu nutzen und sich auch noch wunderten, dass die Polizei dies unterbunden hat. Einigen war es besonders wichtig, noch schnell ins Nagelstudio und zum Friseur zu gehen, obwohl auch zu diesem Zeitpunkt schon galt: #stayathome, haltet zwei Meter Abstand und vermeidet soziale Kontakte.

Zweifelhafte Botschaften

Auch der 90. Geburtstag der Großmutter wurde ausgiebig mit der ganzen Familie gefeiert und auf Instagram geteilt. Influencer*innen, die im Familien-Urlaub auf den Fidschi-Inseln waren und sogar noch versuchten, ihren Urlaub zu verlängern, um nicht nach Hause nach Bayern zu müssen. Dort herrscht ja schließlich gerade Ausgangsperre, und der Familie geht es hier in der Sonne und am Strand einfach besser… Die Beispiele sind endlos.

Das alles wurde Live, in Farbe und mit Stolz auf Instagram gepostet. Es scheint, als wäre diesen Menschen der Ernst der Lage irgendwie total entgangen zu sein. Tragisch ist dabei natürlich die Reichweite, die solche Accounts mit ihren hunderttausenden oder sogar Millionen Followern haben. Vielleicht hätte es sogenannte Corona-Partys schon früher nicht mehr gegeben, wenn die Influencer*nnen ihre Reichweite für die richtigen Botschaften genutzt hätten.

Meine Botschaft:

Bitte mehr richtigen Applaus für die wirklichen Alltagshelden!

Autorin des Beitrags

Anja Paffen

Anja Paffen

Social Media Managerin

Anja Paffen ist mit Herz und Seele Kölnerin und liebt vor allem die 5. Jahreszeit. TÜV Rheinland begleitet sie schon ihr ganzes Berufsleben. Angefangen mit einer kaufmännischen Ausbildung und dem anschließenden Abendstudium zur PR-Managerin ist sie nun bereits seit einigen Jahren als Social Media Managerin im Newsroom tätig. Bei dem was sie tut, ist sie immer mit Herzen dabei und möchte andere auf den sozialen Netzwerken nicht nur von TÜV Rheinland, sondern auch von unseren großartigen Mitarbeitern, begeistern.

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