Seien wir mal ehrlich: Am Anfang hat es auch Spaß gemacht, das Arbeiten im Homeoffice, Zoom ausprobieren, sich gegenseitig den privaten Arbeitsplatz per Skype zeigen, und wir waren alle überrascht, wie unglaublich effizient man arbeiten konnte.

Als die Gewöhnung begann

Wenn man eine Kollegin oder einen Kollegen anrief, dann waren sie eigentlich immer da, Entscheidungen wurden nicht wochenlang von einem „Gut – dass –wir –drüber – geredet – haben – Meeting“ zum nächsten geschleppt, sondern einfach getroffen. Und noch besser, Entscheidungen wurden umgesetzt, erledigt, nächstes Thema.

Dann, in der Woche vor Ostern, begann die Gewöhnung – und seit Ostermontag warten wir zunehmend darauf, dass Corona endlich vorbei ist und wir wieder zurück an unsere Schreibtische dürfen. Mit allem, was dazu gehört: Kaffee trinken und quatschen, lästern, Pläne schmieden, sich in die Augen gucken können, ohne dass das Bild ruckelt.

Die Wohnung ist aufgeräumt wie nie, Sperrmüll und Grünschnitt sind entsorgt, irgendwie gibt es auch mehr Jogger*innen und Menschen auf dem Fahrrad als sonst. Wir – die nicht an Corona erkrankten Menschen – sind fit wie nie, die Wartezimmer der Arztpraxen und Krankenhäuser sind leer wie nie und seit dieser Woche gibt es – wie von Zauberhand – auch wieder überall Klopapier, Hefe, Nudeln und Mehl zu kaufen.

Und jetzt?

Jetzt und in den nächsten Wochen entscheidet sich für jede und jeden von uns, wie mein, sein und ihr Leben nach Corona aussehen wird.

Derselbe Job mit derselben Routine? Wieder zurück in die Unverbindlichkeit bei Zusagen, sei es für das nächste Projekt oder die Party oder die Verabredung zum Sport? Und immer bei Instagram, YouTube und Facebook auf der Suche nach noch etwas Besserem, Tollerem, Wow-igerem? Zurück zur Oberflächlichkeit, zum Haten und Liken von Belanglosigkeiten und zum unvermeidlichen Teilen von Katzenvideos bei Whatsapp?

Es wird ein Leben nach Corona geben und ich arbeite daran, dass meine Sicht auf die Welt eine andere sein wird. Ich merke, dass das Arbeit ist und nicht mit der Leichtigkeit daherkommt, die ich mir gewünscht hätte. Ich möchte mir eine bessere, nachdenklichere oder auch optimistischere Sicht als zu Beginn dieses Jahres bewahren.

Luftholen während Corona

Das Beste aus der Atempause herausholen

Die Atempause, die vielen von uns durch Covid-19 gegeben wird, weil sie alle Kraft der Welt auf einen einzigen Punkt lenkt, haben zwar längst nicht alle Menschen bekommen. Die Erkrankten, die Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte hätten auf dieses Virus gerne verzichtet. Auch Eltern, die zwischen Homeoffice, fehlendem Auslauf und ohne Kinderbetreuung die Wände hochgehen, haben keine Zeit zum Luftholen.

Aber für alle anderen geht es auch darum, das Beste aus der Atempause herauszuholen. Luftanhalten, solange es geht, und dann ist die Welt wieder in Ordnung und wie früher? Keine Option, jedenfalls für mich und für viele andere bestimmt auch.

Was können wir ändern, um die schönen Momente der letzten 50 Tage zu verstetigen und zu einem Teil unseres Lebens zu machen? Unwichtiges von Wichtigem unterscheiden, Familie und Freund*innen ernst nehmen, meine Arbeit wertschätzen, nicht mehr Rechthaben wollen in Meetings und stattdessen Sinnstiftendes tun. Dinge sofort erledigen, Freundinnen und Freunde anrufen, freundlich sein und Distanz halten, wenn andere es wollen.

Mein Fazit:

Ich fange mit vielleicht nur vermeintlich kleinen Sachen an, die für die Zusammenarbeit hoffentlich gute Wirkung haben.

Bleibt gesund.

Autor des Beitrags

Hartmut Müller-Gerbes

Hartmut Müller-Gerbes

Konzernsprecher

Gestartet als Journalist bei RTL, die andere Seite der Kommunikation als Sprecher von Peer Steinbrück gelernt und seit fast einem Jahrzehnt bei TÜV Rheinland als Konzernsprecher. Technik muss dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Und nicht alles, was machbar ist, darf auch gemacht werden. Das sind für ihn wichtige Leitgedanken beim Bloggen. Diskutiert wurde bei ihm schon in der Kindheit in der Großfamilie mit acht Kindern und Erwachsenen um den Tisch. Die Wochenenden gehören dem Mountainbike und den Bergen, vom Kölner Umland bis zu den Alpen und Südtirol. Digital bin ich wahrscheinlich ein Spätberufener, vertrete die Generation ab 49, bin also eher nachdenklich und nehme mir länger Zeit, um dann aber weniger zu sagen. Ganz nach dem Motto: „Ich kann über jedes Thema eine Stunde sprechen und wenn ich nachdenke, 10 Minuten.“

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