Angesichts der anhaltenden Corona-Situation war ich in den letzten Monaten häufig verunsichert. Solange kein Ende dieser schwierigen Situation in Sicht ist und sich wirtschaftliche, existenzielle und gesundheitliche Nöte hinterlistig in mehr und mehr Lebensbereiche hineinschleichen, fühlt es sich so an, als ob man mit gezogener Handbremse lebt.

Verlorene Leichtigkeit

Vielen gewohnte Aktivitäten, wie beispielsweise Reisen, Essen gehen oder auch nur Einkaufen, fehlt die gewohnte Leichtigkeit. Sogar nette Treffen mit einer guten Freundin oder der Besuch bei den Eltern haben ihre Unschuld verloren und sind zum möglichen Beginn einer Infektionskette degradiert. Kurz gesagt, gewohnte Perspektiven fehlen und das Glas scheint an vielen Punkten eher halb leer als halb voll zu sein. Dabei kann ich mein „Muss ja“ am Ende fast jeden Gesprächs schon selbst nicht mehr hören.

„Muss ja“ oder „Trotzdem“?

Wie es der Zufall so will, erhielt ich kürzlich an unerwarteter Stelle einen positiven Impuls. Beim Durchblättern der aktuellen Ausgabe unserer TÜV Rheinland Mitarbeiter*innenzeitung zum Thema: „Veränderung und Mut“ inspirierte mich der Bericht „Acht Wege, Corona Kontra zu geben“ dazu, die Denkrichtung zu ändern und mal zu fragen:,Wie ist das denn derzeit bei mir? Gebe ich Kontra oder verweile ich weiterhin im „Muss ja“? Was läuft denn in dieser anhaltenden schwierigen Situation beruflich und privat gut?

Pluspunkt virtuelle Kommunikation

Und siehe da – ich fand mehr Positives als gedacht. Ein besonderes berufliches Highlight, das ich an dieser Stelle erwähnenswert finde: Durch die Corona-Krise und das damit verbundene Arbeiten im Homeoffice hat sich bei uns im Unternehmen viel getan in Sachen virtuelle Kommunikation. Selbstverständlich haben wir schon vor der Krise Videomeetings veranstaltet, allerdings mit Unterstützung externer Anbieter und nur zu ausgewählten Anlässen. Während des Lockdowns im Frühjahr war jedoch der interne Kommunikationsbedarf groß.

 

 

“Ich fand mehr

Positives

als gedacht.”

 

Unsere IT-Abteilung hat entsprechend darauf reagiert und bietet seitdem – nach einem gewagten Sprung ins kalte Wasser unter erschwerten Lockdown-Bedingungen – große Videokonferenzen in Eigenregie an. Mittlerweile wurden schon unzählige Videokonferenzen durchgeführt und das Format wird von den Kollegen und Kolleginnen gut angenommen und für lebhafte Diskussionen genutzt. Dabei gefällt mir insbesondere der neue pragmatische Umgang mit dieser Art von Veranstaltung. Inhalte und Dialog stehen dabei im Mittelpunkt, weniger eine perfekt durchgestylte Veranstaltung. Für die interne Kommunikation eröffnet dies viele weitere spannende Kommunikationsmöglichkeiten, und ich freue mich auf den weiteren Weg.

Wertschätzung und Kollegialität

Positiv empfinde ich auch unser aktuelles Miteinander. Ich habe den Eindruck,  dass der kollegiale Umgang wertschätzender geworden ist – vielleicht durch die dauerhafte Arbeit auf Distanz? In den ersten Wochen des Lockdowns im Frühjahr wurde zunächst in den zahlreichen Telefonkonferenzen so weitergearbeitet, als wären alle im Raum anwesend. Die Meetings waren immer zur vollen Stunde getaktet, es gab möglichst viele davon, und der Kommunikationsstil glich dem der Präsenzmeetings. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, kam zunehmend eine neue Gelassenheit und ein verstärktes Verständnis für die nicht immer einfache Situation anderer Kolleginnen und Kollegen auf. Hinzu kommt, dass die Leitungen insbesondere in der Home-Office-Situation nicht immer stabil sind. „Business as usual“ ist dann einfach deplatziert. Spätestens wenn das „Hallo, HALLO? Könnt Ihr mich hören?“ aus dem Off ertönt, macht es Sinn, einen Gang zurückzuschalten und zu warten, bis alle im Meeting ihren Platz gefunden haben.

Katze

Und privat…?

Wir haben uns gedacht, wenn Videos von kleinen Katzen im Netz für gute Laune sorgen, warum sollte das nicht auch live gelingen?!? Da wir schon länger ein Haustier wollten, haben wir eine Katze bei uns aufgenommen. Bedingt durch Corona ist ja derzeit fast immer jemand von uns zu Hause und somit für die Katze da. Und nach getaner Arbeit mit einer schnurrenden Katze auf dem Bauch auf dem Sofa zu liegen und ein gutes Buch zu lesen – das ist tatsächlich Entschleunigung pur. Außerdem haben wir uns als Familie einige kleinere Projekte überlegt, die sonst gerne untergehen. Zum Beispiel Sushi rollen lernen (mein letzter Versuch war desaströs), töpfern, endlich mal wieder ausführlich Weihnachtspost schreiben, Fotos verwalten… Wir sind mit unserer Laterne an St. Martin durch die Dunkelheit gezogen und werden den Weihnachtsmarkt auf unseren Balkon verlagern und dort neben einer Kerze gemütlich Glühwein trinken. Dann benötigen wir auch keinen Heizpilz.

Mut zur Veränderung – und eine schnurrende Katze

Und dann – wenn es in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft wieder losgeht, wenn das Virus sich nicht mehr rasant ausbreitet, werden wir die Dinge, die wir in den letzten Monaten nicht machen konnten, ganz besonders genießen. Dann sind sie nämlich nicht mehr selbstverständlich, sondern durch die Zwangspause zu etwas Besonderem geworden. Ich wünsche mir, dass dann von den Dingen, die wir jetzt als positiv erleben, auch noch einiges übrig bleibt. Möglicherweise ja der Mut, mit dauerhaften Veränderungen umzugehen und sich Herausforderungen zu stellen. Und vielleicht auch die nötige Gelassenheit – die schnurrende Katze wird ihren Beitrag dazu leisten.

Autorin des Beitrags

KERSTIN FERBER

KERSTIN FERBER

UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION

Kerstin Ferber arbeitet bei TÜV Rheinland im Team der Unternehmenskommunikation. Das Thema Kommunikation treibt sie schon seit ihrem Studium um, und so hat sie im Laufe der Jahre viele Erfahrungen in verschiedenen Kommunikationsbereichen gesammelt. Ihr derzeitiger Arbeits- und Interessensbereich ist die interne Kommunikation. Bevor sie zu TÜV Rheinland kam, hat sie lange in nahen und fernen Ländern gelebt und gearbeitet. Mittlerweile lebt sie glücklich und zufrieden mit ihrer Familie im Rheinland und wundert sich manchmal, wie nah das Gute eigentlich liegen kann; es sei denn sie steht mal wieder im Stau.

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