Wenn es um die Sicherheit von Produkten und Prozessen oder den störungsfreien Betrieb technischer Anlagen geht, sind Prüf- und Zertifizierungsunternehmen wie TÜV Rheinland gefragt. Aber wer überprüft eigentlich die Prüfer*innen?

Geprüfte Qualität – darauf muss Verlass sein

Ob es um unbedenkliches Kinderspielzeug oder den sicheren Betrieb eines Kraftwerks geht: Bei der Auswahl eines Prüflabors bzw. einer Inspektionsstelle ist es wichtig zu wissen, ob das Dienstleistungsunternehmen über die erforderliche Kompetenz verfügt. Dies hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab – zum Beispiel:

  • Qualifizierung, Ausbildung und Erfahrung des Personals
  • Eingesetzte Technik (Kalibrierung, Genauigkeit, Datenverfügbarkeit)
  • Qualitätssicherungssysteme
  • Angemessene Berichts- und Genehmigungsrichtlinien
  • Befolgung aktueller Test-/Inspektionsmethoden und Standards
  • Geeignete Probenahmeverfahren
  • Maßnahmen zur Marktüberwachung

Beim Kauf wollen sich die Verbraucher*innen darauf verlassen können, dass das Produkt ihrer Wahl ihre Erwartungen an Qualität und Sicherheit erfüllt. Um dies zu gewährleisten, schicken Hersteller Produkte zur Prüfung in Labore und lassen sich von einer externen „dritten Partei“ auditieren. In der Tat sind solche Inspektionen und Tests vertrauensbildende Maßnahmen. Die beauftragten Prüfdienstleister*innen tragen dabei eine große Verantwortung. Nur wenn sichergestellt ist, dass sie über die notwendigen Kompetenzen verfügen, unparteilich und unabhängig sind, kann Vertrauen nachhaltig aufgebaut und erhalten werden.

Die Akkreditierung: offiziell anerkannte Kompetenz

Eine Akkreditierung ist die formale Anerkennung der geforderten Kompetenz. Darüber hinaus definiert sie auch Vertraulichkeit, Arbeitssicherheit und einen spezifischen Verhaltenskodex. Akkreditierungsstellen sind staatlich beauftragt und überprüfen alle akkreditierten Prüfdienstleister*innen regelmäßig auf Herz und Nieren. Nicht alle Labore oder Prüfer*innen betreiben jedoch den Aufwand zur Erlangung und Aufrechterhaltung der Akkreditierung. Zwar verfügen viele Anbietende über ein gültiges ISO 9001-Zertifikat für ihr Qualitätsmanagementsystem, die Anforderungen für eine Laborakkreditierung (ISO 17025) oder Inspektionsstellenakkreditierung (ISO 17020) gehen jedoch weit darüber hinaus.

Akkreditierung

In Deutschland ist die Anerkennung qualifizierter Prüfdienstleister eine hoheitliche Aufgabe des Bundes. Verantwortlich ist die Deutsche Akkreditierungsstelle in Berlin (www.dakks.de).

Zertifikate, die ihren Namen verdienen

Fest steht: Die Wahl des richtigen Partnerunternehmens für Tests und Inspektionen minimiert das Risiko von Produktfehlern oder nicht erfüllten Anforderungen bzw. Erwartungen. Das Vertrauen in Produkte steigt durch eine unabhängige Bestätigung. Oft erfolgt eine solche Bestätigung durch ein „Zertifikat”. Da dies jedoch kein geschützter Begriff ist, könnte es auf einer einzelnen Prüfung einer beliebigen Person oder Firma basieren. Das „Zertifikat” könnte sogar lediglich die Selbsteinschätzung eines Herstellers beinhalten. Hinzu kommt, dass solche „Zertifizierungen“ möglicherweise nicht weltweit akzeptiert werden. Beim Eintritt in andere Märkte fallen dann erneut Kosten an.

Vertrauen und Marktakzeptanz lassen sich nur durch unabhängige Prüfungen und Inspektionen erreichen. Ein Zertifikat, das seinen Namen verdient, muss von einer nach ISO 17065 akkreditierten Zertifizierstelle (Certification Body, CB) stammen. Auch hier beurteilt die Akkreditierungsstelle, ob eine CB definierten Verfahren folgt und insbesondere unabhängig in ihrer Zertifizierungsentscheidung ist.

Zertifizierung

Mit einem Zertifikat bestätigen unabhängige Stellen wie TÜV Rheinland, dass etwa ein Produkt konform zu einer Prüfgrundlage (wie z.B. einer Norm oder Richtlinie) geprüft wurde oder ein Qualitätsmanagement die Anforderungen des geltenden ISO-Standards erfüllt. In der Online-Datenbank www.certipedia.com sind Zertifikate für durch TÜV Rheinland geprüfte Dienstleistungen, Unternehmen, Systeme, Produkteigenschaften und Personen öffentlich zugänglich.

Beispiel Photovoltaik-Industrie

In der Photovoltaik (PV) werden die Hauptkomponenten in der Regel von akkreditierten und renommierten Dienstleister*innen geprüft und zertifiziert. Es lohnt sich jedoch in jedem Fall, sich ein genaues Bild vom Leistungsumfang eines Labors zu machen, bevor eine Prüfung beauftragt wird. Zu oft werden veraltete Normen verwendet oder bestimmte Prüfmethoden sind nicht von einer Akkreditierung abgedeckt, d.h. Geräte und Personal stehen ebenfalls nicht unter der Aufsicht der Akkreditierung. Bei Inspektionen gibt es dann keine klar definierten Anforderungen. Inspektionen, die von einer akkreditierten Inspektionsstelle durchgeführt werden, folgen dagegen definierten und transparenten Methoden und werden regelmäßig auf Unparteilichkeit und Anti-Korruptions-Maßnahmen überprüft. Um Vertrauen aufzubauen, ist die Wahl eines akkreditierten Partnerunternehmens mit dem gewünschten Leistungsumfang der richtige Weg. Lassen Sie sich auch gerne die Akkreditierungsurkunde zeigen und prüfen Sie, ob Ihre gewünschte Dienstleistung davon abgedeckt ist.

Wie lässt sich ein vertrauenswürdiges Labor finden?

Die International Laboratory Accreditation Cooperation (ILAC) ist die internationale Organisation für Akkreditierungsstellen, die nach ISO/IEC 17011 arbeiten und sich mit der Akkreditierung von Konformitätsbewertungsstellen befassen – dazu gehören auch Prüflaboratorien (nach ISO/IEC 17025) und Inspektionsstellen (nach ISO/IEC 17020). Unter ilac.org können Interessierte nach Akkreditierungsstellen in dem Wirtschaftsraum suchen, in dem eine Prüfdienstleistung erbracht werden soll. Auch die Akkreditierungsstellen selbst – so zum Beispiel die Deutsche Akkreditierungsstelle DAkkS – bieten meist Online-Verzeichnisse an, die eine Suche nach Bereichen oder Normen ermöglichen und akkreditierte Dienstleister*innen auflisten.

Autor des Beitrags

Dipl.-Ing. Jörg Althaus

Dipl.-Ing. Jörg Althaus

PV-Kraftwerks-Dienstleistungen

Dipl.-Ing. Jörg Althaus ist Segment-Manager für PV-Kraftwerks-Dienstleistungen bei TÜV Rheinland. Als langjähriger Fachexperte im Bereich der Solarenergie vertritt er TÜV Rheinland in Industrieverbänden, spricht auf Fachforen und hat an vielen internationalen Industriestandards mitgewirkt. Er lebt seit 20 Jahren in Köln und hat zugleich internationale Verantwortung. Die Begegnung mit unterschiedlichsten Kulturen und Menschen auf Geschäfts- oder Privatreisen vermisst er am meisten, wenn er zu lange stationär ist. Als Taucher versinkt er gerne in der Faszination der Unterwasserwelt, um sich vom Trubel der immer schneller werdenden Welt zu entspannen.

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