Endlich ist das letzte Jahrzehnt vorbei. Und wenn mich jemand fragt, welches Jahrzehnt wir haben, kann ich beruhigt antworten: Wir haben die Zwanziger Jahre des 21. Jahrhunderts. Die Zwanziger. Erst die Nuller, dann die Zehner – welche sprachliche Tortur war das.

Roaring Twenties

Und wie schön sind dagegen die Zwanziger, wie schön waren im letzten Jahrhundert die Roaring Twenties, die Goldenen Zwanziger. Also zumindest für einige Jahre nach (Erster Weltkrieg) und vor der nächsten Katastrophe (Weltwirtschaftskrise, Faschismus). Es ist gewiss kein Zufall, dass derzeit landauf landab die Zwanziger eine Renaissance erleben. Babylon Berlin und Volker Kutscher sei Dank.

Wenn es nach mir geht, können wir die euphorische Stimmung direkt übernehmen, vielleicht aber für die Zwanziger dieses Jahrhunderts eine andere Farbe wählen. Ich schlage vor: Grün statt Gold. Wie wäre es mit den Grünen Zwanzigern des 21. Jahrhunderts? Wenn unsere Ururururenkel einmal etwas über die Zwanziger in der Schule lernen, soll es bitte heißen: In den Grünen Zwanzigern haben die Menschen damals begriffen, dass sie vieles ändern mussten. Sie haben wirklich begriffen (gewusst haben sie es ja schon vorher), dass fast 200 Jahre Industrialisierung zuvor in der bekannten Form – und somit das fossile Zeitalter – ein Ende haben mussten, damit nicht gleich die ganze Menschheit ein Ende hat.

Schön wäre es.

Jetzt bitte mal besorgen statt nur sorgen

Aber ach, die Klimakonferenz von Madrid ging Ende vergangenen Jahres mit dem Ergebnis zu Ende: Im nächsten Jahr treffen wir uns, um endlich konkrete Ergebnisse für mehr Klimaschutz zu erzielen. Klingt nicht gerade nach Aufbruch. Dabei bringen wir unseren Kindern doch bei: „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Das Problem bei diesem Klimakrisenthema: Es gibt kein morgen mehr, wenn wir nicht heute handeln. Insofern ist der Spruch also ungeeignet, leider. Das wiederum spielt aber auch keine Rolle, weil wir ohnehin nicht genug „besorgen“, allenfalls „sorgen“ wir uns. Aber das reicht nicht aus.

Das wissen wir. Also los.

Greta Thunberg hat den sehr großen Verdienst, uns Erwachsenen eindrücklich klar gemacht zu haben, was im Absatz zuvor steht. Es gibt kein morgen mehr, wenn wir nicht heute handeln. Wir hatten übrigens einen Winter im Rheinland mit drei Nächten leichtem Bodenfrost. Das Frühjahr? Vertrocknet, verwelkt. Waldsterben ist aktuell in vielen Regionen Deutschlands zu betrauern. Und den brennenden Kontinent Australien haben wir noch sehr frisch in Erinnerung.

Greta Thunberg hat bei uns Erwachsenen nicht verstanden, warum und worauf wir warten, denn es gibt ja sogar ein Rezept, um jetzt noch die Klimakatastrophe abzuwenden – zumindest habe ich sie so verstanden. Es sind eigentlich nur drei umwerfend schlichte Dinge, die schon sehr viel bewirken könnten – allerdings auch umwerfend gravierend in der Konsequenz für jeden von uns.

Auf Sicht hilft nur Verzicht

Punkt eins betrifft die Frage der Perspektive: Thunberg schaut anders auf diese Welt. Sie fragt sich, ob wir anderen Menschen „noch normal“ sind. Wie können wir übersehen, dass wir uns in den Abgrund manövrieren, und zwar mit Vollgas, obwohl das vollkommen sicher und erwiesen ist?

Verzicht auf Fleisch

Punkt zwei: Es kann nur eine Lösung geben, um die Klimakatastrophe zu verhindern – Verzicht. Weniger und bewusster Konsum bringen mehr Klima- und Umweltschutz. Der Verzicht auf Fleisch in der Ernährung mag polarisieren, ist aber genau der Weg. Das übertragen auf jeden Lebensbereich, hat positive Effekte.

Ich selbst esse weiter Fleisch, aber vielleicht einmal alle zwei Wochen, früher war es dreimal die Woche.

Kann ich wirklich noch zum Vergnügen fliegen? Kann ich auch ohne Tempolimit freiwillig maximal 120 fahren? Kann ich unverpackte Waren kaufen? Und und und.

Kauft grüne Technologien

Punkt drei: Wo wir jetzt nicht sofort verzichten oder nicht genug verzichten können, müssen wir – in den reichen Ländern wenigstens – sofort die längst vorhandenen „grünen“ Technologien nutzen, also erneuerbare Energien, umweltverträgliche Verkehrsmittel und so weiter. Aber das tun wir bislang nicht in ausreichendem Maße, obwohl viele von uns es sich leisten könnten und es oft gar nicht teurer ist. Bei dem Thema grüner Technologien kommt natürlich auch TÜV Rheinland eine große Verantwortung zu. Umweltschutz ist einer der zentralen Aspekte unserer Arbeit. Damit meine ich nicht nur den guten, alten Umwelt-TÜV zur Wasser-, Boden- und Luftreinhaltung. Gleichzeitig sind wir gefordert, innovative Technologien zur Marktreife und zum Erfolg zu bringen, denn: Für die Akzeptanz neuer Technologien sind Verlässlichkeit und Sicherheit ein Muss.

Das Beispiel Photovoltaik zur Erzeugung von Strom aus Sonnenenergie hat es vorbildlich gezeigt: Aus dem Enthusiasmus und Engagement einzelner auch bei TÜV Rheinland in den Neunziger Jahren ist eine voll etablierte Technologie geworden. Wir sind gleichzeitig weltweit marktführend bei der Prüfung und Zertifizierung von Solarsystemen und Solarkraftwerken. Es wird nicht immer eine solche idealtypische Konstellation an Umweltnutzen und ökonomischen Effekten geben, aber gewiss häufig.

Mein Fazit:

Wir müssen sie jetzt für die Grünen Zwanziger nutzen. Denn wir haben keine Zeit.

Autor des Beitrags

Jörg Meyer zu Altenschildesche

Jörg Meyer zu Altenschildesche

Pressesprecher

Ich wohne an der holländischen Grenze, was gut auszuhalten ist, da ich Fritten Spezial mag, in Köln arbeite und deshalb jeden Tag den Dom sehe. Ich bin Pressesprecher bei TÜV Rheinland, spreche aber nicht nur, sondern schreibe auch gern – und das schon seit über 40 Jahren. Natürlich gab es damals noch keine Computer oder so etwas (zumindest nicht bei uns zu Hause; immerhin hatten wir viele Lochkarten zum Spielen, weil mein Vater in einem Rechenzentrum gearbeitet hat). Aber viele von den Themen, die mich bewegen, waren damals auch schon spannend (oder sie wurden es sehr bald). Fußball oder Umweltschutz, Globalisierung oder Mobilität, dieses geniale Internet oder gleich die ganze Welt.

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Kommentare

1 Kommentar

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    The Green Twenties! All true… Schöner Artikel, danke dafür.

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