Die Versteigerung der ersten 5G-Frequenzen war der reinste Zankapfel. Seit März lief die Auktion für den neuen Mobilfunkstandard bereits – am 12. Juni ist nun eine Entscheidung gefallen. 6,55 Milliarden Euro zahlen die vier Provider Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica Deutschland und Drillisch insgesamt für die Frequenzen.

 

Die Netzbetreiber hatten sich natürlich gewünscht, die Lizenzen statt bei einer Auktion günstiger oder gar kostenlos im Rahmen eines Vergabeverfahrens zu erhalten. Auch Verdi war gegen die Versteigerung: Schuldendruck durch die Auktion und Umsatzrisiken durch das Verhandlungsgebot seien große Gefahren für Arbeitsplätze, mahnte die Gewerkschaft. Doch der Staat bestand auf eine Auktion. Als nächstes klagten die Telekom, Vodafone und Telefónica dann gegen die Vergabebedingungen der Bundesnetzagentur. Die Netzbetreiber bemängelten unter anderem das Verhandlungsgebot: Sie müssen ihre Netze unter gewissen Umständen der Konkurrenz öffnen. Was den Netzbetreibern zu weit ging, ging dem Mobile Virtual Network Operator (MVNO) Freenet nicht weit genug: Freenet klagte gegen die Vergaberichtlinien, weil darin kein garantierter Zugang zu den Netzen der Betreiber, eine sogenannte Diensteanbieterverpflichtung, enthalten ist.

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5G-Netz: Flächendeckender Ausbau mit Hindernissen

Neben dem Verhandlungsgebot waren die Netzbetreiber auch gegen die Versorgungsauflagen, die sie verpflichten, bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland, alle Bundesautobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen sowie die wichtigsten Schienenwege mit schnellen Datenverbindungen zu versorgen. Das ist auch nachvollziehbar, wurden doch nur die Frequenzspektren bei 2 und 3,6 GHz (Gigahertz) versteigert. Ein flächendeckender Ausbau ist aber vor allem mit Frequenzen um 700 bzw. 800 MHz (Megahertz) zu realisieren – dieser Bereich ist jedoch unter anderem noch durch digitales Fernsehen belegt und die Länder haben bis Juni 2020 Zeit, das Band freizumachen. Auch der Bereich um 2 GHz ist noch durch UMTS belegt und steht frühestens 2021 für 5G zur Verfügung. Je höher die Frequenzen, desto geringer die Reichweite, desto mehr Funkmasten sind nötig, desto höher sind die Kosten. Doch das Verwaltungsgericht Köln hat die Eilanträge der Netzbetreiber zurückgewiesen, sodass die 5G-Auktion schließlich planmäßig startete – und nun nach mehr als 12 Wochen beendet wurde.

Vom Internet der Dinge bis zum autonomen Fahren: 5G ermöglicht weitere Digitalisierung

Aber es gab auch Lob für die Bundesnetzagentur. Insbesondere Industrieverbände freuen sich, dass die Frequenzbereiche von 3,7 bis 3,8 GHz und 26 GHz ausgespart wurden und für lokale Anwendungen reserviert bleiben. Das ermöglicht es Unternehmen, an Produktionsstandorten eigene, lokal begrenzte 5G-Netze zur Kommunikation zwischen Maschinen, Systemen und Anlagen aufzubauen und zu betreiben. Sie können also selbst über den Zeitpunkt des Ausbaus und die Qualität des 5G-Netzes entscheiden.

Warum die ganze Aufregung? 5G verspricht mehr als nur ein modernisierter Mobilfunkstandard zu sein. Mit dem 5G-Netz kann die Digitalisierung weiter vorangetrieben werden: Unzählige Neuerungen in den Bereichen mobiles Internet, Internet of Things, Industrie 4.0 und autonomes Fahren sind mit 5G möglich.

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Ein integriertes, konvergentes Fest-Mobil-Breitband-Netz.

Das Potenzial von 5G ist enorm. Ideen für neue Anwendungen, ausreichende Rechenkapazitäten sowie intelligente Algorithmen stehen bereit. Jetzt muss das Netz „nur“ noch ausgebaut werden – und hier steckt der Teufel im Detail. Zum einen ist ein flächendeckendes Glasfasernetz Voraussetzung für 5G. Nur dann bekommen 5G-Sendemasten die nötige Bandbreite. Dann müssen existierende LTE-Masten mit 5G-Technologie upgegraded werden – und sicherlich auch neue Masten aufgestellt werden, damit Funklöcher endlich der Vergangenheit angehören. Schließlich müssen auch die restlichen Frequenzen versteigert und freigemacht werden und die Masten mit Technologie für diese Frequenzen ausgerüstet werden – falls dies nicht bereits vorausschauend beim ersten Upgrade mit durchgeführt wurde.

Insofern ist beim Ausbau zu 5G nur folgende Perspektive zielführend: Es geht nicht bloß um ein Mobilfunknetz, sondern auch um ein leistungsfähiges kabelgestütztes Netz, das sich in der Fläche ausbreitet – und auf das eine ganze Reihe von Zugangstechnologien, neben Kupfer vor allem auf HFC (Hybrid Fiber Coax) und 5G, zugreift – quasi ein integriertes, konvergentes Fest-Mobil-Breitband-Netz.

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Autor des Beitrags

Gürkan Ünlü

Gürkan Ünlü

Consulting

Gürkan Ünlü ist Leiter der Geschäftsentwicklung bei der TÜV Rheinland Consulting sowie Leiter des Corporate Center of Excellence Data Analytics bei TÜV Rheinland.

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